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Sicario 2 [2018]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. Februar 2019
Genre: Thriller

Originaltitel: Sicario: Day of the Soldado
Laufzeit: 122 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 18 Jahren

Regie: Stefano Sollima
Musik: Hildur Guðnadóttir
Darsteller: Benicio Del Toro, Josh Brolin, Isabela Moner, Jeffrey Donovan, Catherine Keener, Manuel Garcia-Rulfo, Matthew Modine, Shea Whigham, Elijah Rodriguez, Howard Ferguson Jr., David Castañeda


Kurzinhalt:

Nach einem Selbstmordanschlag mit mehr als einem Dutzend Toten in Kansas City deuten Hinweise darauf hin, dass die Terroristen durch mexikanische Drogenkartelle in die Vereinigten Staaten geschleust wurden. CIA-Agent Matt Graver (Josh Brolin) wird mit dem ersten Gegenschlag betraut und plant, mit dem ehemaligen Attentäter Alejandro (Benicio Del Toro) die Kartelle gegeneinander aufzubringen. Hierfür ermorden sie den hochrangigen Anwalt eines Kartells und kidnappen die Tochter des Anführers des rivalisierenden, Isabel Reyes (Isabela Moner). Mit deren Vater hat Alejandro jedoch eine eigene Rechnung offen. Gerade als die Operation an einem kritischen Punkt ankommt, werden Hinweise bekannt, die die Geschehnisse in ein neues Licht rücken – und Graver den politischen Rückhalt entziehen. So ist Alejandro mit Isabel hinter der mexikanischen Grenze ganz auf sich gestellt …


Kritik:
Der Nachfolger des Thriller-Dramas Sicario [2015] verspricht zu Beginn eine Geschichte, nur um dann zu einer anderen zu wechseln, ehe die letzten Minuten andeuten, dass all dies nur die Vorbereitung einer ganz anderen Story war, die in der Fortsetzung erzählt werden könnte. Das macht Sicario 2 nicht nur zu einem höchst unbefriedigenden Erlebnis, sondern auch zu einem ziellos erzählten. Darüber trösten weder die stylische Inszenierung, noch die zwei zentralen Figuren hinweg, von denen keine einen ähnlichen Bezug für das Publikum bietet wie Emily Blunts Charakter im ersten Teil.

Dabei konzentriert Drehbuchautor Taylor Sheridan, der auch die Vorlage für den Vorgänger lieferte, zwei der größten Ängste, die in der amerikanischen Gesellschaft derzeit geschürt werden können. Der Film beginnt mit einem schrecklichen Terroranschlag auf einen Supermarkt in Kansas City. Die Selbstmordattentäter sollen über die mexikanische Grenze durch Schleuser der Drogenkartelle ins Land gebracht worden sein, weswegen die US-Regierung erwägt, Kartelle zu Terrororganisationen zu erklären. Das bedeutet, dass sie mit weitreichenden Mitteln auch auf fremdem Terrain bekämpft werden können. CIA-Agent Matt Graver fällt die erste dieser Missionen zu und er plant, mit Hilfe des ehemaligen Auftragskillers Alejandro, einen Krieg zwischen den Kartellen anzuzetteln. Dafür leitet Alejandro eine medienwirksame Exekution eines hochrangigen Anwalts des Matamoros-Kartells auf offener Straße. Wenig später entführen er und Graver die Tochter des Anführers des rivalisierenden Kartells, Isabel Reyes.

Die Idee an sich klingt auf eine erschreckende Art und Weise kalkuliert, dass es nicht einmal abwegig ist. Vor allem, was geschehen würde, würden die Kartelle erfahren, dass sie gegeneinander ausgespielt wurden, wäre interessant. Aber statt diese Story weiterzuverfolgen, widmet sich Sicario 2 mit den Grenzwechseln den Schleusern der Kartelle, die täglich Menschen aus Mexiko in die vereinigten Staaten schmuggeln. Dass damit und mit dem aufstrebenden jungen Miguel, der in die Welt der skrupellosen Verbrecher rutscht, sämtliche Klischees und Stereotypen bedient werden, die zumindest auf einer extremen Seite des politischen Spektrums bedient werden, ist geradezu ärgerlich. Vor allem deshalb, da sich das Skript nicht die Mühe macht, die Figur überhaupt zu beleuchten. Wieso lässt er sich in diese Welt ziehen? Wieso fehlt ihm ein moralischer Kompass und gibt es nicht einmal in seiner eigenen Familie Menschen, die seinen Abstieg erkennen?

Gab es in Sicario eine moralische Instanz, eine Figur im Zentrum, die als Leuchtturm einer moralischen Integrität fungierte und durch ihre Einblicke in diese finstere Welt immer weiter an Strahlkraft verlor, ist Sicario 2 von Personen bevölkert, die alles zu tun in der Lage sind und dabei nicht einmal einen inneren Antrieb zu besitzen scheinen, der über ihren jeweiligen Gehaltscheck hinausgeht. Dass Alejandro mit Isabels Vater eine eigene Rechnung zu begleichen hat, würde ihm zumindest eine Motivation verleihen, doch auch dieser Storyaspekt wird nicht weiter verfolgt und versandet wenig später.
So wenig sich Filmemacher Stefano Sollima, der unter anderem für die ersten Staffeln der preisgekrönten Mafia-Serie Gomorrha [seit 2014] verantwortlich zeichnet, bemüht, seine Charaktere vorzustellen, so wenig ist ihm offensichtlich daran gelegen, sie angemessen zu verabschieden. Wie es bei zwei zentralen Figuren weitergeht, erfährt man schlicht nicht und bei zwei weiteren soll eine Fortsetzung wohl Antworten liefern.

Unbestritten, das schmälert nicht die handwerkliche Finesse, mit der Sicario 2 umgesetzt ist. Kamera und Schnitt sind gelungen, die Perspektiven vermitteln stets eine Übersichtlichkeit, lassen aber gleichzeitig das Gefühl des ersten Teils vermissen, man befände sich mit den Figuren an der Grenze. Auch die Musik von Hildur Guðnadóttir überzeugt durch die dichte Atmosphäre, reicht jedoch nicht an die beunruhigenden Kompositionen von Jóhann Jóhannsson aus Teils eins heran, die für einen Oscar nominiert wurden. Damit könnte man sich zweifellos arrangieren, wäre die Geschichte packend sowie die Charaktere glaubwürdig und vielschichtig. Doch beides ist hier leider nicht der Fall.


Fazit:
Lässt man die Stereotypen außer Acht, die hier von mexikanischen und muslimischen Figuren dargestellt werden – und zu denen es keinerlei entgegengesetzte Figuren im Film gibt – bietet Sicario 2 neben einigen im Grunde interessanten Charakteren auch ein paar Action-Sequenzen, die jedoch alle nach demselben Schema ablaufen. Die Spezialeinheit um Matt Graver und Alejandro fährt irgendwo hin, schießt und fährt wieder weiter. Das ist nicht nur wenig packend, es ist auch überraschend eintönig und lässt die beunruhigende Intensität des ersten Films vermissen, obwohl es ordentlich inszeniert ist. Dass die Story immer wieder die Richtung wechselt und keinen Schluss für irgendeinen Ansatz findet, ist so unverständlich wie ärgerlich. Vor allem erweckt es den Eindruck, als sollte eher eine Fortsetzung eingeleitet, als eine stimmige Geschichte erzählt werden. Nur weshalb soll sich das Publikum für weitere Filme interessieren, wenn die Figuren hier schon kein nennenswertes Profil besitzen?
 


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