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Sherlock Holmes: Juwelenraub [1946]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. Februar 2009
Genre: Krimi

Originaltitel: Terror by Night
Laufzeit: 57 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1946
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Roy William Neill
Musik: Milton Rosen
Darsteller: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Alan Mowbray, Dennis Hoey, Renee Godfrey, Frederick Worlock, Mary Forbes, Skelton Knaggs, Billy Bevan, Geoffrey Steele


Kurzinhalt:
Seit Jahren ist der berühmte Diamant "Der Stern von Rhodesien" im Besitz von Lady Carstairs (Mary Forbes), die beabsichtigt, den wertvollen Stein im Zug nach Edinburgh zu bringen. Ihr Sohn Roland (Geoffrey Steele) engagiert Sherlock Holmes (Basil Rathbone), um den Stein zu bewachen, da bereits in der Vergangenheit Versuche unternommen wurden, ihn zu stehlen.
Doch schon am ersten Abend wird Roland tot aufgefunden und der Stein entwendet. Da der Zug bis nach Edinburgh nicht hält, bleiben Holmes und Watson wenige Stunden, um den Täter und Dieb an Bord ausfindig zu machen. Sie ermitteln mit Inspektor Lestrade (Dennis Hoey) von Scotland Yard, der unerkannt den Stein bewachen wollte. Ihnen steht eine Vielzahl an Verdächtigen gegenüber, darunter der unkooperative Mathematikprofessor William Kilbane (Frederick Worlock) und die undurchsichtige Vivian Vedder (Renee Godfrey), die ihre verstorbene Mutter in einem Sarg im Zug transportiert.
Einzig um Zusammenarbeit bemüht scheint Watsons Bekanntschaft und ehemaliger Militärkamerad Major Duncan-Bleek (Alan Mowbray). Doch während den Ermittlern die Zeit davonrinnt, wird auf Holmes im Zug ein Mordanschlag verübt ...


Kritik:
Es ist durchaus faszinierend zu beobachten, wie manche Elemente der modernen Kriminalliteratur im Kopf der Leser verankert sind. Denkt man beispielsweise an einen Mord im Zug mit zahlreichen Verdächtigen und einem Ermittler, der während der Zugfahrt herausfinden muss, wer der Täter und was das Motiv gewesen ist, kommt als erstes Agatha Christies Mord im Orientexpress [1934] in den Sinn. Der Schauplatz und Handlung sind untrennbar mit den heutigen Unterhaltungsmedien verknüpft, dabei wurde der Roman um den belgischen Detektiv Hercule Poirot erst 1974 zum ersten Mal verfilmt. Doch auch wenn Juwelenraub lose auf einigen Geschichten des britischen Holmes-Autors Sir Arthur Conan Doyle basiert, der Autor des TV-Films ließ sich ganz offensichtlich von Agatha Christies Roman inspirieren.
Dagegen ist grundsätzlich auch nichts einzuwenden und als Zuschauer nimmt man aus heutiger Sicht dankbar wahr, dass sich die propagandistischen Inhalte der letzten US-Verfilmungen hier zurückhalten. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs empfanden es die Produzenten wohl nicht mehr als angemessen oder notwendig, ihre Botschaft mittels der Krimireihe zu transportieren.

Die Geschichte entfaltet sich dabei wie gewohnt, so dass neben dem begehrten Diamanten zuerst die möglichen Verdächtigen präsentiert werden, die allesamt undurchsichtig erscheinen, sodass die Skepsis von Seiten der Zuschauer und des Gespanns Holmes/Watson auch entsprechend groß ist.
Der Trick, den Holmes gleich zu Beginn anwendet, um einen Diebstahl des Diamanten zu verhindern, ist dabei für Kenner der Reihe und Krimifans insgesamt, sofort offensichtlich, doch mindert dies nicht das Interesse, wenn es darum geht, den Mörder, beziehungsweise den Dieb des Diamanten ausfindig zu machen.
Nach wie vor liegt es an den Darstellern, die mäßig spannende, jedoch dahinplätschernde Geschichte interessant zu gestalten. Auflockerung verschafft dabei abermals Inspektor Lestrade von Scotland Yard und die Verhörversuche von Dr. Watson, der hier aber eher zu Unrecht wie ein verlorener Welpe durch die Abteile watschelt. Der charismatische Basil Rathbone, der Sherlock Holmes mit einer Leichtigkeit verkörpert, darf dafür den einzig packenden Moment des Krimis erleben, auch wenn dieser zu schnell vorbei und die Auflösung der Szene zu einfach geraten ist.
Ansonsten gibt es bei den Beteiligten nichts zu bemängeln. Die Darsteller sind bemüht, ihre Figuren zum Leben zu erwecken, handwerklich gibt sich Regisseur Roy William Neill Mühe, den Schauplatz im Zug auch für sich zu nutzen und den eingeengten Handlungsspielraum von Täter und Detektiv verständlich zu machen.

Die eingespielten Archivaufnahmen des rasenden Zuges wirken aus heutiger Sicht sicherlich angestaubt, doch waren sie für die damalige Zeit auf Höhe der Technik, so dass den Machern kein Vorwurf zu machen ist. Einziger Schwachpunkt des Films ist einmal mehr die Geschichte, der es nicht wirklich gelingt, differenzierte Figuren zu entwickeln oder ihre Hintergründe zu beleuchten. Die meisten bekommen allenfalls einen Namen und einen Beruf zugeschrieben, weitere Informationen fehlen allerdings. Was aus der in Juwelenraub vorgestellten Story gestrickt werden kann, ist im eingangs erwähnten Mord im Orientexpress zu sehen und hier reicht der vorletzte Film mit Basil Rathbone als Sherlock Holmes und Nigel Bruce als Watson leider nicht heran.
Dass der Krimi insbesondere für Fans der Reihe funktioniert, liegt an der gelungenen Atmosphäre an Bord des Zuges und den Darstellern, die allesamt in ihrem Element sind. Das macht ihn zu einem besseren Teil der Reihe, doch bei weitem nicht zu dem Besten.

Da interessanterweise viele Filme der Reihe mit Basil Rathbone in der Hauptrolle im Fernsehen bis auf einige wenige wiederholt werden, dürfte es Fans freuen zu hören, dass vor einiger Zeit die DVD-Boxen mit allen Filmen erschienen sind. Preislich mögen diese zur Zeit noch unangemessen hoch erscheinen, Interessenten finden sie jedoch mitunter auch in gut sortierten Videotheken.
Viel reizvoller bei der Heimvideoveröffentlichung ist allerdings die Tatsache, dass die Filme nicht nur qualitativ hochwertig restauriert wurden, sondern auch ungeschnitten veröffentlicht werden. Das ZDF nahm, wie bei den Öffentlich-Rechtlichen Sendern üblich, seinerzeit eigenmächtige Änderungen an den Filmen vor. Zusätzlich zur englischen Originaltonspur sind außerdem beide deutschen Synchronfassungen der Krimis auf den Discs vertreten. Denn während in Westdeutschland die gekürzten Fassungen liefen, synchronisierte die damalige DDR die Filme selbst neu und zeigte sie ungeschnitten im Fernsehen.
Fans der Reihe können also gerne zugreifen, wenn der Preis von derzeit 125 EUR für alle Episoden nicht abschreckt. Die britische DVD-Sammlung (ohne deutschen Ton, dafür ebenfalls mit restauriertem Bild) gibt es jedoch bereits für 40 EUR.


Fazit:
Ein mysteriöser Mord, ein verschwundener Diamant – all das an Bord eines rasenden Zuges. Das erinnert aus heutiger Sicht nicht nur frappierend an andere Kriminalgeschichten, sondern es bietet auch mehr Potential, als in Juwelenraub ausgeschöpft wird. Dank der guten Sets, der motivierten Darsteller Basil Rathbone und Nigel Bruce, sowie der komödiantischen Einlagen durch Inspektor Lestrade und Dr. Watson hinterlässt der Krimi letztlich einen guten Eindruck.
Die Geschichte war damals sicherlich innovativ und auch spannend umgesetzt und wer auf eine solch klassische Detektivgeschichte Wert legt, wird auch auf seine Kosten kommen, doch zum selber miträtseln fehlen einem als Zuseher die Informationen und die Auflösung selbst kommt deswegen ein wenig überraschend. Von der Holmes-typischen deduktiven Methode ist deshalb auch wenig zu sehen. Nichtsdestotrotz bleibt Terror by Night, so der Originaltitel, ein überdurchschnittlicher Beitrag zur Serie und für Fans ohnehin ein Pflichttermin.


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