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Sherlock: "Ein Fall von Pink" [2010]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. März 2012
Genre: Krimi

Originaltitel: Sherlock: "A Study in Pink"
Laufzeit: 87 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Paul McGuigan
Musik: David Arnold, Michael Price
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Rupert Graves, Una Stubbs, Loo Brealey, Vinette Robinson, Tanya Moodie, Siobhan Hewlett, William Scott-Masson, Victoria Wicks, Mark Gatiss


Kurzinhalt:
Nach seinem Einsatz in Afghanistan fällt es dem Arzt Dr. Watson (Martin Freeman) schwer, sich in London wieder einzugewöhnen. Außerdem übersteigt das Mietniveau sein Budget. Über einen gemeinsamen Bekannten wird er dem verschrobenen Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) vorgestellt, mit dem er sich ein Apartment in der Baker Street 221b teilen wird. Holmes Selbstbewusstsein übertritt spielerisch die Grenzen zur Arroganz, doch erkennt Watson schnell, dass in ihm ein genialer Verstand arbeitet. Gelegentlich ist Sherlock Holmes als Berater für die Polizei tätig und auch diesmal bittet ihn Detective Inspector Lestrade (Rupert Graves), sich einen Tatort anzusehen.
Wie in den vorangegangenen Monaten bereits mehrmals geschehen, scheint es sich auch hierbei um einen Selbstmord zu handeln. Doch irgendetwas sagt Lestrade, dass die Fälle zusammenhängen. Von dem gleichen Gift, das alle Opfer freiwillig eingenommen haben, einmal abgesehen. Schon bald hat Holmes erste Hinweise entdeckt, doch ergeben sie keinen rechten Sinn. Dann wird Watson von einem elegant gekleideten Herrn aufgesucht, der ihm rät, sich von Holmes fernzuhalten ...


Kritik:
Sieht man den exzentrischen Mann am Tatort agieren, wie er dieselben Beweise sieht wie alle anderen im Raum, und trotzdem Dinge wahrnimmt, die den übrigen verborgen bleiben, beobachtet man ihn später, wie er sich als völlig ungeeignet für soziale Bindungen entpuppt, ist man an die Serienfigur Adrian Monk [2002-2009] erinnert. Erst dann wird einem klar, wie weitreichend der Einfluss von Sir Arthur Conan Doyles legendärem Protagonisten Sherlock Holmes tatsächlich ist. 125 Jahre nach seinem Entstehen prägt er nicht nur, was man von einem Krimi erwartet, sondern brachte einer breiten Leserschaft die Wissenschaft der Kriminologie nahe – und inspiriert seither zahlreiche Ermittlerfiguren. Doyle wollte seinerzeit einen Detektivroman verfassen, in welchem nicht durch Zufall, sondern dank der Wissenschaft der Täter gefasst wurde. Wie wichtig Details und ihre Zusammenhänge sind, welchen Aufschluss sie geben, verraten heute auch Fernsehserien wie C.S.I. – Tatort Las Vegas [seit 2000]. Mit der britischen Fernsehserie Sherlock transportiert der Sender BBC das Urgestein des Krimigenres in die heutige Zeit und bleibt dabei doch den Prinzipien der Legende und den Figuren treu. Herausgekommen ist ein überraschend sehenswerter Mix aus dem Bekannten und der Moderne, bei dem nicht nur Fans auf ihre Kosten kommen.

Dabei richtet sich der Krimi sowohl an Kenner der Vorlage, wie an Neueinsteiger, beginnt die Geschichte doch ganz am Anfang. Dr. Watson, ein Veteran des Afghanistaneinsatzes, muss sich notgedrungen einen Mitbewohner suchen. Dabei stößt er auf den brillanten, aber ebenso exzentrischen Sherlock Holmes, der – als ihn der Polizist Lestrade zu einem andauernden Fall als Berater hinzuzieht – ihn einlädt, mitzukommen. Dass Holmes bei der Polizei nicht gern gesehen ist und mehr belächelt wird, liegt wohl nicht nur an seiner herablassenden Haltung und seiner offenkundigen Arroganz. Vielmehr gelang ihm wohl schon früher die Lösung von Fällen, bei denen sich die übrigen Ermittler die Zähne ausgebissen hatten. Nun steht Lestrade erneut vor einem solchen Fall. Mehrere Personen haben sich über Monate hinweg das Leben mittels eines Giftes genommen. Augenscheinlich besteht zwischen den Opfern kein Zusammenhang, außer dass sie an Orten gefunden wurden, wo man sie nicht vermuten würde – und dass sie alle das Gift wohl freiwillig eingenommen haben. Aber wieso?
Dass sich Sherlock Holmes mit den Einzelheiten bereits beschäftigt hatte, erkennt man daran, mit welchem Enthusiasmus er an dem Tatort zu Werke geht, zu dem ihn Lestrade führt. Regisseur Paul McGuigan findet einen gelungenen Weg, die Gedankengänge des Protagonisten sichtbar zu machen. Abgesehen von Rückblenden und Zooms, die jedoch bei weitem nicht auf Schauwerte getrimmt sind wie bei den CSI-Serien, präsentiert er Holmes' Stakkato an Gedankensprüngen und lädt so den Zuseher ein, mitzurätseln. Welche Schlüsse Holmes aus seinen Beobachtungen zieht, erfährt man wenige Momente später, wenn er sich den umstehenden Personen erklärt. So kann man sich selbst gleich überprüfen, ob man mit seiner eigenen Einschätzung richtig lag.

Durch die Einführung, die deutlich mehr auf Watson denn auf Holmes ausgelegt ist, kommen die eigentlichen Nachforschungen recht spät in Fahrt. Nichtsdestoweniger fesselt Ein Fall von Pink durch die Figuren, die in ihren Eigenheiten den Romanvorbildern treffend nachempfunden sind, und einen Fall, der sich zwar moderner Elemente bedient, aber dennoch klassisch strukturiert bleibt.
Ein Highlight ist dabei die Besetzung, angeführt von Benedict Cumberbatch und Martin Freeman als Holmes, beziehungsweise Watson. Sie verleihen ihren Figuren trotz ihrer Charakterzüge eine gewisse Authentizität und erhalten eine schelmische Ironie, die dem TV-Krimi merklich gut tut.
In einer Zeit, in der Hollywood mit viel Bombast und Action den Klassiker Sherlock Holmes wiederentdeckt hat, zeigt Sherlock, wie zeitlos die Figur tatsächlich ist. Und dass sie als aufmerksamer Ermittler in unserer heutigen Zeit problemlos funktioniert. Ob die Autoren dieses erfrischende Gefühl erhalten können, wird sich weisen. Krimifans und Kenner der Vorlage sollten allerdings gleichermaßen interessiert sein.


Fazit:
Bedenkt man, dass es in Ein Fall von Pink um die Wiederentdeckung einer Ikone des Krimigenres geht, interessiert der eigentliche Fall nur an zweiter Stelle. Vorrangig ist für Fans, wie die Figur des Sherlock Holmes umgesetzt ist, zumal es im ersten Moment nur bedingt möglich scheint, ihn in der heutigen Zeit neu erfinden zu wollen. Was vor 125 Jahren die Leser erstaunt und gefesselt hat, kann uns heute doch nicht mehr zum Staunen bringen, oder doch? Sind wir nicht aufgeklärter, so dass seine Methode der Deduktion ihre verblüffende Wirkung verloren hat?
Bereits der Pilotfilm der Serie Sherlock zeigt, dass kaum eine Aussage falscher sein könnte. Tadellos und einfallsreich umgesetzt veranschaulichen die Filmemacher, dass die Figuren Sherlock Holmes und Dr. Watson in jeder Epoche Bestand haben. Dass sie außerdem erste Ausläufer einer großen Hintergrundgeschichte einstreuen, ist für Fans ein zusätzliches Bonbon. Für einen Einstand überraschend routiniert gibt sich Ein Fall in Pink als sehenswerter Mix der bekannten Figuren und des modernen Settings. Das ist rundum gelungen und macht neugierig auf die kommenden Fälle.


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