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Sherlock: "Der leere Sarg" [2014]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 09. August 2014
Genre: Unterhaltung / Thriller

Originaltitel: Sherlock: "The Empty Hearse"
Laufzeit: 86 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jeremy Lovering
Musik: David Arnold, Michael Price
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Rupert Graves, Mark Gatiss, Amanda Abbington, Louise Brealey, Andrew Scott, Jonathan Aris


Kurzinhalt:
Zwei Jahre sind vergangen, seit Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) von seinem Erzfeind James Moriarty (Andrew Scott) auf dem Dach eines Krankenhauses in die Ecke gedrängt und zum Äußersten gezwungen wurde. In dieser Zeit war die Welt und auch Holmes' Assistent Dr. John Watson (Martin Freeman) überzeugt, Holmes wäre tot. Doch dessen Bruder Mycroft (Mark Gatiss) spürt Sherlock auf, der im Verborgenen darum bemüht war, Moriartys Netzwerk zu zerschlagen.
Sherlock wird zurück in London gebraucht, wo es Anzeichen dafür gibt, dass ein verheerender Terrorakt geplant ist. Um den Schergen auf die Schliche zu bekommen, benötigt Sherlock jedoch die Hilfe von Dr. Watson, der kurz davor steht, Mary Morstan (Amanda Abbington) einen Heiratsantrag zu machen ...


Kritik:
Nach zwei Jahren und einem Cliffhanger, der viele Fans lange beschäftigt hat, kehrt die moderne, britische Adaption der klassischen Abenteuer des Detektivs Sherlock Holmes mit Der leere Sarg zurück. Dass sich die Darsteller sofort in ihren Figuren wiederfinden tröstet ebenso wie ihre gemeinsamen Szenen darüber hinweg, dass sich die Autoren (gelungen) um eine Auflösung dessen drücken, was sie in der vorigen Episode erzählt haben. Und darüber, dass sie die Schwächen der Serie wieder mitgebracht haben.

Egal mit welchem Kunstgriff man auflösen wollte, womit Der Reichenbachfall [2012] aufhörte, es wäre vollkommen abstrus, geschweige denn glaubhaft. Insofern ist es eine kluge Entscheidung der Autoren, die wilden Spekulationen der Fans zu nutzen und sich einer Erklärung zu enthalten. Das heißt nicht, dass Der leere Sarg keine Erklärungen liefern würde, vielmehr darf man sich aussuchen, welche einem am besten gefällt. Die Geschichte setzt zwei Jahre später ein, als Sherlocks Bruder Mycroft den Meisterdetektiv aufspürt. Er benötigt seine Hilfe, um einen in London geplanten Terroranschlag zu verhindern. Dass Sherlocks Wiedersehen mit seinem Assistenten Dr. Watson, der dachte, er habe seinen Freund für immer verloren und in tiefe Depressionen versunken war, explosiver ist als die Story selbst, zählt zu den bekannten Makeln der Serie.

Es ist wie in den Staffeln zuvor: Die Ermittlungsarbeit des Duos konzentriert sich auf wenige Szenen, in denen man Sherlocks deduktive Methoden beobachten kann, ohne selbst miträtseln zu dürfen. Dazwischen gibt es Momente, die dank der Chemie der beiden Darsteller funktionieren, aber der Fall, der ihnen aufgetragen wird, interessiert nur am Rand. Wüsste man im Vorfeld, wann der Anschlag stattfinden soll, käme zumindest ein Gefühl von drohender Gefahr auf. Doch sieht man Sherlock sich mit kleinen Problemfällen die Zeit vertreiben, während woanders in der Stadt unzählige Menschen vielleicht in Lebensgefahr schweben, beraubt das Der leere Sarg jeglicher Spannung.

In seiner Rolle als emotional abgehobener, brillanter Ermittler geht Benedict Cumberbatch wie gewohnt auf, der wahre Star ist hier jedoch Martin Freeman als Dr. Watson, dessen Leben erneut aus der Bahn gerät, als ihm Sherlock Holmes offenbart, dass er seinen Tod nur vorgetäuscht hat. Er verleiht dem Duo eine menschliche Komponente, die es greifbar macht. Fans dürfte ebenso freuen, dass Louise Brealey als Molly Hooper hier mehr in Erscheinung treten darf, auch wenn zu befürchten steht, dass sie in Zukunft in den Hintergrund tritt, da mit Watsons Partnerin Mary eine neue weibliche Nebenfigur eingeführt wird.

An den Figuren ist die Drehbuchvorlage ohnehin mehr interessiert, während die eigentliche Geschichte gewohnt stiefmütterlich behandelt wird. Dabei schlummert selbst in der ominösen Warnung eines Anschlags im Herzen Londons ein traurigerweise stets aktuelles Thema, das eine packende Umsetzung ermöglicht. Doch die wird – wenn denn Spannung aufkommt – durch eine erzwungen stylische Umsetzung zunichtegemacht. Derart viele (und vollkommen unnötige) Zeitlupen boten nicht einmal Guy Ritchies Hollywood-Umsetzungen des klassischen Sherlock Holmes mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle. Und auch dort waren es mitunter zu viele.


Fazit:
Der leere Sarg ist sichtlich darum bemüht, die Geschehnisse des vorigen Falles zu revidieren und die Hintergrundgeschichte um Sherlock Holmes und Dr. Watson wieder auf Null zu setzen. So gibt es wieder Andeutungen eines Drahtziehers im Hintergrund, erneut eine Bedrohung für ganz London, die sich rasend schnell auflösen lässt, würde das Drehbuch nicht an unpassenden Stellen Rückblicke einstreuen und dadurch das Tempo aus der Geschichte ziehen.
Die einzig wirklichen Veränderungen finden bei den Figuren statt, die etwas zusammenrücken. Sie machen Sherlock nach wie vor sehenswert, allen voran die beiden Hauptfiguren. Der Thriller, der nebenbei erzählt wird, bietet Zündstoff für einen James Bond-Film, doch die Mühe macht sich das Skript leider nicht. So bleibt es bei amüsanter Unterhaltung mit charismatischen Figuren.


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