skip to content

Selbst ist die Braut [2009]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. August 2009
Genre: Komödie / Liebesfilm

Originaltitel: The Proposal
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ohne Altersbegrenzung

Regie: Anne Fletcher
Musik: Aaron Zigman
Darsteller: Sandra Bullock, Ryan Reynolds, Mary Steenburgen, Craig T. Nelson, Betty White, Denis O'Hare, Malin Akerman, Oscar Nuñez, Aasif Mandvi, Michael Nouri, Michael Mosley


Kurzinhalt:
Die für einen großen Verlag arbeitende Margaret Tate (Sandra Bullock) ist erfolgreich, gut aussehend, knallhart und von ihren Untergebenen gefürchtet. Sie hat nur ein Problem: als Kanadierin mit abgelaufener Aufenthaltsgenehmigung wird sie ausgewiesen und darf folglich für den amerikanischen Konzern nicht mehr arbeiten. Da kommt ihr im Eifer des Gefechts die rettende Idee, ihr Assistent Andrew Paxton (Ryan Reynolds) müsse sie heiraten. Sonst verliert nicht nur sie ihren Job, sondern er auch seinen.
Um Mr. Gilbertson (Denis O'Hare) von der Einwanderungsbehörde zufrieden zu stellen, reisen beide zu Andrews Familie nach Alaska, um dort den 90. Geburtstag seiner Großmutter Annie (Betty White) zu feiern. Da Andrew Margaret bislang immer als Tyrannin beschrieben hat, ist er in Erklärungsnot gegenüber seiner Familie und soll gleichzeitig noch seine Verlobung bekannt geben.
Das verstärkt die Spannungen mit Andrews Vater Joe (Craig T. Nelson) nur noch mehr, bis seine Mutter Grace (Mary Steenburgen), Vater und Großmutter auf eine Idee kommen: Margaret und Andrew sollen zu Annies 90. in zwei Tagen heiraten ...


Kritik:
Sandra Bullock ist keine Julia Roberts. Zum Glück, denn hätte die Pretty Woman [1990]-Darstellerin nach Gehaltsstreitigkeiten ihre Beteiligung an Selbst ist die Braut nicht abgesagt, wäre Bullock einer der größten finanziellen Erfolge ihrer Karriere vorenthalten geblieben. Sie selbst gibt an, Margaret Tate genossen zu haben, ihre Macht und ständige miesepetrige Laune. Das sieht man ihr auch an. Die toughe Geschäftsfrau ist dabei zwar nach einem bekannten Muster gestrickt, dessen Hintergründe man aber später erst aufgedeckt bekommt. Man lernt sie zunächst als unnahbare, erbarmungslose und ausbeuterisch dominante Vorgesetzte kennen, bei der man einen kalten Stein als Herz vermutet und dieser Eindruck bleibt interessanterweise nach der ersten Begegnung auch bestehen. Wie der aufstrebende Andrew Paxton (sympathisch und leichtfüßig von Ryan Reynolds gespielt), hat man sich nach kürzester Zeit eine einschlägige Meinung von Margaret zurecht gelegt und muss später mit ansehen, wie diese Fassade zu bröckeln beginnt.
Gleichzeitig spielt auch Paxtons Familie eine Rolle, mit der sich Margarets Assistent wohl in der Vergangenheit zerstritten hat. An den freundlichen, sympathischen Figuren liegt es, dass The Proposal (aus dem Englischen mit "Der Antrag" treffender zu übersetzen) mehr zu bieten hat, als die normalen Komödien. Die Hintergründe zu Margarets Verhalten werden zwar geklärt und wirken aus anderen Geschichten durchaus vertraut, doch ersparen die Macher den Zuschauern allzu rührselige Rückblicke oder Details. Durch die wenigen Eigenschaften und Vorlieben, welche die herrschsüchtige Abteilungsleitern preisgibt, rücken Puzzlestücke ihrer Vergangenheit ins Licht, doch muss man sich das Gesamtbild nach wie vor selbst erschließen. Ihre Wandlung weckt dabei glücklicherweise kein Mitleid, sondern lediglich Verständnis für ihr Verhalten, was am Ende auch glaubwürdiger bleibt, als man es so oft schon erzählt bekommen hat.

Sehr häufig scheinen Drehbuchautoren darum bemüht, zum Schluss hin alle im Film vorgestellten Probleme zu lösen. Bei Selbst ist die Braut wären das eine ganze Menge: Margarets Aufenthaltsgenehmigung, es gilt, den Prüfer der Einwanderungsbehörde zu überzeugen, Andrews verflossene Liebe ist ebenfalls nicht glücklich und seine Beziehung zu seinem Vater ist mehr als nur gespannt, immerhin will der Sohn das Firmenimperium nach dem Rücktritt Joe Paxtons nicht übernehmen, sondern sein eigenes Leben leben. Doch Pete Chiarellis stellenweise überraschend pointiertes Skript versucht es nicht, die Welt in weniger als zwei Stunden perfekt zu machen. Vielmehr widmet er sich einem Problem der Figuren und stellt die anderen lediglich vor. Dadurch werden die Charaktere nicht nur glaubhaft, sondern ihre Spannungen untereinander auch spürbar. Die Regisseurin Anne Fletcher, verlässt sich dabei ganz auf ihr Ensemble, um den Personen das notwendige Flair zu verleihen, dass man als Zuschauer mit Margaret leidet, wenn sie sich vor dem Familien- und Freundeskreis ins Fettnäpfchen setzt und wäre es nicht um die Chemie zwischen Reynolds und Bullock, wäre das zögerliche Annähern der beiden künstlich geblieben. Doch dem Charme der gut aufgelegten Darsteller ist es zu verdanken, dass selbst die in der Filmvorschau häufig vorgestellte Nacktszene beider Stars funktioniert, die übrigens deutlich spannender aufgebaut ist, als man das vermuten würde.
Ob es die Idee von Kameramann Oliver Stapleton oder von Regisseurin Fletcher war, das intime Gespräch von Margaret und Andrew auf diese Weise zu filmen, wie es geschah, sei dahingestellt, das Endergebnis ist auf eine subtile Art und Weise verblüffend und unterstreicht, dass die Macher die Momente überlegt umgesetzt haben. In der Einstellung liegt Andrew auf dem Boden in seinem improvisierten Bett, während Margaret etwas weiter Weg in den Federn liegt. Als ihr Gespräch beginnt, sieht man abwechselnd ihre beiden Gesichter im Zentrum der Leinwand, doch je mehr Andrew über sie erfährt, je mehr sie einander verstehen lernen, driftet Margarets Gesicht zur linken und Andrews Gesicht im Schnittwechsel zur rechten Seite der Leinwand, so dass man auch bildlich das Gefühl bekommt, beide würden am Ende der Szene nebeneinander und auf einer Wellenlänge liegen. Eine so schön choreografierte Einstellung war nicht notwendig, um den Inhalt des Moments zu unterstreichen, doch die Beteiligten haben sich die Mühe gemacht, ihn so einzufangen.
Der Dank ist eine Komödie, die dem Leben und manchen Menschen darin einen Spiegel vorhält und sie auf lustige Art und Weise daran erinnert, dass auch sie mit den Figuren gemeint sein könnten. Einige Ideen wie der Running Gag mit Ramone oder die Geisterbeschwörung im Wald schießen dabei zwar übers Ziel hinaus, doch besitzt The Proposal viel Herz und Charaktere, die man gerne eine Zeit lang beobachtet.


Fazit:
Man sollte es den Filmemachern hoch anrechnen, dass sie mit Selbst ist die Braut nicht zuviel wollten. Statt am Ende eine heile Welt zu präsentieren, wird lediglich eines von vielen Problemen gelöst – und auch das nicht endgültig. Sandra Bullock gelingt es erstaunlich gut, die zickige, kaltherzige Chefin zu mimen und Ryan Reynolds bietet ihr genau im rechten Moment auch die Stirn. Die übrigen Figuren werden von Mary Steenburgen, Craig T. Nelson und der schrulligen Betty White so herzlich zum Leben erweckt, dass ihre Momente genauso viel Spaß machen, wie die der Hauptpersonen.
In den unerwartetsten Momenten einfallsreich und detailverliebt in Szene gesetzt, erwartet den Zuschauer mit The Proposal eine sehr gute, mitunter hintersinnige, aber nie moralschwangere Komödie, die von den Figuren und dem Ambiente gleichermaßen lebt. Für die zotenfreie und charmante Umsetzung darf man Regisseurin Anne Fletcher danken, die ihre Darsteller zielsicher von einem Witz zum nächsten führt, ohne sie in Peinlichkeiten zu ertränken.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.