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Schlaflos in Seattle [1993]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. September 2017
Genre: Liebesfilm / Komödie / Drama

Originaltitel: Sleepless in Seattle
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1993
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Nora Ephron
Musik: Marc Shaiman
Darsteller: Tom Hanks, Meg Ryan, Ross Malinger, Bill Pullman, Rita Wilson, Victor Garber, Tom Riis Farrell, Carey Lowell, Le Clanché du Rand, Rosie O'Donnell, Rob Reiner, Gaby Hoffmann


Kurzinhalt:

Nach dem überraschenden Tod seiner Frau sucht Architekt Sam Baldwin (Tom Hanks) einen Tapetenwechsel für sich und seinen achtjährigen Sohn Jonah (Ross Malinger). Als Sam auch eineinhalb Jahre später seine Trauer noch nicht verarbeiten kann, meldet sich Jonah am Weihnachtsabend bei einem Radiosender. Dort können Hörer/innen bei Dr. Fieldstone (Caroline Aaron) einen Weihnachtswunsch äußern. Als die Moderatorin hört, dass sich Jonah für seinen Vater eine neue Frau wünscht, mit der er glücklich ist, bittet sie Sam ans Telefon, woraufhin dieser zu erzählen beginnt. Am anderen Ende des Landes hört Annie Reed (Meg Ryan) zu und beginnt sich zu fragen, ob sie in ihrem Verlobten Walter (Bill Pullman) wirklich den Mann fürs Leben gefunden hat. Während Sam versucht, neu Fuß zu fassen, zieht es Annie unaufhaltsam zu ihm – dabei hilft Jonah beim Glück seines Dads inzwischen merklich nach …


Kritik:
Als ich mich entschied, die romantische Komödie Schlaflos in Seattle nach – vermutlich 20 Jahren – erneut anzusehen, war ich eingangs erstaunt, wie betagt die Erzählung um den um seine verstorbene Frau trauernden, alleinerziehenden Vater, dessen Sohn bei einer Radiosendung anruft und damit das Herz einer am anderen Ende des Landes lebenden Frau gewinnt, sich anfühlt. Doch je mehr Zeit man mit den Figuren verbringt, ihrem Weg zueinander folgt, umso mehr offenbart sich, welch feine Balance Filmemacherin Nora Ephron findet zwischen Romantik und Tragik sowie einem auf sanfte Weise berührenden Kitsch, der nie klischeehaft erscheint.

Die Geschichte handelt von Sam Baldwin, der mit seinem achtjährigen Sohn Jonah nach Seattle zieht, nachdem seine Frau (und Jonahs Mutter) Maggie gestorben ist. Es ist eine schwierige Zeit für beide. Eineinhalb Jahre später meldet sich Jonah telefonisch am Weihnachtsabend bei der Radio-Moderatorin Dr. Marcia Fieldstone, bei der er seinen Weihnachtswunsch hinterlegt. Er wünscht sich, dass sein Dad eine neue Frau findet und wieder glücklich wird. Als die Moderatorin Sam ans Telefon holt, erzählt dieser, weswegen er unglücklich ist. Tom Hanks mimt den von der Trauer umschlossenen Sam mit einer Zurückhaltung, die einen für ihn einnimmt, ohne dass es dafür emotionale Zusammenbrüche bräuchte. Sam weiß, wie glücklich er einmal war und wie unglücklich er jetzt ist. Er muss vor seinem Sohn auch nicht so tun, als wäre die Welt wieder in Ordnung. Sie beide wissen, dass dem nicht so ist und dass sie auch nie wieder so sein wird, wie sie einmal war.

Die gemeinsamen Szenen zwischen Hanks und Ross Malinger, der Jonah verkörpert, gehören zu den stärksten des Films. In ihren Gesprächen schwingt eine Traurigkeit mit, die nicht aufgesetzt erscheint und wenn sie miteinander am Strand spielen, dann ist es, als würde man Vater und Sohn beobachten. Dem entgegengesetzt bilden Meg Ryan und Bill Pullman den komödiantischen Gegenpol. Als Sam im Radio über seinen Verlust spricht, sitzt Annie (Ryan) im Auto und ist auf dem Weg zu einem Weihnachtsessen mit ihrem Verlobten – Bill Pullman als gutherziger, gegen alles Mögliche allergische Walter. Doch dann kommen Annie Zweifel, ob der bodenständige Walter, der Richtige ist, immerhin spürt sie bei ihm kein Knistern, keine Magie, während sie von Sam, den sie noch nie im Leben getroffen hat, fasziniert ist.

Es dauert eine lange Zeit, ehe sich Sam und Annie zum ersten Mal sehen und beinahe den ganzen Film, ehe sie sich tatsächlich gegenüberstehen. Schlaflos in Seattle ist ein Liebesfilm, bei dem sich das Paar beinahe nicht begegnet. Umso mehr lässt die Regisseurin ihren Figuren Raum, sich zu entfalten, nimmt in vielen Situationen die Geschwindigkeit aus den Szenen und verharrt auf den Gesichtern der beiden Protagonisten, die wiederum nur Reaktionen widerspiegeln zu dem, was sie hören oder erleben.
Die Rolle der zerstreut liebenswürdigen Annie könnte nicht besser als von Meg Ryan zum Leben erweckt werden. Ist sie gerührt, überträgt sich das auf das Publikum und hadert sie mit sich, die Sicherheit, die Walter ihr bietet, gegen die Möglichkeit einer großen Liebe aufzugeben, dann verkörpert sie die hoffnungsvolle Vernunft in einem und einer jeden einzelnen.

Wie die Geschichte endet, ist nicht überraschend. Dafür, welche Umwege sie bis dahin nimmt. Behutsam inszeniert, verlässt sich die Filmemacherin auf ihre beiden Hauptdarsteller, die eine Chemie miteinander entwickeln, selbst wenn sie nicht gemeinsam zu sehen sind. Dafür zeichnet Schlaflos in Seattle ihre Charaktereigenschaften, die nicht synchron sind, sondern sich ergänzen. Das Ergebnis ist ein Film, der einem von Minute zu Minute mehr ans Herz wächst, weil wir den Figuren wünschen, dass sie glücklich werden. Der Humor und die traurigen Momente halten sich passend die Wage und tragen zur herzlichen Stimmung bei. All das macht die Liebesgeschichte auf Distanz zu einem tollen Film, der zwar das Genre nicht neu erfindet, jedoch alles richtig macht.


Fazit:
Dass auch Walter als fünftes Rad am Wagen in seinem letzten Moment zu einer Größe findet, die seinen eigenen Wert unterstreicht, zeigt, welches Feingefühl Filmemacherin Nora Ephron, die auch am Drehbuch mitschrieb, für die Charaktere besitzt. An Sam, Jonah und Annie wird das am offensichtlichsten und insbesondere die Vater-Sohn-Beziehung gehört zu den größten Stärken des Films. Als in sich gekehrter, trauernder Witwer zeigt Tom Hanks eine einfühlsame Darbietung, die mehr andeutet, was in ihm vorgeht, als dass sie zeigt. Meg Ryan ist in ihrem Element und wiegt das Drama mit natürlich-humorvollen, neurotischen Ausbrüchen wieder auf. Es ist eine Balance, die Schlaflos in Seattle auszeichnet und die berührt, auch wenn man die Geschichte bereits kennt und weiß, wie sie endet. Wie Sam es selbst beschreibt, es sind die vielen Details, an die man sich vielleicht nicht einzeln erinnern kann, die aber zusammen ein so eindeutiges Gesamtbild ergeben.
Sie machen das romantische Liebesdrama zu einem Klassiker, der mit jeder Minute an Charme gewinnt.
 


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