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Saving Mr. Banks [2013]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. März 2015
Genre: Drama / Unterhaltung

Originaltitel: Saving Mr. Banks
Laufzeit: 125 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien / Australien
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: John Lee Hancock
Musik: Thomas Newman
Darsteller: Emma Thompson, Tom Hanks, Annie Rose Buckley, Colin Farrell, Ruth Wilson, Paul Giamatti, Bradley Whitford, B.J. Novak, Jason Schwartzman, Lily Bigham, Kathy Baker, Melanie Paxson, Rachel Griffiths


Kurzinhalt:

Einst gab Walt Disney (Tom Hanks) seiner Tochter das Versprechen, den Roman "Mary Poppins" der Autorin P.L. Travers (Emma Thompson) auf die große Leinwand zu bringen. Jedes Jahr bemüht er sich, die Filmrechte von ihr zu erwerben, doch erst nachdem ihr Vermögen aufgezehrt ist, lässt sich Pamela Travers auf den Vorschlag des Firmenchefs ein und fliegt nach Los Angeles. Vom Fahrer Ralph (Paul Giamatti) abgeholt, hofft sie insgeheim, die Produktion irgendwie verhindern zu können und überflutet Walt Disney, Drehbuchautor Don DaGradi (Bradley Whitford) und die Komponisten Robert (B.J. Novak) und Richard Sherman (Jason Schwartzman) mit Änderungsforderungen.
Dabei steigen in ihr Erinnerungen an ihre Kindheit auf, als Pamela (Annie Rose Buckley) mit ihrem Vater (Colin Farrell) und ihrer Mutter (Ruth Wilson) ins weit entfernte Allora in Australien gezogen war. Es sind Erlebnisse, die untrennbar mit Mary Poppins verknüpft und der Grund dafür sind, weswegen sie die Figur nicht aufgeben kann ...


Kritik:
20 Jahre lang versuchte Walt Disney, die Filmrechte an dem Roman Mary Poppins [1934] von der Autorin P.L. Travers zu erwerben. Selbst nachdem sie sich zumindest auf einen mündlichen Vertrag eingelassen hatte, stand der Produktion des Films noch ein langer Weg bevor, den Regisseur John Lee Hancock in Saving Mr. Banks nacherzählt. Im Kern handelt der Film allerdings von etwas ganz anderem und gibt Einblicke in zwei Persönlichkeiten, die mehr verbindet, als sie ahnen.

Eine richtige Biografie ist Saving Mr. Banks dabei zwar weder in Bezug auf Walt Disney (der hier ohnehin nicht die zentrale Figur darstellt), noch in Hinblick auf die Autorin Travers, doch erzählt der Film sehr viel über ihr Leben. Es sind Erkenntnisse, die auch den Spielfilmklassiker Mary Poppins [1964] in ein anderes Licht rücken. Wäre sie nicht kurz vor dem finanziellen Ruin gestanden, hätte Pamela "P.L." Travers gar nicht darüber nachgedacht, die Rechte an Mary Poppins zu verkaufen. Das Angebot Walt Disneys, der seit Jahren beständig nachhakt, um ein Versprechen einzulösen, das er seiner Tochter gegeben hat, könnte für Travers die Rettung sein – doch dafür müsste sie Mary Poppins aufgeben.

Parallel zu den Geschehnissen im Jahr 1961, in dem Travers nach Los Angeles fliegt, um mit dem Produktionsteam bei Disney dessen Ideen für eine Verfilmung zu besprechen, erzählt Saving Mr. Banks von den Kindheitserinnerungen der Autorin im Jahr 1906 in Australien. Von ihrem Vater, einem Banker, liebevoll Ginty genannt, erlebt sie einen (weiteren) Umzug und sieht ihre Eltern angesichts der Situation zusehends verzweifeln. In der Rolle des alkoholkranken Vaters, für den seine Tochter sein größter Schatz ist, gibt Colin Farrell eine seiner besten Darbietungen. Ist Ginty von seiner lebhaften Fantasie, seiner ansteckenden guten Laune anfangs vollkommen eingenommen, bekommt die Fassade des "perfekten Vaters" zunehmend Risse.

Wie schmerzlich diese Erinnerungen sind, macht Regisseur Hancock durch seine unnahbar und abweisend auftretende Hauptdarstellerin, Emma Thompson, deutlich. Nicht nur, dass Pamela nicht beabsichtigt, die Rechte an ihrer Mary Poppins abzutreten, je mehr ihr Walt Disney entgegen kommt bei ihren Vorstellungen und Wünschen, umso ausgefallener werden ihre Forderungen, um das Projekt doch noch zu verhindern. So unsympathisch und schroff sie schon im ersten Filmdrittel auftritt, bereits der zweite Rückblick in ihre Kindheit macht deutlich, dass Mary Poppins für sie viel mehr ist, als eine reine Romanfigur. Es versetzt die Zuschauer in eine privilegierte Position im Vergleich zu Walt Disney und seinem Stab: Während sie nicht wissen, wie sie mit Pamelas Wutausbrüchen und ihrer Haltung gegenüber dem geplanten Film umgehen sollen, lernen wir zu verstehen, weshalb sie sich so gibt.

Emma Thompsons bringt die kleinen Details, anhand derer deutlich wird, dass hinter dem kalten und zynischen Auftreten von Pamela eine zutiefst verletzte Seele liegt, auf atemberaubende Weise zur Geltung. Sei es Pamelas Sehnsucht nach Nähe und Berührung, ihr kurzes Zögern in manchen Situationen, die ihr zu nahe gehen, oder allein die Art und Weise, wie sie sich auf den Rasen setzt (eine Haltung, durch welche die Verbundenheit zum enttäuschten Kind in ihr deutlich wird), sie bringt so viele Facetten zur Geltung. Dem steht ein scheinbar stets gut gelaunter, extrovertierter Walt Disney gegenüber, fantastisch charismatisch von Tom Hanks eingefangen, der erst spät erkennt, dass Pamela auf ihre Art etwas verarbeitet, das er selbst erleiden musste.

Anhand dieser beiden starken Darbietungen, könnte man eine weitere beinahe übersehen: Als Chauffeur von P.L. Travers hat Paul Giamatti nur wenige Auftritte in Saving Mr. Banks. Weswegen seine Figur so wichtig für Pamelas Entwicklung ist, sieht man in ihrer gemeinsamen Szene, in der Pamela einen kleinen Park nachbaut. Die ergreifende, aber nicht rührselige Art und Weise, wie Giamatti Ralph zur Geltung bringt, ist mehr als nur bewegend. Er macht sie zu etwas Besonderem.


Fazit:
Wer P.L. Travers als zu abweisend und unsympathisch empfindet, übersieht die sanften Andeutungen und Vorboten, die bereits sehr früh in den Rückblicken zu Pamelas Kindheit ankündigen, was sie zu der Person hat werden lassen – und weswegen Marry Poppins für sie so wichtig ist. Saving Mr. Banks lässt nicht nur auf bezaubernd greifbare Weise den Charme von Walt Disney und der unbändige positiven Energie des Pioniers wieder aufleben, Regisseur John Lee Hancock gelingen mehrere differenzierte und behutsame Charakterisierungen, die bewegen und dank der hervorragenden Darsteller packen.
Der Blick hinter die Fassade einer seit Generationen beliebten Kinderbuchfigur und eines nicht weniger beliebten Filmmusicals rückt nicht nur die Hintergründe, sondern auch die Aussagen der beiden in ein ungewohntes Licht. Das ist insbesondere für ein erwachsenes Publikum sehr sehenswert.    


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