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Skyfall [2012]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. November 2012
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Skyfall
Laufzeit: 143 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Sam Mendes
Musik: Thomas Newman
Darsteller: Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénice Marlohe, Albert Finney, Ben Whishaw, Rory Kinnear, Ola Rapace, Nicholas Woodeson, Bill Buckhurst, Elize du Toit, Tonia Sotiropoulou


Kurzinhalt:
Es steht viel auf dem Spiel, als der britische Geheimagent James Bond (Daniel Craig) zusammen mit seiner Kollegin Eve (Naomie Harris) einem Verbrecher in der Türkei hinterher jagt. Dieser hat eine Festplatte gestohlen, welche die Namen aller verdeckten Ermittler des Geheimdienstes MI6 enthält. Die Abteilungsleiterin M (Judi Dench) fasst einen folgenschweren Entschluss und Bonds Gegner entkommt.
Monate später wird ein Attentat auf das Hauptquartier des MI6 verübt und der Vorsitzende des Sicherheitskomitees Gareth Mallory (Ralph Fiennes) setzt M unter Druck, angesichts ihrer Fehler der letzten Zeit ihren Rückzug einzuleiten. Da kommt Bond in Shanghai der undurchschaubaren Sévérine (Bérénice Marlohe) auf die Spur. Ihr Auftraggeber ist im Besitz der Festplatte und droht, jede Woche eine Handvoll Namen der verdeckten Agenten zu veröffentlichen. Als Bond endlich dem Drahtzieher Silva (Javier Bardem) begegnet, scheint dieser zu viel über die Struktur des MI6 zu wissen. Sein Weg führt in Ms Vergangenheit und stellt damit alles in Frage, woran Bond bei ihr geglaubt hat. Doch trotz allem weiß 007 immer noch nicht, was Silva vor hat – dabei scheint dieser jeden Schritt des Geheimdienstes genau vorherzusehen ...


Kritik:
50 Jahre wird die Figur des James Bond dieses Jahr auf der Leinwand alt. Als die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson 2006 die Reihe mit einem kantigeren Charakter neu starteten, gewann die Filmreihe vermutlich ebenso viele neue Fans dazu, wie sie auf Grund des geänderten, härteren Konzepts verlor. Die zweite Kinomission von Daniel Craig in der Rolle des Doppel-Null-Agenten, Ein Quantum Trost [2008], stieß sowohl bei vielen alten wie auch neuen Fans auf Ablehnung. Einige Jahre nach der Veröffentlichung gestand Craig selbst, dass er über den Film nicht glücklich sei. Mit Skyfall vollziehen die Filmemacher nun den Schritt, über den schon lange spekuliert wurde: Die Annäherung des neuen Konzepts an die bekannte Formel vor Craig. Das äußert sich einerseits darin, dass am Ende des Films gleich zwei der aus den älteren Filmen bekannten Charaktere wieder an Bord sind, aber auch durch die lakonischen Sprüche, die Bonds Handlungen auf Schritt und Tritt begleiten. Verpackt ist dies in einer trotz der Lauflänge sehr kurzweiligen Story, die sich auf zwei Figuren konzentriert und dabei fast vergisst, dass ein Held nur so gut sein kann wie sein Widersacher.

Wie es sich für einen James Bond-Film gehört, beginnt Skyfall mit einer Actionsequenz, die andere Filme vor Neid erblassen lässt. Das Feuerwerk, das die Produzenten über die beinahe zweieinhalb Stunden abbrennen, sucht seinesgleichen. Erstaunlicherweise wirkt die Geschichte trotzdem nicht überfrachtet. Man lernt stattdessen den Charakter James Bond neu kennen, verbrauchter und ausgemergelter, als man ihn je gesehen hat. Dass er seinen Dienst trotz seiner zittrigen Hand, den blutunterlaufenen Augen und seiner miserablen Trefferquote beim Schießstand wieder antreten darf, hat er einzig seiner Vorgesetzten M zu verdanken. Die ahnt nicht, dass der Kriminelle Silva, mit dem sie es zu tun bekommt, seine Wurzeln in ihrer eigenen Vergangenheit hat. Wer tatsächlich hinter Anschlägen zuerst auf das Quartier des Geheimdienstes MI6, später auf die Leben von verdeckt ermittelnden Agenten steckt, bleibt lange im Dunkeln. Der Weg führt Bond wie gewohnt zu exotischen Orten und an die Seite von außergewöhnlichen Frauen. Doch sieht man Javier Bardem als Silva seinen Platz gegenüber Bond einnehmen, wird man das Gefühl nicht los, dass der Geheimagent einen Gegner gefunden hat, der ihm mehr als ebenbürtig ist. Bardems Ausstrahlung besitzt viel von Heath Ledgers legendärer Darstellung des Joker in The Dark Knight [2008]. Er scheint ebenso unberechenbar wie gewissenlos. Doch so gelungen die Verkörperung der Figur ist, in dem Charakter selbst liegt die größte Schwäche von Skyfall.

In seiner langen Karriere hatte es James Bond mit Widersachern zu tun, die das Gleichgewicht der Wirtschaft verändern wollten, mit skrupellosen Medienmogulen, Männern, die die Welt zuerst von den Menschen bereinigen und sie dann neu kolonisieren wollten. Sogar mit Drogenbaronen, die ihn auf einen persönlichen Rachefeldzug führten. Silva hat durch seine technische Überlegenheit die Möglichkeit, Wahlen zu manipulieren, eine Wirtschaftsmacht zu Fall bringen und vermutlich sogar, einen Atomkrieg zu beginnen. Doch er erwähnt all diese Möglichkeiten, ohne dass sie ihm wichtig wären. Es scheint, als läge sein Interesse bei M – doch sie auszuschalten kann nicht annähernd so schwer sein, immerhin gelingt es auch Bond, unbemerkt in ihre Wohnung einzubrechen. Sollte Silva darauf aus sein, ihren Ruf zu zerstören, gäbe es hierfür wirkungsvollere Mittel und sein Plan, sie in aller Öffentlichkeit auszuschalten, würde alles, wofür sie steht, nur noch richtiger erscheinen lassen. In jedem Fall fehlt es der Figur Silva an einer verständlichen Motivation.

Dass einem dies während des Films nicht auffällt, ist einerseits einer erstklassigen Besetzung zu verdanken, angeführt von einem charismatischen Daniel Craig, einer melancholischen Judi Dench, ergänzt durch Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénice Marlohe und Albert Finney. Aber in selbem Maße der beeindruckenden Bilder von Regisseur Sam Mendes. Insbesondere das letzte Drittel offenbart viele Einstellungen, die mühelos als Gemälde festgehalten werden können, aber auch davor wirken die Perspektiven, als wären sie komponiert. Untermalt von einem außergewöhnlichen Score von Thomas Newman, der alle Bedenken zerstreut, er würde in sein bekanntes Instrumentierungsschema verfallen. Er harmoniert gekonnt mit den vielen Anleihen an die bisherigen Filme der Reihe und unterstreicht, was Skyfall mit den besten James Bond-Filmen verbindet. Auf mehr können alte wie neue Fans nicht hoffen.


Fazit:
Zum Jubiläum ziehen die Filmemacher gekonnt alle Register und präsentieren mit Skyfall einen erstklassigen Thriller, der gleichzeitig einen überraschend leichtfüßigen Bond-Film darstellt. Von der kantigen Figur, etabliert von Daniel Craig in Casino Royale [2006] ist nach dem ersten Drittel nicht mehr viel übrig, dafür spielt er gekonnt mit den lockeren Sprüchen, seinem eigenen Alter ebenso, wie mit dem der Filmikone und sorgt trotz der ernsten Story für unterhaltsame zweieinhalb Stunden, die wie im Flug vergehen.
Die übrige Besetzung veredelt den Actionthriller, angeführt von einer gewohnt beispiellosen Judi Dench und einem erstklassigen Javier Bardem, der die Figur trotz der fehlenden Tiefe und Motivation mysteriös und bedrohlich erscheinen lässt. Temporeich und gleichzeitig übersichtlich umgesetzt, ist Skyfall all das, was neue wie alte Fans von einem James Bond-Film erwarten. Der Wechsel vom Neuanfang zu den bewährten Zutaten der Reihe ist fließend und die zahllosen Verweise auf die bisherigen Filme werden Kenner umso mehr freuen. Die erste Texttafel beim Beginn des Abspanns ist gleichzeitig ein Dankeschön und ein Versprechen an die Zuschauer, die der Reihe in den letzten, schwierigen Jahren der Ungewissheit des produzierenden Studios die Treue gehalten haben. Nach Sam Mendes sehr sehenswertem Bond-Debüt kann man kaum erwarten, dass es eingelöst wird.


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