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Rio [2011]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. Mai 2010
Genre: Animation / Komödie

Originaltitel: Rio
Laufzeit: 96 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Carlos Saldanha
Musik: John Powell
Stimmen: Jesse Eisenberg (David Kross), Anne Hathaway (Johanna Klum), Jemaine Clement (Christian Brückner), George Lopez (Roberto Blanco), Jamie Foxx (Itchy), Will i Am (Mr. Reedoo), Leslie Mann (Kaya Möller), Rodrigo Santoro (Alexander Doering), Bernardo de Paula (Tobias Meister), Carlos Ponce, Jeffrey Garcia, Davi Vieira, Jake T. Austin (Sebastian Fitzner), Tracy Morgan (Dennis Schmidt-Foß)


Kurzinhalt:
Noch bevor er fliegen lernt, wird der junge Blu (Jesse Eisenberg / David Kross) aus seiner Heimat in Rio de Janeiro entführt und landet in einer Kiste nach Nordamerika. Dort findet ihn die junge Linda (Leslie Mann / Kaya Möller) und zieht ihn auf. Die beiden verbindet eine tiefe Freundschaft. Eines Tages steht der Vogelkundler Tulio (Rodrigo Santoro / Alexander Doering) vor Lindas Buchladen und bittet sie, mit nach Rio zu kommen. Dort befindet sich eines der letzten Spix-Ara-Weibchen und um das Überleben der Art zu sichern, soll Blu sich mit ihr paaren.
Widerwillig fliegen beide nach Brasilien, wo Blus erstes Treffen mit Jewel (Anne Hathaway / Johanna Klum) alles andere als vielversprechend verläuft. Kurz darauf werden sie auch noch entführt, aneinander gekettet und sollen vom Schmuggler Marcel (Carlos Ponce) tags darauf außer Landes geschafft werden. Doch Blu und Jewel gelingt die Flucht, auch wenn Blu immer noch nicht fliegen kann – was die Flucht erheblich erschwert. So schickt Marcel den verbitterten, brutalen Gelbhaubenkakadu Nigel (Jemaine Clement / Christian Brückner) los, das Pärchen ausfindig zu machen, um mit ihnen rechtzeitig das Schmuggelflugzeug zu erreichen.
Während Linda mit Tulio alles unternimmt, die beiden Vögel zu finden, lernt Blu eine ganz andere Seite der Welt kennen, die eigentlich seine Heimat ist. Mit dem gutmütigen Rafael (George Lopez / Roberto Blanco) wollen sie zuerst einen Weg finden, ihre Kette loszuwerden. Aber Nigel und seine Schergen sind ihnen dicht auf den Fersen ...


Kritik:
Der größte Pluspunkt des Animationsfilms Rio ist gleichzeitig sein größter Schwachpunkt und wird definiert durch den Namen des Films. Es gelingt den Machern so gut, eine authentische Atmosphäre von Rio de Janeiro zu erzeugen, dass man einerseits von den schillernden Farben, der rhythmischen Musik und der Lebensfreude jener Menschen zur Zeit des jährlichen Karnevals mitgerissen wird, und sich aber gleichzeitig fragen muss, weswegen die anderen Seiten Rios mit den Elendsvierteln, der Straßenkinder und der Jugendkriminalität nur so wenig gestreift wird. Gezeigt wird diese Seite, das sei den Machern zugutegehalten – aber nur beiläufig und so, dass es das kindliche Publikum nicht verstehen wird, die Erwachsenen aber schon. Vielleicht ist das auch besser so. Die wichtigste Aussage für die jungen Zuschauer ist dabei eine ähnliche, wie schon bei Findet Nemo [2003] dargebracht, nämlich dass Tiere weder in Aquarien noch in Käfigen zuhause sind, sondern in der Natur. Dass wir uns lieber darum kümmern sollten, ihren natürlichen Lebensraum zu erhalten, anstatt ihnen die künstlichen so natürlich wie möglich erscheinen zu lassen, wird allerdings auch nicht angesprochen.

Die Geschichte beginnt mit dem frisch geschlüpften Spix-Ara Blu, der noch bevor er fliegen kann aus seiner Heimat in Rio herausgerissen wird und in einem illegalen Tiertransport in die USA landet. Dort wird er von der jungen Linda gefunden und aufgezogen. Nach vielen gemeinsamen Jahren sind die beiden ein eingespieltes Paar, bei dem der eine ohne den anderen nicht sein kann. Die Macher von Rio finden hierbei, das werden aufmerksame Zuschauer gleich bemerken, den Weg zurück zu einer Eigenschaft, die meist Disney-Animationsfilme ausgezeichnet hat: den Musicaleinlagen. Ob diese wirklich notwendig sind, darüber lässt sich streiten, dank der Samba-Thematik sind sie aber mit einem ansteckenden Rhythmus versehen. Der Vogelforscher Tulio hat herausgefunden, dass Blu vermutlich eines der letzten lebenden Männchen seiner Art ist und soll sich in Rio mit Jewel, einem eingefangenen Weibchen zwecks der Arterhaltung paaren. Doch in der Stadt angekommen, werden die beiden Vögel von profitgierigen Schmugglern entführt, die ausgerechnet einen Artgenossen der Vögel, den Gelbhaubenkakadu Nigel für ihre Zwecke einsetzen. Ob dabei Nigel für die Schmuggler arbeitet oder umgekehrt, ist eingangs nicht so recht deutlich, doch der einstige Star, Nigel, bei dem die Vergänglichkeit der Schönheit und des Ruhms die schlimmsten Seiten seiner Persönlichkeit zum Vorschein brachten, zählt zu den interessantesten Figuren im Film. Die Schmuggler selbst, vom Anführer Marcel über die beiden eher dämlich als effektiven Gehilfen, sind mehr schmückendes Beiwerk. Auch Linda und Tulio, die sich vom liebesfrohen Zauber Rios anstecken lassen, werden zwar mitgeführt, sind aber nicht wirklich wichtig. Die Stars sind wie nicht anders zu erwarten die Vögel in Rio, die nicht nur mit einem atemberaubenden Detailreichtum, sondern umwerfenden Farben aufwarten können, die sich sogar in die abgedunkelte 3D-Version retten können. Das ungleiche Paar Blu und Jewel, die auf Grund ihres unterschiedlichen Werdegangs trotz ihrer gleichen Herkunft so verschieden sind, wird dabei vom Riesentukan Rafael unterstützt, der im Deutschen durchaus treffend von Roberto Blanco gesprochen wird. Die Sidekicks Nico und Pedro mögen mit ihren rappenden Einlagen dabei zwar das ganz junge Publikum überzeugen, gestalten sich für das ältere aber eher nervig. Ebenso wie das Finale während des unausweichlichen Karnevalsumzugs, das mehr mit Peinlichkeiten für die Figuren aufwartet denn mit frischen Ideen.

Dass Rio dennoch funktioniert liegt zum einen an der unwiderstehlichen und unverkennbaren Atmosphäre in Rio de Janeiro, aber auch an dem gelungenen Leinwandpaar Blu und Jewel, die mit ihrem verbalen Schlagabtausch und dem Miteinander eine so ansteckende Chemie entwickeln, dass die Liebesgeschichte bedeutend realistischer wirkt, als bei vielen nicht-animierten Produktionen. Das Ende ist in dem Fall unausweichlich und für Erwachsene auch nicht überraschend, dennoch verzeiht man dies dem Film schon deshalb gern, weil er eine familiengerechte Geschichte erzählt. Die ist nicht zu düster geraten, dass die Kleinsten schon Angst bekommen werden, bietet für ältere Zuschauer aber auch Hinweise auf die in luftige Höhen gestapelten Elendsviertel Rios, oder der Tatsache, dass mit den exotischen Tieren ein Schwarzmarkt beliefert wird, bei dem nicht zuletzt die Tiere immer die Leidtragenden sind. Insofern spricht Carlos Saldanhas Regie (unter anderem mitverantwortlich bei den Ice Age-Filmen) viele Zuseher an und unterhält sie charmant und temporeich, wenngleich nicht sehr anspruchsvoll oder vielschichtig. Aber das muss Familienunterhaltung auch nicht immer sein.


Fazit:
Das Highlight Rios in filmischer Hinsicht ist der Ausbruch der aneinander geketteten Spix-Aras, beziehungsweise Nigels Verfolgungsjagd, die nicht nur exzellent getimet ist, sondern mit dem besonderen Tüpfelchen auf dem i aufwarten kann. Auch das Finale hat dies zum Teil. Viele andere Szenen nicht. Auf Grund der authentischen Stimmung mit einer ganzen Stadt in Feierlaune und der packenden Musik sieht man auch dann gern zu, wenn nicht das charismatische Traumpaar vor der Kamera umherfliegt, beziehungsweise umherläuft, auch wenn alle anderen nur Staffage sind.
Letztlich ist das zwar nicht anspruchsvoll oder so vielschichtig wie viele Pixar-Werke, aber dennoch unterhaltsam und mit der Botschaft, seinem Herzen in die Bestimmung zu folgen, insbesondere für Familien einen Tipp wert. Wer sich auf erfreulich bunte und rhythmische eineinhalb Stunden einstellt, wird nicht enttäuscht.


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