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Reindeer Games - Wild Christmas [2015]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 9. Dezember 2015
Genre: Thriller

Originaltitel: Reindeer Games
Laufzeit: 104 min. (Director's Cut: 124 min.)
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2000
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: John Frankenheimer
Musik: Alan Silvestri
Darsteller: Ben Affleck, Charlize Theron, Gary Sinise, Clarence Williams III, Donal Logue, Danny Trejo, Dennis Farina, James Frain, Ron Perkins


Kurzinhalt:

Nach seiner Entlassung gibt sich Autodieb Rudy (Ben Affleck) bei Ashley (Charlize Theron) als sein im Gefängnis verstorbener Freund Nick (James Frain) aus. Nick hatte mit Ashley eine Brieffreundschaft begonnen und schon bald kommen sich Rudy – als Nick – und Ashley näher. Bis Ashleys Bruder Gabriel (Gary Sinise) mit seiner Gang auf die beiden im Hotelzimmer wartet. Gabriel weiß, dass Nick früher im Spielcasino gearbeitet hat und will dieses an Heiligabend überfallen. Nick soll ihm die Informationen liefern. Als er merkt, dass er keine andere Wahl hat, improvisiert Rudy und merkt nicht, dass er nicht der einzige ist, der allen etwas vorspielt ...


Kritik:
Sieht man sich die übrigen Werke sämtlicher Beteiligter an, ist Reindeer Games - Wild Christmas am Ende eine Enttäuschung. In seinem letzten Kinofilm besinnt sich Regisseur John Frankenheimer zwar auf alles, was das Thrillerkino der vergangenen Jahrzehnte packend gemacht hat, doch er verpackt es in eine Geschichte, die zu konstruiert ist, um wirklich mitzureißen und deren Figuren nie sympathisch genug sind, dass man ihnen gerne folgt. Das Ergebnis ist ein Film, der mit der Zeit mehr verliert als gewinnt.

Überraschenderweise ist es auch ein Film, dessen Director's Cut, obwohl er immerhin ganze 20 Minuten länger ist, weniger Spaß macht als die reguläre Filmfassung. Zwar fügen die neuen Szenen durchaus Charaktermomente hinzu, aber zu beobachten, wie der Bösewicht einen wehrlosen Unschuldigen grausam tötet und den eigentlichen Held der Geschichte foltert, machen den Schurken zwar noch unsympathischer, unterhaltsam ist das aber nicht.
Wie der deutsche Filmtitel Wild Christmas bereits andeutet, spielt die Geschichte zur festlichen Jahreszeit. Im verschneiten US-Bundesstaat Michigan wird der Autodieb Rudy nach Jahren im Gefängnis entlassen. Sein Mitinsasse Nick, mit dem er sich angefreundet hatte, hatte während seiner Zeit eine Brieffreundschaft zu der attraktiven Ashley geknüpft. Wenige Tage vor seiner Entlassung wurde Nick niedergestochen und tödlich verletzt. Wider besseres Wissen gibt sich Rudy bei seiner Entlassung für Nick aus und bandelt mit Ashley an.

Was sich wie die Story für eine tragische Verwechslungskomödie anhört, wandelt sich rasant, als Ashleys Bruder Gabriel im Hotel auf den vermeintlichen Nick wartet. Der hatte in seinen Briefen davon erzählt, dass er als Wachmann in einem Spielcasino gearbeitet hatte, das Gabriel mit seinen Freunden ausrauben will. Nick soll die Informationen liefern – nur hat Rudy von alledem ja keine Ahnung.
Auch wenn insbesondere Ben Affleck für seine Darbietung als Rudy seinerzeit viel Kritik einstecken musste, was in der im Director's Cut enthaltenen Sequenz mit den Dartpfeilen nicht ganz unberechtigt ist, es gelingt ihm überraschend gut, Rudys anfangs immer größer werdende Verzweiflung zu zeigen, bis er in einem Moment erkennt, dass es seine einzige Möglichkeit ist, zu bluffen.

Auch auf Grund der Ergänzungen in der Langfassung dauert es schlicht zu lange, ehe absehbar ist, wohin sich die Geschichte überhaupt entwickeln soll. Nach 25 Minuten erst zeichnet sich ab, dass es einen Überfall auf das Casino geben wird, aber bis es soweit ist, vergeht nochmals eine ganze Stunde. Reindeer Games - Wild Christmas zieht sich merklich hin, auch wenn Regisseur Frankenheimer das Geschehen mit einer starken Prise schwarzem Humor würzt und die Figuren in den brenzligsten Situationen mit lockeren Sprüchen aufwarten, als befänden sie sich in einem 1980er-Jahre Actionfilm. Handwerklich gibt es hier nichts zu bemängeln, die Bilder heben sich durch ungewohnte Blickwinkel merklich vom Einheitsbrei des Genres ab, die spannenden Momente sind entsprechend gekonnt geschnitten, beispielsweise Rudys Flucht aus und in sein Hotelzimmer.

Wäre all das flotter erzählt, wäre Rudy als Figur sympathischer und die Geschichte nicht von Zufällen und Logiklöchern angetrieben – vom aufgesetzten Twist zum Schluss ganz zu schweigen –, dann würde der Film, gerade weil hier jeder jeden reinlegen will, auch mehr Spaß machen. So tut er es manchmal, aber am Ende zu selten.


Fazit:
Allein die routinierte, saubere Umsetzung macht Reindeer Games besser als viele andere Produktionen. Regisseur John Frankenheimer beherrscht sein Handwerk und setzt selbst scheinbar simple Spannungsmomente entsprechend sehenswert um. Es ist bedauerlich, dass sein Film kein Drehbuch bekam, das dem auch angemessen wäre.
Die Darsteller scheinen zwar nicht übermäßig engagiert, sind aber genug bei der Sache, damit der Thriller als Abendunterhaltung für Erwachsene durchaus gelingt. Sieht man sich jedoch an, wie groß die Konkurrenz gerade mit der gezeigten Jahreszeit ist, muss sich Wild Christmas deutlich hintenanstellen.
Wer kann, sollte zur kürzeren Kinofassung greifen.    


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