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Red Eye [2005]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. Oktober 2005
Genre: Thriller

Originaltitel: Red Eye
Laufzeit: 85 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Wes Craven
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Rachel McAdams, Cillian Murphy, Brian Cox, Jayma Mays, Angela Paton, Laura Johnson, Suzie Plakson, Max Kasch, Jack Scalia, Theresa Press-Marx, Robert Pine, Mary Kathleen Gordon, Loren Lester


Kurzinhalt:
Nach der Beerdigung ihrer Großmutter macht sich die Hotelmanagerin Lisa Reisert (Rachel McAdams) mit dem Flugzeug auf den Weg zurück nach Miami. Bereits beim Warten auf den verspäteten Flieger lernt sie den sympathischen Jackson Rippner (Cillian Murphy) kennen, der – wie es der Zufall will – im bereitgestellten Flugzeug auch direkt neben ihr sitzt.
Doch als die Maschine erst einmal in der Luft ist, offenbart Jackson, wer er wirklich ist: als Söldner für eine unbekannte Gruppe arbeitend, will er Lisa dazu zwingen, ein hochrangigen Politiker, der in ihrem Hotel in derselben Nacht ankommen wird, umzubuchen. Auf ihn soll ein Anschlag verübt werden. Sollte sich Lisa widersetzen, wird ein vor dem Haus ihres Vaters parkender Killer Joe Reisert (Brian Cox) ermorden, und auch sie den Flug nicht überleben.
Noch unter Schock muss Lisa jede Möglichkeit abwägen, Jacksons Plan zu durchkreuzen, und/oder ihren Vater zu retten – doch die Möglichkeiten im Flugzeug sind begrenzt, und nicht nur, dass Jackson alle ihre Züge vorherzusehen scheint, er schreckt auch nicht davor zurück, seine Drohungen wahr zu machen ...


Kritik:
Daran, dass Das Ding aus dem Sumpf [1982] seinerzeit von Wes Craven geschrieben und inszeniert wurde, erinnern sich nur wenige – dass er mit Nightmare - Mörderische Träume [1984] das Horror-Genre prägte, es mit Scream – Schrei! [1996] gar für das Jahr 2000 fit machte, hingegen schon. Dass Craven dem Horror-Genre ansich seit seinen Anfängen in Hollywood, die immerhin über 30 Jahre zurückliegen, großteils treu blieb, verwundert nicht, denn seine wenigen Ausnahmen, darunter das Musikdrama Music of the Heart [1999] konnten an den Kinokassen nicht überzeugen, trotz positiver Meinungen von Kritikern und Zuschauern. Der Horrorfilm Cursed – Verflucht [2005] hatte alles andere als einen einfachen Stand und wurde Craven vom Studio mehr oder weniger entzogen, nachdem sich die Produktion buchstäblich Jahre hinzog. Inzwischen beschäftigte sich der Filmemacher mit einem neuen Projekt, Red Eye, das dabei in eine etwas andere Richtung geht, als seine bisherigen Werke. Statt Horrorelemente verbirgt sich hinter dem Überraschungshit aus den USA ein cleverer, beklemmender Thriller, der in seinen 85 Minuten Laufzeit mehr Story unterbringt, als manche Werke in drei Stunden.

Dabei finden sich bei Red Eye ebenso viele Überraschungen hinter der Kamera, wie davor: nicht nur, dass das Skript basierend auf der Story von Dan Foos und Carl Ellsworth von Skriptdebütant Ellsworth alleinig, ohne Intervention von Studio oder anderen Autoren verfasst wurde (eine Seltenheit in der heutigen Hollywood-Welt), Wes Cravens Film gelang es, bei einem minimalen Budget von unter 30 Millionen Dollar außerdem, mit unbekannten Darstellern, weltweit inzwischen mehr als das Dreifache seiner Kosten einzuspielen. Zu verdanken ist das aber mindestens ebenso stark der Umsetzung des Filmemachers, wie der Vorlage von Ellsworth, die eine recht simple Ausgangslage nimmt, und daraus einen klaustrophobischen Thriller zaubert, der trotz allem mit einem augenzwinkernden Szenen aufwartet.
Die Grundidee ist dabei sicherlich nicht neu, offenbart allerdings gerade dank des behutsamen, lang aufgebauten Anfangs mit einer sich ständig entwickelnden Chemie der beiden Hauptfiguren Facetten, die man in einem so kurzen Film kaum erwartet hätte. Die natürlich gehaltenen Dialoge tragen ihren Teil zum sympathischen Flair der Zufallsbegegnung sichtlich bei, und so wandelt sich auch beim Zuschauer sehr schnell die Stimmung, wenn klar wird, worauf Jackson Rippner ansich aus ist. Geht man nun allerdings davon aus, dass die Handlungsmöglichkeiten in einem solchen Flugzeug eher begrenzt sind, verlagert der Autor das Gewicht des Films weg vom offensichtlichen Actionthriller und hin zum psychologischen Thrillerdrama, wobei er die sympathische Hauptfigur Lisa Reisert immer mehr ihrer Entscheidungen beraubt und damit sie wie den Zuschauer unter Druck setzt.
Dass die Geschichte insgesamt etwas arg konstruiert wirkt, vergisst man spätestens bei den nett gezeichneten und überraschend lebendigen Nebenfiguren wie Lisas Arbeitskollegin Cynthia oder die übrigen Fluggäste, die zwar allesamt nicht so viel zu tun haben, aber doch in Aktion treten dürfen.
Für das Finale selbst hält sich Carl Ellsworth einige Überraschungen offen und verlässt sich merklich auf Cravens Talent, aus alltäglichen Situationen und Umgebungen beklemmende Arenen zu konstruieren. Dass der Film außerdem ohne die klischeehaften unzähligen Tode des Bösewichts auskommt, und einen angenehm kurzen, aber passenden Epilog bietet, ist ein Verdienst des Skriptautors, dem die Dreiteilung seiner Vorlage aus charmantem Zufallstreff, psychologischem Thrill und actionbetontem Finale außergewöhnlich gut gelungen ist, wobei seine Figuren hier mehr zu tun haben, als in vielen anderen Filmen.

Die Darsteller danken das mit außergewöhnlich guten Leistungen, allen voran die beiden Hauptakteure, Rachel McAdams, die bislang mit Wie ein einziger Tag [2004] und Wedding Crashers [2005] ihre größten Auftritte feiern konnte, hier aber in ihrer vielseitigen und darstellerisch fordernden Figur voll aufgeht.
Ebenso der ansich sympathische, aber anscheinend auf Schurkenrollen festgelegte Cillian Murphy, der dieses Jahr bereits in Batman Begins [2005] auftrat, hier aber eine sehr gute und vor allem abwechslungsreiche Darbietung zeigt.
Den beiden Darstellern bei ihren Konfrontationen zuzusehen ist eine wahre Freude, und die Gewichtung ihrer Aktionen dank des Drehbuchs auch sehr gut ausbalanciert.
Darüber vergisst man beinahe die übrigen Beteiligten, angeführt von einem routinierten, aber nur selten geforderten Brian Cox und einer grundsympathischen Jayma Mays. Auch an den übrigen Darstellern, Jack Scalia, Suzie Plakson oder Theresa Press-Marx gibt es nichts zu bemängeln, sie alle machen ihre Sache sehr gut und spielen den beiden Hauptdarstellern gekonnt zu, die ihrerseits sehr gute Arbeit leisten.

Wie zuletzt bei der Scream-Trilogie beweist Regisseur Wes Craven auch hier sein Talent für eine tadellose, mitreißende und vor allem sehr einfallsreiche Inszenierung. Angefangen von ungewöhnlichen Kamerafahrten, sehr spannend umgesetzten Schnittfolgen, die gekonnt die prekäre Situation der Hauptfigur einfangen und auch den Zuschauer wie sie bisweilen im Unklaren über die Taten von Jackson Rippner lassen, bis hin zu sehr gut aufgebauten Actionszenen beim Schluss, die immer wieder mit interessanten Perspektiven gewürzt sind und Cravens Handschrift erkennen lassen.
Viel Wert legt der Regisseur mit seinem Kameramann Robert D. Yeoman (Dogma [1999]) verständlicherweise auf die Gespräche zwischen Lisa und Jackson, die ebenfalls exzellent eingefangen sind, ohne die Darsteller zu beengen. Die klaustrophobische Atmosphäre wird dabei immer dichter gestaltet und entlädt sich in einem der Höhepunkte im Film, der besser schlicht nicht zu machen wäre.
Eine routinierte wie überraschend lebensnahe Optik hebt Red Eye weit über Genrevertreter hinaus und zeigt glücklicherweise, dass Craven sein Handwerk immer noch beherrscht.

Ebenso Komponist Marco Beltrami, der hier auf einen außergewöhnlich elektronischen Score zurückgreift, seine temporeichen bis schwermütig atmosphärischen Themen mit rhythmischen Elementen mischt und so einen sehr abwechslungsreichen, nicht immer harmonischen, aber stets passenden Soundtrack liefert, der sich sehr gut in die Szenen einfügt, und dessen Hauptthema immerhin im Gedächtnis bleibt.

Zwar ursprünglich mit Sean Penn und Robin Wright Penn als Hauptbesetzung gedacht, verjüngte Wes Craven seinen Cast, was ihm zugegebenermaßen sehr gut gelang. Auch wenn sich Cravens Vorliebe für starke Frauenrollen hier erneut zeigt, mit seinen bisherigen Werken hat Red Eye, abgesehen von der handwerklich sehr guten Umsetzung, kaum etwas gemein.
Was Drehbuchautor Carl Ellsworth in den 85 Minuten allerdings alles unterbringt, ist erstaunlich, und dank der guten Darsteller und der Inszenierung, die keine Wünsche offen lässt, vergeht die Zeit buchstäblich wie im Flug. Man kann nur hoffen, dass die Studios das als Anlass nehmen, in Zukunft weniger auf große Hollywoodnamen, statt auf unterhaltsame und intelligente, wenn auch nicht oscarreife, Drehbücher zu setzen. Die Zuschauer haben's gedankt, und das ist mehr, als man anderer Film diesen Herbst von sich behaupten konnte.


Fazit:
"Red Eye" wird im Englischen ein Flug genannt, der zwischen ein und vier Uhr morgens stattfindet, und dass dieser alles andere als zum Einschlafen ist, dafür sorgt ein neuer Drehbuchautor, der eine ansich bekannte Geschichte mit frischen Ideen schmückt und so einen wirklich guten Thriller liefert.
An der Besetzung, angeführt von den beiden bislang eher unbekannten Rachel McAdams und Cillian Murphy, gibt es nichts zu bemängeln, im Gegenteil, und auch Regisseur Wes Craven scheint sichtlich Spaß am Dreh gehabt zu haben. Mit Red Eye liefert er einen weit überdurchschnittlichen Thriller, dem man sich gefahrlos hingeben kann, ohne Nebenwirkungen zu erleiden oder mit einer tiefergehenden Aussage erschlagen zu werden.
Doch auf jeden Fall beweisen die Beteiligten damit eindrucksvoll, dass es kein explosives Budget im dreistelligen Millionenbereich braucht, um dem Zuschauer exzellent gemachte Unterhaltung zum mitfiebern mit sehr gut gelaunten Darstellern und einer makellosen Umsetzung zu bieten.
Ein Tipp für alle, die nicht ohnehin schon unter Flugangst leiden.


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