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Ralph reichts [2012]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Juli 2013
Genre: Animation / Komödie / Action

Originaltitel: Wreck-It Ralph
Laufzeit: 101 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Rich Moore
Musik: Henry Jackman
Stimmen: John C. Reilly (Christian Ulmen), Sarah Silverman (Anna Fischer), Jack McBrayer (Kim Hasper), Jane Lynch (Vera Teltz), Alan Tudyk (Stefan Gossler), Mindy Kaling, Joe Lo Truglio, Ed O'Neill (Kaspar Eichel), Dennis Haysbert, Edie McClurg, Raymond S. Persi


Kurzinhalt:
Der Alltag ist für Randale-Ralph (John C. Reilly / Christian Ulmen) seit 30 Jahren derselbe: Er macht das Gebäude kaputt, damit Fix-it Felix Jr. (Jack McBrayer / Kim Hasper) es wieder repariert. Am Abend, wenn die Spielhallenbesucher nach Hause gehen, zieht sich Ralph auf seinen Müllberg zurück. Von den übrigen Kollegen des Videospiels, darunter auch Fix-it Felix Jr. selbst, wird er gemobbt. Aber er hat keine Lust mehr, der Böse zu sein.
Darum verlässt Ralph eines Nachts sein Spiel und versucht sein Glück in anderen virtuellen Welt. Dabei gelingt es ihm zwar, sich in Hero's Duty zu bewähren, aber auf der Flucht vor den zerstörerischen Cy-Bugs verschlägt es ihn in das Rennspiel Sugar Rush. Dort trifft er auf Vanellope (Sarah Silverman / Anna Fischer), die wie er eine Außenseiterin ist. Ihr Traum ist es, endlich an einem Kart-Rennen teilzunehmen, was der Herrscher von Sugar Rush, King Candy (Alan Tudyk / Stefan Gossler), mit allem Mitteln zu verhindern sucht.
Unterdessen macht sich Fix-It Felix Jr. auf die Suche nach Ralph, da ohne ihn sein Videospiel nicht funktioniert und abgeschaltet wird. Aber auch die Soldatin Tamora Jean Calhoun (Jane Lynch / Vera Teltz) ist auf der Suche nach ihm, da Ralph unwissentlich einen Cy-Bug nach Sugar Rush gebracht hat, der das Spiel zerstören wird. Es scheint, als wäre Ralph immer der Böse, egal, was er tut ...


Kritik:
Mit Toy Story [1995] zeigte das Animationsstudio Pixar seinerzeit, was Spielzeugfiguren anstellen, wenn niemand hinsieht. In Ralph reichts sehen wir, was Videospielfiguren in ihrer Freizeit treiben. Dabei bietet der Film aus dem Hause Walt Disney – dessen Animationssparte unter der künstlerischen Leitung Pixars steht – all das, was Pixar-Filme wie Cars 2 [2011] vermissen lassen. Dass erwachsene Zuschauer, die in ihrer Kindheit und Jugend selbst Videospiele gespielt haben, gegenüber denjenigen im Vorteil sind, die mit der Materie nichts anfangen können, versteht sich von selbst. Allerdings bietet die virtuelle Abenteuerkomödie viel mehr, als nur bunte Schauplätze für eine familiengerechte Geschichte.

Wer, wenn nicht Erwachsene können Ralph verstehen? Nach 30 Jahren als "Randale-Ralph" in dem Arcadespiel Fix-it Felix Jr. hat er die Nase voll, immer der Bösewicht zu sein und zu keiner After-Work-Party eingeladen zu werden. Zu dem unangenehmen Betriebsklima trägt auch Fix-it Felix Jr. selbst bei, wenn auch nicht aus Böswilligkeit. Vielmehr hat sich der Held des Spiels nie überlegt, wie es Ralph dabei geht, jeden Tag aufs Neue zu verlieren. So entschließt sich Ralph, sein Spiel zu verlassen, um in einem anderen eine Heldenmedaille zu gewinnen – vielleicht bekommt er ja dann von seinen Kollegen die Anerkennung, die er sich wünscht. Aber als am Morgen die Spielhalle öffnet und Ralph nicht in seinem Spiel ist, wird es außer Betrieb gesetzt. Kehrt er in einem Tag nicht zurück, wird es gar ganz vom Strom getrennt. Dann säßen alle als herrenlose Charaktere in der Game Central Station fest.

Mit welcher Leichtigkeit Ralph reichts die Konzepte der Welt der Videospiele und unserer normalen vermischt, ist ebenso unterhaltsam wie beeindruckend. Angefangen von der Selbsthilfegruppe "Anonyme Bösewichte", die Ralph besucht, bis hin zu Kleinigkeiten wie verschiedene Gesellschaftsschichten in dem Spiel Sugar Rush. Auch das Posttraumatische Stresssyndrom von Figuren eines Ego-Shooters wird aufgegriffen, die Tag für Tag in die Schlacht geschickt werden.
Dass die unterschiedlichen Spielwelten den Look des jeweiligen Genres und der Zeit, in der es entstand, besitzen, ist das optische Sahnehäubchen. Erinnern die Bewegungen der Figuren in dem Haus, das Ralph tagtäglich kaputtmacht an die 8-Bit-Ära, sieht der Shooter Hero's Duty mit den Horden an Alien-Käfern, die es zu erlegen gilt, so schmutzig wie hochaufgelöst aus mit Flecken auf der Kamera und einer düsteren Farbpalette. Kommt Ralph in Sugar Rush, einem vermutlich auf ein weibliches Zielpublikum zugeschnittenen Kart-Rennspiel an, explodieren die Farben in allen schrillen Tönen. Was sich die Filmemacher hier einfallen lassen, um dem Titel entsprechend einen Zuckerschock bildlich festzuhalten, zaubert selbst großen Zuschauern ein Lachen ins Gesicht. Einfälle wie der Nesquik-Treibsand sind dabei kein reines Product-Placement, sondern wie die vielen bekannten Figuren (man denke an Sonic the Hedgehog) eine Hommage.

In der kunterbunten Rennwelt trifft Ralph auf Vanellope, die als Glitch, als Fehler, ausgegrenzt wird und endlich an einem Rennen teilnehmen will. Aber er hat aus dem Science Fiction-Spiel auch einen Cy-Bug mitgebracht, der sich nun in Sugar Rush vermehrt und das Spiel zerstören kann. Die Soldatin Calhoun macht sich aus ihrem Spiel auf, Sugar Rush zu retten, zusammen mit Fix-it Felix Jr., der Ralph um jeden Preis zurückbringen muss.
Dank der verschiedenen Charaktere gibt es genügend Identifikationsfiguren für Jung und Alt. Der Ausgang ist zwar absehbar, der Weg dorthin aber so temporeich und spaßig, dass die mehr als eineinhalb Stunden wie im Flug vergehen. Die Aussage, die der Film trifft, ist für alle Altersgruppen verständlich und familiengerecht aufbereitet. Wie viel Liebe fürs Detail Ralph reichts beweist, werden ältere Zuseher mehr zu schätzen wissen, da sie bekannte Spielewelten wiedererkennen können. Sie werden es auch sein, die selbst beim in nostalgischem Flair gehaltenen Abspann aus dem Schwelgen nicht herauskommen werden. Ein solches Gefühl ist der Pixelschmiede Pixar schon lange nicht mehr gelungen.


Fazit:
Während die Kinder im Publikum auf die Situationskomik ebenso ansprechen, wie auf die knalligen Farben, fühlt man sich als Erwachsener an die Videospielhelden seiner eigenen Jugend erinnert. Und kann sich gleichzeitig in den immens fantasievollen Landschaften verlieren.
Ralph reichts gelingt eine liebevolle Hommage an vergangene Videospielgenerationen, ohne sie als geringwertig darzustellen. Der Abenteuerfilm ist packend und schnell wie eine Achterbahnfahrt erzählt, der Humor immer kindgerecht und nie zu derb. Und erkennt Ralph den Sinn und die Notwendigkeit seiner Rolle im Spiel, haben die anderen auch erkannt, wie unverzichtbar er ist. Es ist eine Lektion für die ganze Familie in einem der einfallsreichsten Animationsfilme in Bonbonfarben der letzten Jahre.


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