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Pompeii [2014]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Oktober 2014
Genre: Action / Thriller / Drama

Originaltitel: Pompeii
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: Kanada / Deutschland / USA
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Paul W.S. Anderson
Musik: Clinton Shorter
Darsteller: Kit Harington, Emily Browning, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Carrie-Anne Moss, Jared Harris, Kiefer Sutherland, Jessica Lucas, Currie Graham, Joe Pingue, Sasha Roiz, Dylan Schombing


Kurzinhalt:

Siebzehn Jahre, nachdem der junge Kelte Milo (Kit Harington) mitansehen musste, wie seine Familie vor seinen Augen abgeschlachtet wurde, findet er als Sklave seinen Weg nach Pompeji. Zusammen mit Atticus (Adewale Akinnuoye-Agbaje) und anderen Gladiatoren soll er in der Arena zur Belustigung der Römer um sein Leben kämpfen. Auf dem Weg in die Stadt begegnet er bereits der edlen Cassia (Emily Browning), Tochter von Stadtoberhaupt Severus (Jared Harris) und dessen Gemahlin Aurelia (Carrie-Anne Moss). Auch wenn sich beide ineinander verliebt haben, über die Standesgrenzen hinweg kann eine solche Liebe nicht sein.
Zumal Severus hofft, den römischen Senator Corvus (Kiefer Sutherland) für sein Vorhaben, Pompeji neu zu bauen, gewinnen zu können. Doch in Corvus erkennt Milo den Mann, der für das Massaker an seiner Familie verantwortlich war, zusammen mit dessen rechter Hand Proculus (Sasha Roiz). Als Corvus, der selbst ein Auge auf Cassia geworfen hat, entdeckt, dass sie dem Sklaven Milo zugetan ist, setzt er alles daran, dass der sein Leben in der Arena verliert. Währenddessen braut sich im nahen Vulkan eine Katastrophe zusammen ...


Kritik:
In Paul W.S. Andersons Pompeii trifft Gladiator [2000] auf Titanic [1997] mit einer Prise Dante's Peak [1997]. Aber wäre es so einfach, das Erfolgsrezept von nur einem der drei Filme zu kopieren, hätten es wohl schon andere Filmemacher versucht. Das Ergebnis ist so schlecht, dass es nicht einmal mehr Spaß macht zuzusehen und wer sich nach langer Wartezeit auf ein effektvolles Finale mit Vulkanausbruch einstellt, der muss erkennen, dass der die Geduld kaum wert war oder nichts bietet, was man nicht anderswo schon besser gesehen hat.

Sieht man sich die bisherigen Filme von Regisseur Anderson an, dem trotz mehrerer Resident Evil-Filme oder Alien vs. Predator [2004] zumindest Event Horizon - Am Rande des Universums [1997] geglückt ist, dann wundert es nicht, weswegen er sich nicht James Camerons Herangehensweise an Titanic zu Herzen nimmt. Statt die wirkliche Katastrophe der Stadt Pompeji, die beim Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. unterging und seit ihrer Wiederentdeckung ein Magnet für Archäologen ist, als Ausgangspunkt zu nehmen, um eine Geschichte zu erzählen, die zu den gefundenen Ruinen und erhaltenen Abdrücken der Opfer des Vulkanausbruchs passt, strickt Pompeii eine absehbare, klischeebeladene Story um einen keltischen Sklaven, der zur Unterhaltung der Bürger der Stadt in Pompeji als Gladiator auftreten soll. Dass er sich dabei in die Tochter des Stadtoberhaupts verliebt und den Tod seiner Familie durch die Hand eines römischen Senators rächen kann, versteht sich von selbst.

Angesichts der angespannten politischen Lage in Pompeji, das sich als unabhängiger von Rom sah, als Rom das seinerseits einschätzte, würde die Situation um den Stadthalter Severus, der die Gunst des römischen Senators Corvus für einen Umbau der Stadt gewinnen will, durchaus Potential bieten. Etwas davon ist sogar zu sehen, doch konzentriert sich Pompeii nicht auf ein politisches Komplott (wie beispielsweise der Roman Pompeji [2003] von Robert Harris, auf dem der Film bedauerlicherweise nicht basiert). Hinzu kommt, dass die Darsteller selbst mit ihren eindimensionalen Figuren derart überfordert sind, dass man sich wünschen würde, der Ascheregen würde nach den ersten Minuten einsetzen, um ihre Gesichter zu bedecken. Als Titelheld macht Kit Harington körperlich zwar eine gute Figur, doch wie Emily Browning ist er mimisch nur stark eingeschränkt präsent. Carrie-Anne Moss und Jared Harris sind hingegen unterfordert und gedanklich anscheinend beim nächsten Filmprojekt. Ebenso Kiefer Sutherland, der in solch einer Rolle durchaus aufgehen könnte, wenn ihm denn das Drehbuch etwas geben würde, womit er arbeiten könnte. Einzig Adewale Akinnuoye-Agbaje scheint die abgedroschenen Wurzeln seiner Figur mit dem notwendigen Augenzwinkern anzunehmen und agiert entsprechend.

Dass die Dialoge im englischen Original grauenhaft platt ausfallen, wird im Deutschen durch eine fürchterliche Synchronisation zusätzlich verschlimmert. Nicht nur, dass sich die männlichen Figuren (vom bekannten Sprecher Tobias Meister für Kiefer Sutherland abgesehen) anhören, als stammten sie aus der Porno-Branche, die Dialoge sind zum großen Teil derart falsch und schwülstig übersetzt, dass man im direkten Vergleich zum Original nur den Kopf schütteln kann. Das geht sogar so weit, dass Dialogzeilen im Off hinzugedichtet werden, die in der englischen Tonspur gar nicht vorhanden sind! Es ist mit Abstand die schlechteste Synchronisierung, die seit langer Zeit in einem Film zu hören war. Wünschenswert wäre es, der Heimvideoveröffentlichung würde eine Tonspur nur mit der Musik und den Toneffekten beiliegen – dann wären vielleicht auch die Darstellerleistungen leichter zu ertragen.


Fazit:
Mit einem großen Budget den Untergang Pompejis nacherzählt zu sehen, klingt vielversprechend. Doch das für die Spezialeffekte notwendige Kleingeld scheint Regisseur Paul W.S. Anderson nur in ausgewählte Szenen am Schluss zu stecken. Insofern sehen manche Einstellungen beängstigend und beeindruckend zugleich aus, die meisten jedoch schwanken zwischen offensichtlich und selbst für eine Vorabenddokumentation zu mittelmäßig. Immerhin, dank der ausdrucklosen Gesichter der Darsteller schaut man nicht so oft auf den Hintergrund.
Zwar ist der klischeebeladene Katastrophenfilm nie wirklich langweilig, nur packend ist er auch nicht. Würde man Pompeii auf die wirklich sehenswerten (wobei auch diese Aussage bereits übertrieben ist) Szenen reduzieren, käme ein Film heraus, der keine 30 Minuten lang ist. Am Ende wünscht man sich, das Studio hätte den Zuschauern diesen Gefallen getan.    


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