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Plan 9 aus dem Weltall [1959]

Wertung: 0.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Februar 2003
Genre: Science Fiction / Horror

Originaltitel: Plan 9 from Outer Space
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1959
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Edward D. Wood Jr.
Musik: Bruce Campbell, Wolf Droysen, Trevor Duncan, Franz Mahl, John O'Notes, Van Phillips, Steve Race, Wladimir Selinsky, James Stevens, Gilbert Vinter
Darsteller: Gregory Walcott, Mona McKinnon, Duke Moore, Tom Keene, Carl Anthony, Paul Marco, Vampira, Bela Lugosi


Kurzinhalt:
Außerirdische wollen mit der Erde in Kontakt treten, sie befürchten, dass die Menschen ihre Waffen gegen das Universum selbst einsetzen könnten. Doch unter dem Kommando von Eros (Dudley Manlove) scheitern alle Versuche, die Menschen zu einer Antwort zu bewegen, obgleich sie die Nachricht der Ufos verstanden haben.
Sie greifen auf "Plan 9" zurück, bei dem sie die Toten auf der Erde wieder erwecken – in diesem Fall einen alten Mann (Bela Lugosi), seine kürzlich verstorbene Frau (Vampira) und einen umgekommenen Polizeiinspektor Daniel Clay (Tor Johnson) – und wollen mit ihrer Hilfe die Menschen dazu zwingen, ihren Bedingungen zuzuhören.


Kritik:
Ed Wood
– ein Name, der auch in Zukunft nie vergessen werden wird, obwohl das lange nicht so aussah.
Bei einem Einsatz als Soldat währen des Zweiten Weltkriegs soll er Damenunterwäsche unter seiner Uniform getragen haben, eine Gewohnheit, die er später angeblich nicht ablegen konnte oder wollte, und das im USA der 1950er! Er wollte Hollywood neu definieren und unbedingt in das Filmgeschäft einsteigen; doch so sehr er sich auch anstrengte – wenn es darum ging, Filme billig herzustellen erwies er sich als wahres Multitalent – er konnte es einfach nicht. Es fehlte ihm das Wichtigste, das sich niemand antrainieren oder erlernen kann: Talent.
Sein Karrieretief kam mit Plan 9 aus dem Weltall, der allgemein als schlechtester Film aller Zeiten gilt und ihn damit selbst zum schlechtesten Regisseur aller Zeiten stempelte.

Finanziert wurde der Film von einer Baptistenkirche, als Bedingung dafür, dass sich alle Beteiligten der Produktion taufen ließen.
Die Polizeiwagen und -uniformen waren echt, der Sohn eines Darstellers war Polizist und versorgte die Produktion mit Ausrüstung.
Kultcharakter erlangte der Film allerdings erst dadurch, dass er als schlechtester Film überhaupt gilt, andererseits würde es wohl kein Filmliebhaber wagen, sich dieses Machwerk unvoreingenommen anzuschauen.
Ein Flugzeugcockpit besteht aus einem Vorhang, zwei Stühlen und einem kleinen Tischchen, die Kommandozentrale eines außerirdischen Raumschiffs aus nicht viel mehr, und als wäre das nicht genug, ist Hauptdarsteller Bela Lugosi die meiste Zeit buchstäblich nicht er selbst.
1956 begannen die Dreharbeiten zu Plan 9, doch Lugosi verstarb nur 4 Tage nach Drehbeginn, die Produktion wurde angehalten. Drei Jahre später hatte Wood genug Geld beisammen, um den Film fertig zu stellen und bat den Chiropraktiker seiner Frau, Tom Mason, Lugosis Rolle zu übernehmen, wobei er sich mit seinem Umhang stets das Gesicht verdecken musste und trotzdem nicht viel Ähnlichkeit mit dem Dracula-Veteran hat.

Schlechter macht es den Film allerdings nicht. Ed Woods bevorzugter Titel des Films war seit jeher Grabräuber aus dem Weltall, was der Geschichte zwar ebenso wenig nahe kommt und selbige auch nicht aufwertet, der Vollständigkeit halber sei es hier aber erwähnt.
Das Drehbuch, insofern man es als solches bezeichnen kann, ist eine Kraftprobe für den gesunden Menschenverstand; die Geschichte ist so absurd wie abstrus, allgemein ist empfehlenswert, nicht darüber nachzudenken, um sich unnötige Kopfschmerzen zu ersparen.
Doch so hanebüchen die Story sein mag, sie besitzt ein vielversprechendes und durchaus interessantes Element: die Solarbombe. Welche Energie könnte man erhalten, wenn man ein Lichtteilchen spalten würde? Die Grundidee mag im Science-Fiction-Genre nicht neu sein, ist aber sicherlich überlegenswert. Nur leider ist die Durchführung der Idee ebenso erbarmungswürdig wie der restliche Film.

Übertroffen wird das Skript allerdings von den völlig lust- und talentlosen Darstellern, die das Resultat ihrer Arbeiten wohl schon geahnt hatten. Einzig Tor Johnson, der als Zombie-Polizeichef mit einer recht überzeugenden Maske und einem furchteinflößenden Aussehen imponieren kann, ist sehenswert. Sein Auftreten und Aussehen sind besonders in dem präsentierten Ambiente mehr oder weniger gruselig.
Die anderen Darsteller erweisen sich allerdings dieser Bezeichnung kaum als würdig.

Auch wenn das Drehbuch nie hätte geschrieben werden dürfen und die Schauspieler lieber zu Hause geblieben wären, setzen die Inszenierung mit den endlosen stupiden Dialogen, die jede Szene zerreden, und das Fehlen jedweder Dramaturgie dem Ganzen die Krone auf. Weder Kamera, noch Schnitt, noch Szenenaufbau hätten auf Zelluloid gebannt werden sollen.
Stellt man Plan 9 den immerhin 20 Jahre älteren Klassiker King Kong und die weiße Frau [1933] gegenüber, wird offensichtlich, dass Ed Wood keinerlei Gespür für irgendeine Form der filmischen Umsetzung hatte, trotz aller Mühen.

Aber – und das sei ebenfalls festgehalten – es gibt durchaus schlechtere Filme. Obwohl Plan 9 langweilig ist und man als Zuseher mitunter versucht ist, sein Gehirn auf Vorhandensein zu überprüfen, besitzen Filme wie Spawn [1997] oder auch der "berühmte" Angriff der Killertomaten [1978] etwas, das Plan 9 aus dem Weltall glücklicherweise fehlt: die böswillige Absicht, dem Zuschauer jeden Tropfen gesunden Menschenverstandes auszusaugen, ohne Rücksicht auf Folgeschäden.


Fazit:
Obwohl nicht der schlechteste Film aller Zeiten, ist er alles andere als gut. Man merkt dem Film die billigen Kulissen, die endlos langen und bisweilen grotesken Dialoge und die völlig hanebüchene Story an; der aufmerksame Zuschauer wird aber auch bemerken, dass die Spezialeffekte nicht so schlecht sind, wie man erwarten könnte, und sich Regisseur Ed Wood sichtlich Mühe gegeben hat – auch wenn das bei seinem fehlenden Talent nichts genutzt hat.
Darüber hinaus wird deutlich, wie grandios Tim Burton und Hauptdarsteller Johnny Depp in Ed Wood [1994] die Stimmung eingefangen haben, die die Entstehung von Plan 9 aus dem Weltall begeitete.
Schlecht? Ja. Der Schlechteste? Glücklicherweise nicht. Sehenswert? Auf jeden Fall. – Einmal! Mehr könnte für den Verstand gefährlich sein.


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