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Pain & Gain [2013]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 31. August 2013
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Pain & Gain
Laufzeit: 129 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Michael Bay
Musik: Steve Jablonsky
Darsteller: Mark Wahlberg, Dwayne Johnson, Anthony Mackie, Tony Shalhoub, Ed Harris, Rob Corddry, Bar Paly, Rebel Wilson, Ken Jeong, Michael Rispoli, Keili Lefkovitz, Emily Rutherfurd, Larry Hankin, Tony Plana, Peter Stormare


Kurzinhalt:
Durch Johnny Wus (Ken Jeong) Motivationstraining bekommt der Bodybuilder und Fitnesstrainer Daniel Lugo (Mark Wahlberg) den richtigen Kick: Er ist ein Macher. Das heißt für ihn aber auch, dass er erreichen kann, was er will. Und im Moment will er das Vermögen von Victor Kershaw (Tony Shalhoub), den er trainiert. So heckt Daniel zusammen mit seinem Kollegen Adrian Doorbal (Anthony Mackie) und Paul Doyle (Dwayne Johnson) den Plan aus, Kershaw zu kidnappen und ihn dazu zu bewegen, ihnen all sein Vermögen und sein Hab und Gut zu überschreiben. Dafür benötigt Daniel unter anderem die Hilfe von John Mese (Rob Corddry), dem die Filiale von Sun Gym gehört, in der er arbeitet. Aber Kershaw weigert sich, etwas zu unterschreiben und Paul, der im Gefängnis seine spirituelle Seite entdeckt hat, freundet sich gar mit ihm an. Darum befiehlt Daniel seiner Freundin Sorina (Bar Paly), auf Paul aufzupassen.
Nachdem sie Kershaw gebrochen und alles gestohlen haben, was ihm gehörte, könnten sich Daniel, Paul und Adrian auf ihrem Erfolg ausruhen. Aber nach seiner Hochzeit mit Robin (Rebel Wilson) und dem Hauskauf, hat Adrian kaum mehr Geld übrig. Auch Paul ist so gut wie blank. So planen sie, was sie Kershaw angetan haben, mit Frank Griga (Michael Rispoli) und seiner Frau Krisztina (Keili Lefkovitz) zu wiederholen. Unterdessen hat Kershaw den ehemaligen Polizisten Ed DuBois (Ed Harris) auf sie angesetzt ...


Kritik:
Sieht man sich die Vorschau oder die Werbekampagne zu Pain & Gain an, könnte man glauben, es handle sich bei Michael Bays neuestem Film um eine Actionkomödie. Umso mehr, da die haarsträubenden Ereignisse auf Tatsachen basieren sollen. Zu Beginn erscheint es gar, der Film erzähle eine Underdog-Story um Daniel Lugo und seine zwei Mitstreiter, die den amerikanischen Traum mit Gewalt erzwingen wollen. Doch kann man von einer Komödie sprechen, bei der in Wirklichkeit Menschen umgekommen sind? Filmemacher Bay scheint diese Problematik erkannt zu haben und ändert mitten im Film den Ton seiner Erzählung, so dass aus dem unbeschwerten, wenn auch moralisch fragwürdigen Streifen ein Thriller wird, dessen Protagonisten durch ihre Handlungen vermutlich nicht das Zielpublikum, wohl aber überlegte Zuschauer schockieren.

Daniel Lugo wird als jemand vorgestellt, der sein bisheriges Leben der Fitness gewidmet hat. Er sieht es als patriotische Pflicht an und diejenigen, die dies nicht tun, als ebenso unpatriotisch. Aber auch wenn er einen chicen Sportwagen fährt, es gibt immer noch Menschen, die viel mehr haben als er. Beispielsweise Victor Kershaw, den er trainiert. Der Geschäftsmann erzählt Lugo frei von seinen Schwarzgeldkonten und wie viel Geld er gemacht hat. Durch ein Motivationstraining erlangt Daniel nicht nur die Erkenntnis, dass er ein Macher ist, sondern dass er sich auch all das holen kann, was Kershaw gehört, der seinerseits kein sehr sympathischer Zeitgenosse ist. Um Victor zu kidnappen, rekrutiert Daniel Adrian Doorbal und den gerade aus dem Gefängnis entlassenen Paul Doyle, der dort seine Verbindung zu Jesus entdeckt hat.

Dwayne Johnson ist nicht zuletzt dank seiner ungesund aussehenden Muskelpräsenz als Mann fürs Grobe hervorragend geeignet. Ihn hier in der Rolle des spirituell veranlagten Paul zu sehen, dem es widerstrebt, Gewalt anzuwenden, ist wirklich gut gelungen – und seine Wandlung zu beobachten, sobald seine Heroinsucht die Kontrolle über ihn erlangt, auch gut gespielt. Doch es ist bei ihm, wie bei Mark Wahlberg oder Anthony Mackie, deren Figuren gleichermaßen verzweifelt und einfältig daherkommen, aber letztlich Verbrechen begehen, die kaltblütig und berechnet sind. Hat Lugo seine Truppe auf den Plan eingeschworen, Kershaw dazu zu zwingen, ihnen sein Besitz zu überschreiben, kippt die Stimmung des Films. Bis zu dem Moment, da Victor der Taser an die Wange angelegt wird, waren es allenfalls Lugos Ideen, doch dann bekommt ihre Tat ein neues Gesicht. Kershaw erkennt Lugo, so dass dieser sich entschließt, Victor umzubringen, nachdem er sein Vermögen überschrieben hat. Doch statt es selbst zu tun, überredet er hierzu Paul.

Auch danach wartet Michael Bay mit interessanten, videoclipartigen Einstellungen auf, benutzt ebenso Handkamera wie Zeitlupen in gelungenen Kompositionen. Aber die Atmosphäre ist eine andere. Pain & Gain versucht zu Beginn, die drei Kidnapper als "normale" und vielleicht sogar sympathische Figuren erscheinen zu lassen, nicht zuletzt durch die vielen Kommentare aus dem Off, die gleichermaßen von ihnen, wie von Kershaw und Ed DuBois stammen. DuBois wird von Victor nach dem gescheiterten Mordversuch beauftragt, ihm sein Vermögen zurückzuholen und Lugo und seine Helfer ausfindig zu machen. Das ist insofern nicht schwierig, da sich Lugo auf Kershaws Anwesen niedergelassen hat und Paul und Adrian ebenfalls ihren Reichtum genießen.

Zum Beginn des letzten Akts erinnert eine Einblendung daran, dass es sich bei Pain & Gain um eine wahre Geschichte handelt. Welche Teile davon wirklich geschehen sind, muss man aber differenzieren. Die abstruse Nebenhandlung um einen abgeschossenen Zeh, hat so beispielsweise nie stattgefunden. Und auch sonst orientiert sich die Geschichte nur grob an den wahren Ereignissen. Dabei wäre mit einer genaueren Rekonstruktion wie beispielsweise bei Zodiac - Die Spur des Killers [2007] auch ein anspruchsvolles Thrillerdrama möglich gewesen, das eine erschreckende Charakterisierung der Täter zulässt. Bay entschied sich stattdessen, was 1994/1995 geschehen ist, als unterhaltsame Actionkomödie zu beginnen, aber gänzlich anders enden zu lassen.


Fazit:
Der Inszenierungsstil von Michael Bay wirkt hier weniger orientierungslos, als in manch anderen seiner Filme. Auch das kleinere Budget merkt man Pain & Gain nicht an, im Gegenteil. Nicht zuletzt überzeugt die Darstellerriege, die durch Tony Shalhoub und Ed Harris gleichermaßen veredelt wird. Was in den etwas langen zwei Stunden übel aufstößt ist die Story selbst, die sich nicht entscheiden kann, ob ihre drei Protagonisten genauso böse sind wie ihre Handlungen, oder nicht. Im ersten Drittel werden ihre Taten mit patriotischen Parolen zwar nicht glorifiziert, aber nicht ausdrücklich verurteilt – während die absurd erscheinenden Situationen in der zweiten Filmhälfte sie weniger brutal und kaltblütig erscheinen lassen, als sie sind.
Das ergibt insgesamt eine Kombination, die moralisch ebenso schwer zu vertreten ist, wie das Zielpublikum der Werbekampagne in der Lage, klar dazwischen zu unterscheiden. So deutlich die satirischen Untertöne in Bezug auf eine auf Körperfett und Muskelmasse fixierte, durch Steroide und Rauschgift verblödete Gesellschaftsform auch sein mögen, damit Folter und Mord in einem Unterhaltungsfilm rechtfertigen zu wollen, ist nicht verhältnismäßig. Vor allem verharmlost es die Täter, die sich ihrer Methoden und deren Auswirkungen sehr wohl im Klaren waren. Pain & Gain ist nie langweilig und durchaus unterhaltsam, aber aus wirklichen Verbrechen mit wirklichen Opfern eine fiktive Actionkomödie zimmern zu wollen, ist den Machern gründlich misslungen.


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