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Numb3rs (Pilotfilm) [2005]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. September 2005
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Numb3rs
Laufzeit: 42 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Mick Jackson
Musik: Charlie Clouser
Darsteller: Rob Morrow, David Krumholtz, Judd Hirsch, Alimi Ballard, Sabrina Lloyd, Peter MacNicol, Navi Rawat, Anthony Heald, William O'Leary, Kate Norby


Kurzinhalt:
Es ist das erste Mal, dass der Serientäter und Vergewaltiger sein Opfer tötete – und das FBI-Team unter der Leitung von Don Eppes (Rob Morrow) kommt mit der Analyse der Daten nicht voran.
Als ihm sein Bruder Charlie (David Krumholtz) offenbart, er könne anhand der Berichte der Tatorte errechnen, woher der Täter vermutlich stammt, ist Don skeptisch, doch Charlie, ein Mathematik-Genie und Professor, macht sich auf, eine Gleichung zu entwickeln, mit deren Hilfe der Wohnort des Täters errechnet werden könnte.
Doch dem Team um Don, Terry Lake (Sabrina Lloyd) und David Sinclair (Alimi Ballard) läuft die Zeit davon, denn der Täter scheint seinen Zyklus verkürzt zu haben – doch die Ermittlungen des FBI, die anhand von Charlies Gleichung durchgeführt wurden, enden im Leeren, und wenig später verschwindet erneut eine Frau ...


Kritik:
Viele neue TV-Serien setzen entweder auf ein bekanntes Konzept – wie zum Beispiel die Inkarnationen des CSI-Franchise, oder aber auf bekannte Darsteller in Schlüsselrollen; bei der Thrillerserie Numb3rs sind keine großen Namen vor der Kamera zu sehen, auch wenn versierten Zuschauern viele Darsteller aus Nebenrollen bekannter Filme vertraut sein werden.
Doch dafür zeichnen hinter der Kamera niemand geringeres als Tony und Ridley Scott für die Produktion verantwortlich. Dass sich die Macher im visuellen Sinn dennoch zurückhaltend geben, anstatt die jüngsten Eskapaden von Tony Scott zu kopieren, erfreut, auch wenn der übrigen Serie dies nicht durchweg gelingt. Das Hauptproblem liegt dabei im Konzept der beiden Serienerfinder Cheryl Heuton und Nicolas Falacci, die beide bislang keine größeren Projekte zu vermelden hatten. Denn während sich Numb3rs mit einem deutlich zu großen Maincast nicht so recht für klare Hauptcharaktere entscheiden kann, überrascht der Pilotfilm mit einer sehr ernsten und auch brutalen Story, die eher unbeholfen mit den mathematischen Elementen durchsetzt scheint.

Die Ausgangslage ist dabei überaus viel versprechend, obgleich die Story selbst eher konventionell daher kommt; hier und da blitzt sogar ein forensisches Element durch, das aber im Gegensatz zu C.S.I. - Tatort Las Vegas [seit 2000] kaum eine Rolle spielt. Auch wenn sich Hauptfigur Don Eppes mit dem Gerichtsmediziner unterhält, hat man das Gefühl, als hätten sich die Macher das große Serienformat der Konkurrenz etwas zu genau angesehen.
Was Numb3rs von vergleichbaren FBI-Thrillerserien unterscheiden soll, ist das wissenschaftlich-mathematische Storyelement, das aber, davon abgesehen, wie ansprechend das visuell umgesetzt wird, im Verlauf der Geschichte sehr weit hergeholt erscheint. Die eigentliche Ermittlungsarbeit übernimmt nach wie vor das FBI vor Ort, der Mathematiker Charlie Eppes stößt die Behörden lediglich in die richtige Richtung.
Genau hier liegt allerdings das Problem der Serie, denn abgesehen von den mathematischen Spielereien und Anleihen, verstecken sich hinter den einzelnen Episoden von Numb3rs sehr vielversprechende Thrillergeschichten, die man so auch ohne weiteres mit einem größeren Budget und ausgearbeiteten Drehbüchern fürs Kino umsetzen könnte.
Das neuartige Element scheint nicht nur aufgesetzt, sondern erinnert fatal an A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn [2001], wo die Begabung des Hauptcharakters immerhin in einem gebrochenen Geist gefangen war. Eben ein solches Dramaelement fehlt Numb3rs allerdings, und in den ersten Fällen kann man weder zu den Opfern, noch den Ermittlern wirklich eine Beziehung aufbauen.
Problematisch gestaltet sich außerdem im Pilotfilm, das Ermittlerteam genau einzugrenzen, denn es werden zahlreiche Nebenfiguren vorgestellt, die in den kommenden Episoden kaum mehr eine Rolle spielen. Eine der überflüssigsten Rollen ist allerdings diejenige von Charlies Kollege Dr. Larry Fleinhardt, der bis auf einige Stichpunkte nichts zum Geschehen beitragen darf.
Der vorgestellte Fall selbst ist zwar interessant, aber wenig überraschend und dramaturgisch nicht ausgereift, auch wenn die Spannungsschraube immerhin kontinuierlich angezogen wird. Die Figuren besitzen zwar Potential, werden hier jedoch kaum vorgestellt.

An den darstellerischen Leistungen gibt es indes kaum etwas zu bemängeln, gleichwohl keiner der Beteiligten wirklich zum Zug kommt; Rob Morrow macht seine Sache sichtlich gut, auch wenn man ihm eine derart große Verantwortung als Leiter einer Ermittlungseinheit des FBI nicht wirklich abnimmt.
Unterfordert ist außerdem David Krumholtz, der zwar häufig zu sehen ist, aber mimisch kaum in Aktion treten darf. Allenfalls Judd Hirsch überzeugt mit seinem Charisma und seinem sympathischen Auftreten, aber wirklich etwas zu tun hat er auch nicht.
Ebenso Alimi Ballard, der seit einigen Jahren in Film und Fernsehen zu sehen ist, der aber bislang auf seinen Durchbruch wartet; sollten die Autoren ihm nicht einige fordernde Szenen zuschreiben, wird er diesen auch nicht mit Numb3rs erreichen.
Auch Sabrina Lloyd ist seit knapp 20 Jahren in den Medien präsent, ihre größte, dauerhafte Rolle feierte sie allerdings mit der Science Fiction-Serie Sliders - Das Tor in eine fremde Dimension [1995-2000], die sie zur Hälfte ihrer Laufzeit verließ; auch sie macht ihre Sache gut, ohne allerdings Akzente zu setzen.
Kaum zu sehen ist Navi Rawat, die unter anderem in der ersten Staffel der Thriller-Serie 24 [seit 2001] in einigen Episoden mitwirkte. Der zweifelsohne sympathischste Charakter ist dank der sehr guten Darbietung von Peter MacNicol Dr. Larry Fleinhardt, der allerdings zur Story überhaupt nichts beiträgt. Seit dem Ende der Anwaltsserie Ally McBeal [1997-2002] war der beliebte Mime zwar in einigen Produktionen zu sehen, doch ein Comeback stellt seine Rolle in Numb3rs leider nicht dar. Hätte man die beiden Hauptfiguren älter angelegt, könnte man sich auch ihn als Charlie Eppes vorstellen und wird partout das Gefühl nicht los, als könnte er der Figur mehr Tiefe verleihen, die gleichen Skripts vorausgesetzt. So stakst er zwar gut gelaunt, aber hoffnungslos unterfordert durch die Kulissen, eher als Stichwortgeber, denn als Darsteller beschäftigt.
Weswegen der bekannte und auch gern gesehene Akteur Anthony Heald hier seinen einzigen Auftritt in Numb3rs feiert, wird ein Geheimnis der Autoren bleiben, die Figur hätte auf jeden Fall das Potential eines wiederkehrenden Charakters. Solide agiert auch William O'Leary, der allerdings kaum gefordert ist.

Handwerklich gibt es an der Umsetzung von Hollywood-Regisseur Mick Jackson kaum etwas auszusetzen, das Widescreen-Format kommt der Bildkomposition sichtlich zugute, und auch die Bilder selbst sind sehr gut gelungen, auch wenn sie bei weitem nicht so symbollastig oder ausgereift sind, wie bei anderen Serien des Genres. Dafür entscheiden sich die Macher zu wenig für einen düsteren oder hellen Look der Serie, sondern versuchen einen Mittelweg, der allerdings gekünstelt wirkt.
Die eingebrachten Spezialeffekte samt mathematischer Formeln, Kameramätzchen und Zeitlupen wirken nicht störend, auch wenn die Szenenwechsel bei Werbepausen etwas eigenartig umgesetzt sind.
Musikalisch gibt sich Komponist Charlie Clouser für das Genre ebenfalls sehr konventionell, versucht den Zuschauer mit dumpfen Bässen und rhythmischen Klängen auf ein unbehagliches Gefühl einzustimmen, ehe er bei actionreichen Szenen das Tempo und auch die Lautstärke anzieht. Die Untermalung ist sicherlich gelungen, bleibt allerdings nicht im Gedächtnis. Eher unpassend scheint allerdings das Titelthema der Serie, das alles in allem viel zu fröhlich wirkt, gerade im Gegensatz zum ernsten Inhalt. Es stammt aus dem Lied "Once In A Lifetime" von Talking Heads und ist auch beim Abspann zu hören.

Wie vielversprechend das Konzept von Numb3rs tatsächlich ist, wird sich weisen, bislang hat es eher den Anschein, als würde Charlie Eppes dem FBI meist Statistiken und Wahrscheinlichkeiten errechnen, auf denen dann die Entscheidung der Behörden basiert. Das mag zwar noch recht realistisch sein, doch wozu bereits im Pilotfilm die Mathematik benützt wird, grenzt beinahe schon an Science Fiction.
Der Thriller selbst ist recht interessant, wenn auch nicht wirklich überraschend, von dramatischen Elementen ist in den ersten 40 Minuten noch nichts zu sehen, und die Figuren werden bis auf die beiden Hauptpersonen nur mit Namen vorgestellt. Dass der Pilotfilm der neuen FBI-Serie sichtlich darunter leidet, auf 40 Minuten, statt 90 beschränkt zu sein sieht man auch daran, dass die Ermittlung selbst kaum Zeit in Anspruch nimmt. Ob sich dieses Problem auch in künftigen Episoden zeigen wird, ist nicht zu hoffen, doch nicht unwahrscheinlich.
Als Mischung aus A Beautiful Mind und C.S.I. scheint Numb3rs jedenfalls so unausgewogen wie unentschlossen. Trotz der Konkurrenz konnte sich die Serie bis ins Jahr 2010 halten, ehe sie zu Ende geführt wurde. Offensichtlich konnte das ungewöhnliche Format sein Publikum lange genug halten.


Fazit:
Auf die Frage hin, ob Numb3rs langweilig sei, werden viele Zuschauer zurecht sagen, "nein"; auf die Frage, ob es denn interessant sei, werden sie antworten "durchaus"; auf die Frage, was die Serie denn auszeichnet, wird manch einer ins Grübeln kommen.
Der Fall selbst ist zwar sehr unterhaltsam dargebracht, bietet gleichzeitig allerdings keine neuen Impulse für das Genre, das die Macher hier durch den wissenschaftlichen Aspekt beflügeln wollen. Doch wer sich – ob nun an Mathematik interessiert, oder nicht – die Gleichungen und die Rechnungen ansieht, wird nicht umhin können, gelegentlich etwas amüsiert den Kopf zu schütteln. Der mathematische Beitrag reduziert sich meist auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Statistiken, die sicher im FBI-Alltag eingesetzt werden, aber wie auch zu sehen ist, Verbrechen nicht wirklich lösen, sondern die Behörden nur anleiten.
So scheint der Pilotfilm inhaltlich stellenweise sehr unglaubwürdig, wird aber handwerklich immer ansprechend präsentiert. Die Darsteller mimen routiniert, sind jedoch kaum gefordert – sich mit diesen Werten erfolgreich neben der Konkurrenz zu platzieren ist äußerst schwer, und bedenkt man außerdem, dass der Dramaaspekt kaum zu tragen kommt (am wenigsten auf die Hauptfiguren selbst bezogen), fragt man sich auch, ob man Numb3rs in das persönliche Serienprogramm aufnehmen muss.


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