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No Way Out: Gegen die Flammen [2017]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 22. März 2018
Genre: Drama / Biografie

Originaltitel: Only the Brave
Laufzeit: 134 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Joseph Kosinski
Musik: Joseph Trapanese
Darsteller: Josh Brolin, Miles Teller, Jeff Bridges, Jennifer Connelly, James Badge Dale, Taylor Kitsch, Andie MacDowell, Geoff Stults, Alex Russell, Thad Luckinbill


Kurzinhalt:

Auch wenn der erfahrene Superintendent Eric Marsh (Josh Brolin) der Crew 7 der Feuerwehrleute von Prescott, Arizona zu den besten seines Fachs zählt, es wird für ihn zunehmend schwerer, seine Leute zu halten. Eine Möglichkeit wäre es, die örtliche Feuerwehrmannschaft als sogenannte „Hotshot“-Crew zu zertifizieren, die überregional eingesetzt und besser bezahlt wird. Mit Unterstützung seines Vorgesetzten Duane Steinbrink (Jeff Bridges) geht Eric die Aufgabe an, die ihn jedoch zeitlich noch stärker einbindet, was für noch größere Spannungen zwischen ihm und seiner Frau Amanda (Jennifer Connelly) sorgt. Neu in Erics Team ist der junge Brendan McDonough (Miles Teller), der gerade auf Bewährung entlassen auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, seine neugeborene Tochter zu unterstützen, obwohl deren Mutter keinen Kontakt zu ihm möchte. Die personell aufgestockte Crew sieht sie sich bald einem verheerenden Feuer bei Yarnell Hill gegenüber, das sich schneller ausbreitet und unberechenbarer ist, als irgendjemand hätte vorhersehen können …


Kritik:
Basierend auf den wahren Erlebnissen im Juni 2013 erzählt Filmemacher Joseph Kosinski in No Way Out: Gegen die Flammen die Geschichte der Feuerwehrmannschaft der Crew 7 in Prescott, Arizona, die als einzige kommunale Truppe den Elite-Status einer sogenannten „Hotshot“-Crew erlangt hat. Zwar hält sich die Nacherzählung hinsichtlich des Aufbaus an für Hollywood typische Konventionen, aber das schmälert insbesondere am Ende nicht ihre Wirkung. So sehenswert das ist, sollten Interessenten doch bedenken, dass dies kein Action-Thriller ist – und dass es für einen Film um Feuerwehrleute erstaunlich wenige Feuer zu sehen gibt.

Wie es für Katastrophenfilme dieser Art nicht unüblich ist, stellt No Way Out zu Beginn seine tragenden Figuren vor. Im Zentrum steht der erfahrene, ruhige und charismatische Anführer der Truppe, Eric Marsh. Seine Entscheidung beim ersten gezeigten Einsatz wird übergangen und hat zur Folge, dass viele Menschen ihre Häuser an ein Feuer verlieren, was hätte verhindert werden können. Marsh ist zusammen mit Brendan McDonough der emotionale Ankerpunkt des Films. Brendan stößt neu zur Truppe hinzu, wobei Marsh dem jungen Mann an einem Tiefpunkt in dessen Leben eine Chance gibt, während andere Arbeitgeber ihn abgelehnt hatten. Auf Drogenentzug und auf Bewährung aus der Haft entlassen, ist Brendan darum bemüht, festen Boden unter den Füßen zu bekommen, um für seine neugeborene Tochter zu sorgen, deren Mutter mit ihm keinen Kontakt wünscht.

Durch Brendans Augen erlebt das Publikum die Ausbildung der Feuerwehrleute, macht mit ihm die Übungen der eingespielten und durchweg sympathischen Crew mit und lernt die Terminologie kennen, die beide im späteren Verlauf noch wichtig werden. Sieht man zudem, dass die Feuerwehrleute kiloweise Ausrüstung bei sich tragen, lässt sich erahnen, was allein körperlich von ihnen abverlangt wird.
Im ersten Drittel beschäftigt sich No Way Out: Gegen die Flammen viel mit der politischen Situation um die örtliche Feuerwehrcrew, die hinsichtlich der Zuständigkeit immer dann das Nachsehen hat, sobald bei einem Brand die bundesweit eingesetzten „Hotshot“-Crews eingesetzt werden. Gleichzeitig nimmt sich der Filmemacher viel Zeit, seine beiden zentralen Figuren auszuarbeiten, wobei vor allem die Darstellung von Marsh und seiner Frau Amanda gelungen ist. Sie passen gut zusammen und gehen auf glaubwürdig natürliche Weise miteinander um. In ihrer ersten gemeinsamen Szene stellen sie fest, dass sie am Abend zuvor Dinge im Streit zueinander gesagt hätten, die sie nicht hätten sagen sollen, und es dauert den halben Film, ehe man zumindest erahnen kann, worum es dabei ging. Ihre Charaktermomente tragen den Film und heben ihn über andere Genrevertreter hinaus.

Dass Amanda stärker definiert wird, als es im ersten Augenblick notwendig erscheint, ist eine Entscheidung, die sich im letzten Drittel merklich auszahlt. Nicht nur, dass sie mit ihrer Tätigkeit – sie arbeitet mit bspw. durch Unfälle traumatisierten Pferden – einen wichtigen Ruhe- und Gegenpol zu Erics Alltag bietet, die Rolle wird von Jennifer Connelly toll zur Geltung gebracht. Dem steht Josh Brolin mit einer Darbietung gegenüber, bei der er nicht nur eine passend autoritäre Ausstrahlung besitzt, sondern eine einnehmende charakterliche Tiefe in seinem Blick erkennen lässt.

Aber obwohl eine Bedrohung der Statt Prescott, die in einem sehr trockenen Gebiet liegt, durch Brände immer wieder angekündigt und diskutiert wird, No Way Out: Gegen die Flammen hält sich mit Einsätzen der Truppe merklich zurück. Insgesamt gibt es nur fünf zu sehen und hiervon geht nur einer länger als ein paar Minuten. Insofern trügt die Einschätzung nicht, dass sich die erste Filmhälfte „langsam“ anfühlt, als würde die Geschichte nie das Tempo entwickeln, das sie besitzen sollte. Allerdings präsentiert Filmemacher Kosinski kein Action-Drama, wie der Film ungünstigerweise beworben wird, sondern vielmehr ein biografisches Drama, das im dritten Akt mit herausragenden Darbietungen glänzt.
Dass das Schicksal der Figuren bewegt, liegt einerseits an der vorgestellten Crew, die nicht nur gut harmoniert, sondern deren lockerer und doch professioneller Umgang miteinander natürlich erscheint. Zu sehen, wie sie sich bewähren und als erste örtliche Feuerwehrmannschaft als Granite Mountain Hotshots zertifiziert werden, schweißt sie mit dem Publikum zusammen. Auf der anderen Seite sind Eric und Amanda Marsh sowie der junge McDonough, dessen Wandlung glaubwürdig und von Miles Teller gelungen zum Leben erweckt wird.

Ruhig erzählt, besticht das Gezeigte durch eine tolle Optik mit malerisch rauen Landschaftsaufnahmen, die im letzten Drittel durch eine Flammenhölle ersetzt werden, bei der die Hitze förmlich von der Leinwand überspringt. Als stark gespielter und mitunter bewegender Tribut an diese Feuerwehrleute, die bei dem Yarnell Hill Feuer im Einsatz waren, ist No Way Out: Gegen die Flammen nicht nur gelungen, sondern überaus sehenswert. Nur sollte man wissen, was für eine Art Film einen erwartet.


Fazit:
Obwohl die gesamte Crew der Granite Mountain Hotshots vorgestellt wird, von den 20 Männern sind einzig Eric Marsh und Brendan McDonough detaillierter ausgestaltet. Regisseur Joseph Kosinski folgt diesen Männern bei ihren Einsätzen, doch was sie überhaupt bewegt, sich freiwillig in eine solche Feuersbrunst zu begeben, arbeitet er leider nicht heraus. Langsam erzählt, ist das tadellos und realistisch umgesetzt, aber nur selten außergewöhnlich packend. Bis zum letzten Drittel, in dem sich die Crew einem beängstigenden und schicksalshaften Feuerinferno gegenübersieht. Was dann geschieht, ist in bewegenden Szenen eingefangen, die nie rührselig oder kitschig werden. No Way Out: Gegen die Flammen ist ein bedeutend ruhigeres Porträt dieser Feuerwehrmannschaft, als man erwarten würde, aber das schmälert nicht die Stärken des Films. Dahinter verbirgt sich kein Actionfilm, sondern ein sehenswertes Charakterdrama, das insbesondere in den letzten Minuten fantastisch gespielt ist, allen voran von Josh Brolin, Jennifer Connelly, Jeff Bridges und Miles Teller. Wer das bedenkt, wird auch von den vielen Charaktermomenten, die bis dahin zu sehen sind, nicht gelangweilt werden, sondern sie zu schätzen wissen. Immerhin stehen hier keine mystischen Superhelden im Mittelpunkt, sondern Helden des Alltags.
 


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