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Motel [2007]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 06. Januar 2010
Genre: Thriller / Horror

Originaltitel: Vacancy
Laufzeit: 85 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Nimród Antal
Musik: Paul Haslinger
Darsteller: Kate Beckinsale, Luke Wilson, Frank Whaley, Ethan Embry, Scott G. Anderson, Mark Casella, David Doty


Kurzinhalt:
Nach einem Schicksalsschlag sind Amy (Kate Beckinsale) und David Fox (Luke Wilson) mit dem Auto auf dem Weg, um ihre Scheidung unter Dach und Fach zu bringen. Nach einem Stau von der Interstate abgefahren, gibt der Motor mitten im Nirgendwo ohne Handyempfang den Geist auf und das Pärchen strandet in einem abgelegenen Motel. Manager Mason (Frank Whaley) scheint höchstens so hilfsbereit, ihnen ein Zimmer für die Nacht anzubieten.
Dort angekommen dauert es nicht lange, ehe Amy und David von lautem Klopfen an den Türen verunsichert werden. Dann entdecken sie eine Reihe von Videokassetten, die eben dieses Motelzimmer zeigen – und wie dort grausam Menschen getötet werden. Erst jetzt fallen ihnen die im Zimmer versteckten Kameras auf. Da bereiten die Killer (Ethan Embry, Scott G. Anderson) ihren nächsten Angriff vor ...


Kritik:
Seit einigen Jahren haben Filme wie dieser anscheinend wieder Hochkonjunktur. Vergleichsweise günstig zu produzieren, mit einem minimalen Aufwand an Besetzung und Produktionswerten, geht es in den grundsätzlich nach demselben Schema ablaufenden Reißern darum, wie ein paar unbescholtene Menschen von einer Einzelperson oder einer Gruppe terrorisiert, dann meist auch gefoltert und schließlich bestialisch getötet werden. Hierfür findet sich bedauerlicherweise ein nicht zu unterschätzendes Publikum, das sich an so genannten Folterpornos zu ergötzen scheint. Und dabei weiß man in aller Regel auch, wie die "Story" abläuft, denn am Schluss bleibt meist nur ein Opfer halb am Leben, der Täter entkommt, um in der unausweichlichen Fortsetzung sein Spiel weitertreiben zu können. Wer aus der eingangs vorgestellten Truppe das Zeitliche segnet, sieht man den Figuren zudem meist schon an. Nur eben nicht wann oder wie lange die Person bis dahin wird leiden müssen. Um die psychologischen Implikationen, die sich grundsätzlich für die Fans jener Filmart ergeben, sollte sich ein jeder Gedanken machen.
Der Genrereißer Motel geht erfreulicherweise einen etwas anderen Weg, auch wenn es zu Beginn ganz danach aussieht, als würde er in dasselbe Schema passen.

Da es von vornherein nur zwei Hauptfiguren gibt und damit nur zwei potentielle Opfer, muss das Drehbuch mit den ihm gegebenen Elementen haushalten. Das sich auf die Scheidung vorbereitende Pärchen Amy und David Fox – von Kate Beckinsale durchweg solide, von Luke Wilson besonders in der zweiten Filmhälfte überraschend stark verkörpert – strandet mit einem defekten Wagen in der Nähe eines verlassenen Motels. Der Mechaniker, der ihnen zuvor den Wagen nochmals flott gemacht hat, ist inzwischen nach Hause gegangen und so sitzen sie bis zum Morgen in einem der schäbigen Zimmer fest, was nach ihrem persönlichen Schicksalsschlag die Beziehung der zerstrittenen Eheleute nicht unbedingt verbessert. Was genau in ihrer Vergangenheit geschehen ist, erfährt man nicht sofort, beide Personen haben nicht das Bedürfnis, es auszusprechen. Oder ist es gar etwas Unaussprechliches? Wenn erklärt wird, wie es zu ihrem tragischen Verlust kam, geschieht dies fast nebenbei. Mann bekommt beinahe das Gefühl, als würde man ihre Beziehung rückwärts erleben, beobachtet sie wie die Männer im Hotel, wie sie zerstritten doch unbeabsichtigt den Partner reizen, ehe die drohende Gefahr sie zusammenschweißt.
Auf Grund der menschlichen Figuren und der Chemie, die zwischen den Darstellern funktioniert, bleibt man gepackt, wenn sich Amy und David einer Gruppe kaltblütiger Killer gegenübersehen, die den Akt des Tötens zusätzlich auf Band festhalten. Für Regisseur Nimród Antal, der zwar in den USA geboren wurde, Anfang der 1990er Jahre aber nach Ungarn in die Heimat seiner Familie zurückging, ist dies die zweite größere Filmproduktion und die erste in den USA. Was an Motel dabei gerade angesichts von anderen Filmen dieser Art überrascht, ist die Entscheidung des Regisseurs, die Gewalt nicht explizit in den Mittelpunkt zu stellen. Sowohl bei den Videobändern, die das Paar entdeckt, als auch wenn die Schlinge der Schurken in der zweiten Filmhälfte enger gezogen wird, nimmt Antal den Blick weg von der Gewalt. Die Geräusche allein und die Vorstellung, was geschieht, reichen aus, um das Publikum zu schockieren und zu fesseln. Auch beim Finale, wenn Amy dem Anführer der Killer – der von Frank Whaley gut verkörperte Mason – in die Hände fällt, geschieht Vieles abseits vom Blick der Zuschauer. Das heißt zwar nicht, dass sich Motel für ein jugendliches Publikum eignet, aber die Art der Brutalität und wie sie eingefangen wird, unterscheidet sich grundlegend von anderen aktuellen Slasherfilmen. Ein weiterer Unterschied zwischen Motel und anderen Produktionen ist die Tatsache, dass das Drehbuch den Zusehern einen richtigen Abschluss bietet und nicht von vorneherein auf eine Fortsetzung ausgelegt ist (die dennoch für den Videomarkt ohne Beteiligung der hier vertretenen Darsteller und Filmemacher produziert wurde). Insofern scheint das Leiden der Personen nicht vergebens zu sein und man ist eher bereit, ihre Opfer zu akzeptieren.

Dass auf Grund der kurzen Laufzeit keine großartigen Charakterentwicklungen zu erwarten ist, versteht sich von selbst. Und in der Tat fällt das Finale merklich zu kurz aus. Hier wäre ein vielschichtiger aufgebauter Showdown wie beispielsweise in Breakdown [1997] zufriedenstellender gewesen, wenngleich mit dem Budget vielleicht nicht realisierbar. Dank der ungewöhnlichen, aber atmosphärisch passenden Musik des Tangerine Dream-Musikers Paul Haslinger, der sympathischen Hauptdarsteller, denen es gelingt, die Zuschauer mitfiebern zu lassen, und der auf Spannung statt auf die Gewaltdarstellung ausgelegten Umsetzung, überrascht Motel als bedeutend gefälligerer Reißer, als man dies erwartet hätte.


Fazit:
Die Geschichte um ein Pärchen, das in einem abgelegenen, schäbigen Hotel von Killern terrorisiert wird, ist nicht wirklich neu. Auch sind manche Wendungen absehbar und sobald ein einzelner Polizist am Ort des Verbrechens auftaucht, ist klar, wie es um ihn steht. Doch gelingt es Regisseur Nimród Antal, seinen atmosphärischen Thriller nicht zuletzt durch die sympathischen Charaktere und die stellenweise überraschend geforderten Darsteller packend zu gestalten.
Dabei mag man sich bei Motel zwar letztlich ein etwas ausführlicheres Finale gewünscht haben, doch dankt man ihm nicht zuletzt die Entscheidung, die Gewalt nicht in Großaufnahme einzufangen. Dass Andeutungen und der Ton allein ausreichen, um das Publikum mitzureißen, scheint vielen ähnlich gelagerten Produktionen leider zu entgehen. Schon darum ist Motel ein Tipp für all diejenigen Horrorthrillerfans, die auf das in einschlägigen Gruppen so beliebte Kultwort "Gore" gern verzichten können.


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