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Morning Glory [2010]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 08. Juli 2011
Genre: Komödie

Originaltitel: Morning Glory
Laufzeit: 107 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Roger Michell
Musik: David Arnold
Darsteller: Rachel McAdams, Harrison Ford, Diane Keaton, Patrick Wilson, Jeff Goldblum, John Pankow, Matt Malloy, Ty Burrell, Patti D'Arbanville, Steve Park, David Wolos-Fonteno


Kurzinhalt:
Die Fernsehproduzentin Becky Fuller (Rachel McAdams) rechnet fest mit einer Beförderung, da wird sie von ihrem Boss entlassen. Es ist ein Rückschlag für die ambitionierte junge Frau, deren Traum es ist, bei NBC für die erfolgreichste Morgensendung verantwortlich zu sein. Bei ihrer Suche nach einem neuen Job wird ihr bei IBS die Leitung der dahinsiechenden Sendung "DayBreak" angeboten, die Colleen Peck (Diane Keaton) schon seit vielen Jahren moderiert. Um das eingestaubte Frühstücksfernsehen aufzupeppen und die Moral des Teams zu stärken feuert Becky Colleens Ko-Moderator Paul (Ty Burrell), der selbst sein größter Fan ist.
Als Ersatz hat sie den Nachrichtensprecher Mike Pomeroy (Harrison Ford) im Blick, der mit unzähligen Preisen überhäuft wurde, aber beim Sender auf Grund seines Vertrages nur seine Zeit absitzt. Von Becky in die Sendung gezwungen, setzt sich Pomeroy widerwillig vor die Kamera, doch die Quoten bleiben im Keller. Da droht Beckys Vorgesetzter Jerry (Jeff Goldblum), "DayBreak" würde eingestellt, und auch ihr Freund Adam (Patrick Wilson) sieht in Pomeroy das große Problem. Doch wie soll Becky ihn motivieren, wenn er das bloße Konzept der Sendung schon unter seiner Würde sieht?


Kritik:
Wer auch nur eine Handvoll Komödien gesehen hat, weiß wie Morning Glory funktioniert. Doch nur weil man weiß, wie sich der Film entwickeln wird, heißt nicht, dass es ihm nicht gelingt, die Zuschauer trotzdem für sich zu gewinnen. Genauer gesagt gelingt das Rachel McAdams, die hier eine so natürliche Komik entwickelt, gekoppelt mit einer überzeugenden Zerstreuung, dass man nicht anders kann, als sich an ihrer Seite zu fühlen, wenn ihre Gedanken aus ihr heraussprudeln, bevor sie sie nochmals korrigieren kann. Ihre Becky Fuller scheint mehr als nur sympathisch, sie ist lebendig, auch wenn wir nie erfahren, welche Enttäuschung sie in ihrem Leben dazu verleitet hat, sich mit einer solchen Leidenschaft in die Arbeit zu stürzen. Wir erleben sie wie eine gute Freundin, die sich einem doch nie anvertraut. Wir haben an ihrem verschlossenen Gefühlsleben teil, ohne es zu Gesicht zu bekommen. Doch damit beschreitet Morning Glory gerade in der ersten Hälfte einen Weg, den man so anhand der Ausgangslage nicht erwarten würde. Denn um die Streithähne der Frühstücksfernsehsendung "DayBreak" geht es erst einmal nicht.

Becky Fuller rechnet zu Beginn mit einer Beförderung bei dem lokalen Fernsehsender, bei dem sie eine Morgensendung produziert. Doch stattdessen wird sie auf die Straße gesetzt und kann sich mit Mühe den Posten der ausführenden Produzentin beim Frühstücksfernsehen des Senders IBS ergattern. "DayBreak" wird seit jeher von Colleen Peck (Diane Keaton) moderiert, die mit ihrem Ko-Moderator aber vor der Kamera besser auskommt, als das gesamte Team hinter der Kamera mit ihm. Becky will die Sendung umkrempeln, und zwingt dafür die Nachrichtensprecherlegende Mike Pomeroy (Harrison Ford), mit Colleen zu moderieren. Der stellt sich stur und sieht im Frühstücksfernsehen einen Abstieg von dem Ruf, den er zu verteidigen sucht.

In Zeiten von Internetblogs und sozialen Netzwerken, wenn sich Nachrichtensendungen auf manchen Privatsendern mehr um die Anzüge der Moderatoren drehen oder Hundefrisuren der Promipudel, haben die jüngeren Generationen kein eindeutiges Bild eines Journalisten mehr. Woher auch? Von früher her verbinden wir damit einen Herrn mittleren bis gehobenen Alters mit einer ordentlichen Frisur, Brille und Hosenträgern, den man sich ohne einen gut geschnittenen Anzug gar nicht vorstellen kann. Harrison Ford verkörpert diesen Typ Nachrichtensprecher, dem Glaubwürdigkeit in die Wiege gelegt ist und dessen Wort ebenso viel wiegt wie ein wissenschaftliches Testergebnis mit einer Natürlichkeit und Überzeugung für seine Aussagen, dass an seinen Feststellungen im letzten Drittel kein Zweifel besteht. Er personifiziert auch, was die Nachrichtenlandschaft immer mehr zu verlieren droht, und Morning Glory plädiert letztlich dafür, dass man diesen Typ Journalist erhalten muss, möchte man nicht ins blanke Entertainment-Fernsehen abgleiten. Colleen, mit zynischem Verve gespielt von Diane Keaton steht irgendwo dazwischen, als könnte sie Pomeroys Streben nach einem höheren Ziel verstehen, würde aber auch Beckys Notwendigkeit für eine Einschaltquote und zielgruppenrelevanter Themen sehen, um überhaupt das Budget für den journalistischen Anteil zu bekommen. Pomeroy und Peck können sich zu Beginn der Sendung nicht ausstehen. Nicht, weil sie so unterschiedlich sind, sondern weil es ein solches Drehbuch eben voraussetzt. Ebenso wie eine Liebschaft für Becky in Form des wohlhabenden Adam, der sie in gewisser Weise doch erdet.

Dass dies zu den üblichen Momenten führt, in denen Beckys Vorgesetzter Jerry (Jeff Goldblum) ihr ankündigt, die Sendung würde abgesetzt, würde die Quote nicht binnen weniger Wochen steigen, und dass sich das Team vor dem letzten Drittel des Films erst recht zerstreitet, überrascht auch nicht. Und trotzdem berührt uns das Schicksal der Figuren, einfach weil es Figuren sind, deren Motivation wir verstehen – auch bei Mike Pomeroy und auch bei Colleen Peck. Regisseur Roger Michell kleidet seine Komödie dabei in ausgesprochen schöne Bilder, die zusammen mit der Musik auf subtile Weise die Gefühlslage von Becky spürbar werden lassen und uns so etwas an ihrem verborgenen Innenleben beteiligen. Und trotzdem findet Morning Glory als Komödie erst sehr spät einen Rhythmus, was man insbesondere an den Dialogen bemerkt, die gut eingefangen sind, aber nicht stimmig geschnitten wirken. Das mag vielen Zusehern nicht auffallen, aber manche Schnittwechsel scheinen vom Timing her einfach etwas zu spät zu sein – oder etwas zu früh. Auch wechseln die Schauplätze sehr häufig, wenn Becky sich zum Schluss entscheiden soll, und bringen trotzdem wenig Neues. Es ist, als spiegle sich Beckys sprunghafter Eifer darin etwas wieder.


Fazit:
Becky Fuller wird von Rachel McAdams so spritzig und liebenswert tollpatschig verkörpert, dass man beinahe übersehen könnte, wie ehrgeizig und zielstrebig sie ist. Es sind Qualitäten, die das Publikum schon deshalb an sie binden, weil sie nie jemandem etwas Schlechtes antun oder wünschen würde. Nicht einmal dem Mann, der ihr beinahe alles wieder kaputt macht, Mike Pomeroy.
Die größte Überraschung an der Komödie ist, dass es von den Kabelleien zwischen Mike und Colleen kaum etwas zu sehen gibt, es stehen andere Personen im Mittelpunkt. Auf pointierte Weise wird der Verfall des glaubwürdigen Journalismus vorgeführt, und aufgezeigt, wodurch er sich von der Masse abhebt, und wie er trotz der neuen Medien und der vernichtenden Kurzzeitgedächtnisse des Publikums dennoch überleben kann. Das mag nicht unvorstellbar innovativ sein, doch es liegt schließlich an der tollen Besetzung, dass bei Morning Glory nicht im Gedächtnis bleibt, wie die Komödie funktioniert, sondern lediglich, dass sie es tut.


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