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Manou - flieg’ flink! [2019]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 6. Februar 2019
Genre: Animation

Originaltitel: Manou the Swift
Laufzeit: 88 min.
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Christian Haas, Andrea Block
Musik: Frank Schreiber, Steffen Wick
Stimmen: Friedrich Mücke (Josh Keaton), Oliver Kalkofe (Willem Dafoe), Ulrike Stürzbecher (Kate Winslet), Cassandra Steen, Nils Weyland (Mike Kelly), Dominik Kuhn (David Shaughnessy), Moritz Brandel (Arif S. Kinchen), Omid-Paul Eftekhari (Arif Knichen)


Kurzinhalt:

Der Mauersegler Manou (Friedrich Mücke / Josh Keaton) wächst als Ziehsohn bei den Möwen Yves (Oliver Kalkofe / Willem Dafoe) und Blanche (Ulrike Stürzbecher / Kate Winslet) an der französischen Mittelmeerküste auf. Mit seinem Bruder Luc (Nils Weyland / Mike Kelly), der ebenfalls eine Möwe ist, absolviert er die Segelschule und wird von den anderen Möwen an sich akzeptiert, bis er bei einem nächtlichen Angriff der Ratten ein Ei an die Diebe verliert. Von der Gemeinschaft der Möwen verstoßen, sucht er bei dem Schwarm der Mauersegler um die reizende Kalifa (Cassandra Steen) eine neue Familie. Aber nicht nur, dass er seine vorige Familie ebenso vermisst wie sie ihn, als sowohl Mauersegler wie auch Möwen in Gefahr schweben, ist es an Manou, sich zu beweisen und darauf hinzuwirken, dass beide Gruppen ihre gegenseitigen Differenzen endlich überwinden …


Kritik:
Es ist gewissermaßen ein Berufsrisiko der Kritiker und Kritikerinnen, dem Zynismus zu verfallen. Dabei sollte man sich stets vor Augen führen, dass wohl niemand beabsichtigt, ein enttäuschendes oder schlechtes Werk zu erstellen. Auch in einem Film wie Manou - flieg’ flink! stecken zehntausende Stunden Arbeit, in denen die Beteiligten unbestritten ihr Bestes gegeben haben mit dem, was ihnen zur Verfügung stand. Zumal die Produktion des Films bereits 2014 begann. Die Frage ist, weswegen das Ergebnis insgesamt dann so enttäuscht. Es ist die Aufgabe der Kritiker und Kritikerinnen, die Gründe dafür zu erörtern und ich werde mich auch im Sinne derjenigen, die an dem Animationsfilm beteiligt waren, bemühen, dabei nicht ungerecht und zynisch zu klingen.

Das fällt insofern nicht ganz einfach, da die Qualität des endgültigen Films bei Manou - flieg’ flink! zwischen Extremen schwankt. Die Geschichte klingt für einen Kinderfilm nicht ungeeignet. Sie wird aus der Sicht des Mauerseglers Manou erzählt, der noch bevor er schlüpft, von seinen Eltern getrennt wird. Darum schließt er sich den stolzen Möwen an und findet in Blanche eine Ziehmutter, die ihn aufnimmt. Sein Ziehvater Yves ist der Anführer der Möwen und mit Bruder Luc hat er eine Familie, die ihn akzeptiert. Er weiß auch nicht, dass er keine Möwe ist – wieso ihm das selbst nicht auffällt, klärt das Drehbuch jedoch nicht. Nachdem er sich seinen Platz in der Gemeinschaft verdient hat, verliert er jedoch bei einem Kampf mit Nesträubern ein Möwen-Ei und wird verbannt. So wendet er sich an die Mauersegler und findet bei Ihnen eine neue Familie. Dass ihn der Weg schließlich zu den Möwen zurückführt und sie lernen müssen, über ihre Differenzen hinweg zu sehen, da sie alle Vögel und nicht nur Mauersegler und Möwen sind, wird wohl niemanden überraschen. Es verleiht dem Animationsabenteuer auch eine familiengerechte und universelle Botschaft. Die Problematik liegt vielmehr darin, wie die Story erzählt wird.

Denn statt dass die einzelnen Szenen ineinander übergehen, die Geschichte sich fließend entwickelt, springt die sie zwischen den verschiedenen Szenen merklich. So hat das Wettrennen am Anfang keine wirkliche Auswirkung und auch Manous Flugstunde mit dem stark (und geradezu unangenehm aufdringlich) schwäbelnden Percy, der laut Presseheft Parzival heißen soll, ist für den weiteren Film vollkommen unwichtig. Dass er ein schwäbisch-brasilianisches Perlhuhn sein soll, muss man wissen – im Film wird es nicht deutlich. Lange Zeit ist auch nicht klar, wohin die Geschichte überhaupt führt. So abgehackt wie die einzelnen Szenen klingen auch die Dialoge, bei denen man nur selten das Gefühl hat, die Beteiligten befänden sich gemeinsam vor der Kamera. Zu lange sind die Pausen, zu wenig direkt der Gesprächsablauf.
Es ist eine Uneinheitlichkeit, die sich auch im technischen Aspekt des Films widerspiegelt. Es gibt Bilder bei Manou - flieg’ flink!, die aussehen, als seien sie gemalt. Die französische Küstenstadt besitzt von der Ferne und bei den rasanten Szenen, die darin spielen, einen Fotorealismus, der Staunen lässt. So auch das Meer. Aber schwimmen die Möwen darin, scheint das Wasser nur eine flache Decke zu sein, in der sie sich nicht einmal greifbar bewegen, geschweige denn damit interagieren. Die Charaktere, ihre Oberflächen und Augen sowie vor allem ihre Bewegungen lassen den letzten Schliff vermissen und wirken auffallend „leblos“. Das mag man auf den ersten Blick vielleicht nicht sehen, aber spätestens, wenn die Figuren in Großaufnahme dargestellt werden scheinen sie einerseits sehr kantig und beim Gefieder oder dem Fell gleichzeitig viel zu glatt. Insofern ist es vermutlich eine weise Entscheidung, die Story ohne Menschen im Zentrum zu erzählen.

Trotz oder gerade auf Grund der fünf unterschiedlichen Autoren lässt Manou - flieg’ flink! eine durchgehende Handschrift vermissen. Es ist, als hätten sie alle einzelne Ideen zur Geschichte beigesteuert, der jedoch ein Gesamtzusammenhalt fehlt. Mit zwei namhaften Hollywood-Schauspielern in zentralen Sprechrollen der englischen Sprachfassung wollen die Filmemacher wohl die Aufmerksamkeit des internationalen Publikums auf sich lenken. Weshalb man aber für die deutsche Sprachfassung nicht einmal den Song im Mittelteil eingedeutscht hat, verstehe wer will, zumal er die Geschichte selbst auch weitererzählt. Die Geschichte um Toleranz und gegenseitigen Respekt ist gut gemeint und hat optisch mitunter durchaus etwas zu bieten. Aber sie eignet sich auf Grund der oberflächlichen Story und der flachen Figuren eher für ein ganz junges Publikum. Ob sich Kinder, die älter als sechs Jahre sind, davon fesseln lassen, darf bezweifelt werden. Dabei wäre gerade für sie die Aussage wichtig.


Fazit:
Der eigentliche Höhepunkt des eineinhalbstündigen Films des Stuttgarter Animationsstudios LUXX Studios, das bislang vor allem durch Trickeffekte, beispielsweise für Filme von Roland Emmerich, auf sich aufmerksam gemacht hat, ist das Rennen zum Ende der Segelschule. Das ist nicht nur früh im Film zu sehen, sondern zeigt gleichzeitig die Probleme der ganzen Produktion. Auch wenn hier einige Bilder mehr als nur gelungen sind, es fehlt stets die Übersichtlichkeit und ein dramaturgischer Aufbau. Gleichzeitig enttäuschen viele der Animationen – und das nicht erst bei genauem Hinsehen. Am Ende bleibt das Gefühl, als bestünde Manou - flieg’ flink! aus zehn einzelnen Episoden einer Fernsehproduktion, die vormittags im Kinderkanal zu sehen ist und die hier lediglich aneinandergereiht sind. Auch die vielen Ab- und Einblendungen legen die Vermutung nahe. Auf dem Programmplatz wäre der Film auch besser aufgehoben als auf der großen Leinwand.
 


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