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Mandy [2018]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. November 2018
Genre: Horror / Action / Thriller

Originaltitel: Mandy
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: USA / Belgien / Großbritannien
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 18 / keine Jugendfreigabe

Regie: Panos Cosmatos
Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Nicolas Cage, Andrea Riseborough, Linus Roache, Ned Dennehy, Olwen Fouéré, Richard Brake, Bill Duke, Line Pillet, Clément Baronnet, Alexis Julemont, Stephan Fraser, Ivailo Dimitrov, Hayley Saywell


Kurzinhalt:

Es ist das Jahr 1983. Obwohl sie beide unterschiedlicher kaum sein könnten und beide mit ihren Dämonen zu kämpfen haben bzw. hatten, haben sich Red Miller (Nicolas Cage) und seine Freundin Mandy Bloom (Andrea Riseborough) gefunden. Ihre gemeinsame Zeit verbringen sie in einem abgeschiedenen Haus im Wald. Eines Tages begegnet Mandy dem größenwahnsinnigen Jeremiah Sand (Linus Roache), der die Sekte „Kinder der neuen Dämmerung“ anführt. Um Mandy in die Sekte einzuführen, lässt Jeremiah seine rechte Hand, Bruder Swan (Ned Dennehy), die dämonischen Black Skulls rufen, die dem abgelegenen Haus einen Besuch abstatten. Red überlebt ihren Angriff und begibt sich, nachdem er sich bei Caruthers (Bill Duke) mit Waffen ausgestattet hat, auf einen blutigen Rachefeldzug …


Kritik:
Nicolas Cage ist ein Schauspieler, der nicht in der Lage zu sein scheint, weniger als 110% bei jeder seiner Darbietungen zu geben. In ernsthaften Rollen überzeugt er auf eine beängstigende Art und Weise, als spielte sich das Drama tief in seiner Seele ab. Auf der anderen Seite des Spektrums verkörpert er eine unbändige, beinahe schon übernatürliche Absurdität, die den Kern der jeweiligen Produktionen meist besser erfasst, als es deren Filmemacher zu tun im Stande sind. In Panos Cosmatos’ Mandy gelingt Cage eine sehenswerte Balance aus beiden Extremen in einem visuell und atmosphärisch gleichermaßen gelungenen wie ungewöhnlichen Horrorfilm – der dennoch nur ein spezielles Publikum ansprechen dürfte.

Was dabei vom ersten Moment an auffällt ist die Optik des im Jahr 1983 angesiedelten Films. Das stark sichtbare Filmkorn, die eigenwillige Farbgebung und die zum Rand hin merklich dunkler werdenden Bilder erwecken von Beginn an den Eindruck, als wäre der Film auch zu jener Zeit entstanden. Hinzu kommt die von Jóhann Jóhannsson komponierte, sphärische Musik, die zusammen mit den traumähnlich strukturierten Sequenzen und den langen Einstellungen eine geradezu hypnotische Wirkung erzielt.
Im Zentrum der Geschichte steht der Baumfäller Red Miller, der mit seiner Freundin Mandy in einem abgelegenen Haus in den Wäldern wohnt. Sie ist Künstlerin und wird auf dem Nachhauseweg von dem Sektenführer Jeremiah Sand entdeckt. Zusammen mit seinen Gefolgsleuten, allen voran Bruder Swan, lassen sie Mandy kidnappen. Dafür rufen sie mit einem mystischen Horn die Black Skulls. Verletzt und außer sich vor hilflosem Zorn, macht sich Red auf einen Rachefeldzug, bei dem sich schon alsbald die Leichen stapeln.

Im Kern ist Mandy ein überaus ernster und im Grunde deprimierend düsterer Film, in dem die Figuren einander schreckliche Geschichten und Erinnerungen erzählen, weniger, weil sie die Charaktere vertiefen, sondern vielmehr, weil sie die Stimmung des Geschehens definieren. Gleichzeitig gibt es jedoch einige Einstellungen – wie das Kettensägenduell beim Finale oder wenn Red sich seine eigene Streitaxt schmiedet – und Dialogzeilen, die so überzogen sind, als wären sie einem Comic für Erwachsene entsprungen. Nach seiner eigenen Aussage ist Filmemacher Panos Cosmatos nicht daran interessiert, worum es in einem Film geht, sondern wie dessen Story erzählt wird. Es ist eine Überzeugung, die sich in seinem zweiten Spielfilm widerspiegelt. Darum findet man am Ende keine vielschichtige Botschaft, oder eine tiefgründige Aussage, sondern wird vielmehr mit einem Gefühl entlassen, das durch die emotionale Reise von Red geprägt ist.

Tatsächlich lebt Mandy von seinen Darbietungen, allen voran derjenigen von Nicolas Cage, der sich hier seinen schlimmsten Dämonen zu stellen scheint. Als Mandy behält Andrea Riseborough stets eine mystische, unnahbare Aura, die dem Geschehen selbst dann anhaftet, wenn ihre Figur lediglich nachwirkt. Dass ihr Charakter eine nicht unkomplizierte Vergangenheit besitzt, ist spürbar, auch wenn es nie ausgesprochen wird. Sowohl zu ihr als auch zu Red halten die auf der Heimvideoveröffentlichung enthaltenen Entfallenen Szenen einige zusätzliche Informationen bereit. Als größenwahnsinniger und drogenabhängiger Sektenführer trägt Linus Roache zur generellen Atmosphäre ungemein bei.
Sie alle sind in Bilder eingefangen, denen mitunter eine psychedelische Opulenz anhaftet, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Die fantasyartigen Umgebungen, durch die Red im späteren Verlauf reist, auf der Suche nach Jeremiah, allein die Darstellung des Himmels und der Wolken, die zunehmend von einer anderen Welt zu stammen scheinen, es sind viele Details, die das visuelle Design von Mandy prägen. So, als wollte Cosmatos eine Hommage an jene Genrefilme und -medien der 1980er-Jahre erschaffen, sie aber gleichzeitig mit einem künstlerischen Anspruch zum Leben erwecken. So unvereinbar es klingt, die überzogene Brutalität, die hier mitunter zu sehen ist, unterstützt das ebenfalls.

Interessenten haben bei der bei Koch Media veröffentlichten Heimvideofassung die Wahl zwischen einer regulären Ausgabe und einer „Ultimate Edition“, die neben der Blu-ray mit zwei DVDs samt erweitertem Bonusmaterial, dem vollständigen Soundtrack auf CD, einer 10“ Vinyl-Single des Songs des Sektenführers Jeremiah Sand, Kinoplakat, Fotos und Booklet zum Film aufwartet. Das außerdem erhältliche Mediabook umfasst immerhin die zwei Zusatzdiscs mit Bonusmaterial und das Booklet.
Dabei sind bereits zumindest ein paar der Entfernten Szenen inhaltlich durchaus wichtig und auch das Making-of gibt interessante Einblicke. Fans machen insofern mit keiner der Ausgaben etwas falsch.


Fazit:
Man könnte Panos Cosmatos vorwerfen, dass es Momente in seinem psychedelischen Horrorfilm gibt, die nicht aufgelöst werden und nirgendwo hin führen. Die konservierte, riesige Wespe ist nur ein Beispiel. Auch dass es für Red keinen rechten Abschluss gibt, keine Erlösung, fällt auf, oder dass die gesamte Hintergrundgeschichte um Jeremiah Sand und die sonderbaren „Dämonen“, die er beschwört, in einer einzigen Szene durch einen Gastauftritt erklärt wird, beinahe, als wäre der Film bemüht, nach der Hälfte sein Publikum irgendwie aufmerksam zu halten. Doch sind das alles Punkte, die für den Filmemacher nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr ist es, wie Mandy erzählt wird, was überzeugen soll. Die einfallsreiche, stark stilisierte Optik, die ebenso von der Farbgebung wie den unscharfen oder dunklen Bereichen lebt und die durch – im Stil vom Heavy Metal-Magazin [seit 1975] inspirierte, – animierte Szenen ergänzt wird, ist eine Wucht. Handwerklich eindrucksvoll, begleitet die Geschichte einen in jeder Hinsicht sowie bestem Sinn entfesselt agierenden Nicolas Cage auf einem Rachefeldzug, der nicht umsonst in Teilen an einen auf Film gebannten Acid-Trip erinnert. Erwachsene Genrefans werden das zu würdigen und zu schätzen wissen.

Mandy ist ab 29. November 2018
digital sowie als Blu-ray und DVD, Ultimate Edition und im Mediabook bei Koch Media erhältlich!
 


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