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Mamma Mia! [2008]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. September 2011
Genre: Komödie / Musik / Liebesfilm

Originaltitel: Mamma Mia!
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien / Deutschland
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Phyllida Lloyd
Musik: Benny Andersson, Songs basierend auf Vorlagen von ABBA
Darsteller: Amanda Seyfried, Meryl Streep, Stellan Skarsgård, Pierce Brosnan, Colin Firth, Julie Walters, Christine Baranski, Dominic Cooper, Rachel McDowall, Ashley Lilley, Ricardo Montez, Mia Soteriou


Kurzinhalt:
Die Hochzeit zwischen Sophie (Amanda Seyfried) und Sky (Dominic Cooper) steht bevor, und während Sophies Mutter Donna (Meryl Streep) das nicht ganz taufrische Hotel für die Feier vorbereitet, macht sie die angehende Braut daran, ihren größten Traum zu erfüllen. Sie möchte von ihrem leiblichen Vater zum Altar geleitet werden, doch hat sie den nie kennengelernt. Donna schweigt sich zu dem Thema beharrlich aus, und aus ihren Tagebüchern geht nur hervor, dass gleich drei Männer als Vater in Frage kommen. Also lädt Sophie alle drei, Sam (Pierce Brosnan), Bill (Stellan Skarsgård) und Harry (Colin Firth) ein, in der Hoffnung, sie wird ihren Vater erkennen, wenn sie ihn sieht.
Donna ahnt davon nichts und empfängt ihre Freundinnen Rosie (Julie Walters) und Tanya (Christine Baranski) zur angehenden Feier. Doch wie soll es mit ihr weiter gehen, wenn Sophie ausgezogen ist? Kann sie das Hotel allein führen? Als sie ihre drei ehemaligen Geliebten wiedersieht, wird sie außerdem daran erinnert, welches Glück ihr die Jahre über verwehrt blieb, auch wenn sie Sophie für nichts würde aufgeben wollen. Die hat mitunter damit zu kämpfen, dass sie nicht weiß, wer ihr wirklicher Vater ist – und Sky ahnte von den Einladungen nichts und fühlt sich hintergangen ...


Kritik:
Das erste, was man als Reaktion darauf zu hören bekommt, wenn man(n) sagt, dass man(n) kürzlich Mamma Mia! gesehen hat ist, "das ist doch ein Frauenfilm". Es ist eine Aussage, über die man erst ein wenig nachdenken muss, um zu verstehen, was sie bedeutet. Zugegeben, die Frauen sind die Hauptfiguren, und ja, es geht um die große Liebe, das ewige Glück und dass zusammenfindet, wer zusammen gehört, es geht auch um Musik, gute Laune und die Suche nach 'dem Richtigen' ... aber was genau macht einen Frauenfilm aus? Vermutlich genau all das.
Die Filmadaption des seit Frühjahr 1999 erfolgreich aufgeführten Bühnenmusicals richtet sich vornehmlich an ein Publikum, das zu jenen Themen einen Zugang findet und sich außerdem von den Songs der schwedischen Gruppe ABBA mitreißen lässt. Für wen das nicht zutrifft, der sollte sich auch nicht beschweren, er/sie wäre nicht gewarnt worden.

Was einen bei genauerem Nachdenken tatsächlich überrascht ist, wie nahtlos es den Machern gelingt, die bekannten Lieder in den Kontext einer Geschichte einzuweben. Dabei wird selbstverständlich die Instrumentierung abgewandelt, und auch die Texte sind entsprechend angepasst, aber ein jeder, der sich in der Welt der Popmusik etwas auskennt, wird die bekannten Abba-Lieder sofort heraushören. Gesungen werden sie im Übrigen von den Darstellern selbst, auch wenn nur wenig davon tatsächlich live vor der Kamera aufgenommen wurde.
Die Geschichte beginnt mit der jungen Sophie, die in Kürze heiraten möchte und sich nichts sehnlicher wünscht, als dass ihr leiblicher Vater sie zum Altar geleitet. Nur hat sie diesen nie kennengelernt, und um die Dinge noch zu verkomplizieren, kann sie dem Tagebuch ihrer Mutter Donna entnehmen, dass gleich drei Männer als potentielle Erzeuger in Frage kommen würden. Sophie ist so davon überzeugt, dass sie ihren richtigen Vater erkennen wird, sobald sie ihn sieht, dass sie alle drei zur Hochzeit einlädt, ohne ihrer Mutter etwas davon zu erzählen. Die Ausgangslage allein reicht bereits aus, um eine spritzige Komödie in Gang zu setzen, auch wenn Vieles hiervon in Mamma Mia! nur nebenbei eine Rolle spielt. Stattdessen gelingt es der Sophie-Darstellerin Amanda Seyfried, mit ihren großen, naiven Augen, uns dafür zu interessieren, dass sie glücklich heiratet. Weswegen sie so jung überhaupt heiraten möchte, was sie in ihrem Ehemann Sky, gespielt von einem gebräunten, aber nicht sehr geforderten Dominic Cooper, sieht, dass sie den Rest ihres Lebens mit ihm verbringen möchte, wird nicht geklärt. Auch wenn uns dies während der Geschichte nicht stört, im Nachhinein ist es doch verwunderlich. Dafür lenken Meryl Streep, Julie Walters und Christine Baranski viel zu sehr ab, die sich hier hibbeliger und unreifer geben, als ihre 30 Jahre jüngeren Kolleginnen. Sie sinnieren mit einer Nüchternheit über die Liebe und ihre Enttäuschungen, während Sophie dem Traum des ewigen Glücks nachhängt, ehe sich zum Schluss dieses Gleichgewicht umdreht. Hierfür sorgen Donnas Verflossene Sam, Bill und Harry, verkörpert von Pierce Brosnan, Stellan Skarsgård und Colin Firth. Wer von ihnen Sophies Vater ist, ist dabei schwer zu sagen, letztlich hat sie etwas von jedem von ihnen. Bill sieht sie äußerlich am ähnlichsten, sie ist zeichnerisch begabt wie Sam und spielt die Gitarre wie Harry. Schlimmer noch, als die Männer Wind davon bekommen, dass sie ihr Vater sein könnten, bieten sie sich alle drei an, sie zum Altar zu führen, immer in der Überzeugung, sie wären die einzigen.

In dem Sinne mutet Mamma Mia! etwas an wie eine griechische Komödie, was jedoch nicht negativ gemeint ist. Die fröhliche Überdrehtheit mögen viele Zuschauer an der ersten Hälfte des Films zu schätzen wissen, emotional überzeugt jedoch mehr das letzte Drittel, in welchem Donna zuerst bewusst wird, was es bedeuten wird, wenn Sophie nach der Hochzeit geht (und was sie gemeinsam erlebt haben), beziehungsweise dass von ihr aus gesehen bisher immer die anderen bekommen haben, was sie sich erträumten – nur sie nicht. Die dazu ausgewählten Songs "Slipping Through My Fingers" und "The Winner Takes It All" verleihen den Momenten eine Melancholie, die ihnen eine ungeahnte Bedeutung verleiht. Ob letztlich aufgelöst wird, wer Sophies Vater ist, sei an dieser Stelle nicht verraten, doch würde es eine Rolle spielen?
Die Botschaft von Mamma Mia! ist eindeutig und nicht weniger richtig. Wer sich auf dem Weg dahin von einem sympathischen Cast begleiten lassen möchte, der sich hier so leichtfüßig und verspielt gibt, wie man ihn noch nie gesehen hat, und wer sich zudem vom Rhythmus der eingängigen Songs mitreißen lässt, der darf auch zugeben, dass ihm der Frauenfilm gefallen hat. Nicht umsonst ist es eines der erfolgreichsten Musicals, und die dritterfolgreichste Musical-Verfilmung aller Zeiten.


Fazit:
Wie bei Musicals üblich, bringen die Darsteller die Gefühlswelt ihrer Figuren überdeutlich zum Vorschein. Was bei einem Bühnenstück auch den Zuschauern auf den hinteren Rängen hilft, die Charaktere zu erkennen, mutet hier anfangs etwas befremdlich an. Andererseits: kann man vor Dutzenden Menschen ein Lied singen, ohne dabei mimisch aus sich herauszugehen?
Mamma Mia! ist von allen Beteiligten mit einem Augenzwinkern und Charisma gespielt, bietet neben der leider auffallenden Studiooptik auch eine tolle Landschaft mit einnehmendem Flair und dank der Songs genügend Anlass, sich von der Geschichte mitnehmen zu lassen. Worauf die Musicalverfilmung dabei zusteuert ist zwar nicht überraschend, aber dennoch treffend, und wenn im letzten Drittel die Figuren nicht nur überdreht kreischen, wie zuvor im Fünfminutenabstand, sondern uns ihre Ängste, Sorgen und Enttäuschungen nahegebracht werden, nehmen wir daran schließlich auch Anteil. Trotzdem bleibt die Umsetzung mit einem Gute-Laune-Gefühl in Erinnerung. Wer das erwartet, wird auch nicht enttäuscht.


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