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Maleficent - Die dunkle Fee [2014]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. November 2014
Genre: Fantasy

Originaltitel: Maleficent
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Robert Stromberg
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Angelina Jolie, Elle Fanning, Sharlto Copley, Lesley Manville, Imelda Staunton, Juno Temple, Sam Riley, Brenton Thwaites, Kenneth Cranham, Sarah Flind, Hannah New, Isobelle Molloy, Michael Higgins, Ella Purnell, Jackson Bews


Kurzinhalt:

Es war einmal vor langer Zeit ein König (Kenneth Cranham), der seinem Volk versprochen hatte, die Schätze des angrenzenden, magischen Moorlandes zu erschließen. Doch die Fee Maleficent (Angelina Jolie), die herangewachsen war, um die Moore vor den eindringenden Menschen zu beschützen, stellt sich ihm erfolgreich entgegen. Von Habgier und der Aussicht auf den Thron zerfressen, sucht der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Stefan (Sharlto Copley) Maleficent auf.
Als Kinder hatten sie oft zusammen gespielt, doch nun betrügt Stefan Maleficents Vertrauen und sie schwört Rache. Als die Tochter von King Stefan geboren wird, belegt Maleficent sie mit einem Fluch. Der König beauftragt drei Feen, sich um das Mädchen zu kümmern, während er dem Wahnsinn und der Rachsucht nach Maleficent verfällt. Doch als die Jahre vergehen, geschieht, was niemand hätte ahnen können - Stefans Tochter Aurora (Elle Fanning) wächst Maleficent ans Herz ...


Kritik:
Es gibt ein Sinnbild in Maleficent - Die dunkle Fee, das stärker ist als der Film an sich. Ob das Zielpublikum es verstehen wird, darf bezweifelt werden und fraglich ist, ob es in solch einer Art Film überhaupt enthalten sein muss. Es fällt ohnehin schwer, sich ein Publikum vorzustellen, das Maleficent rundum anspricht. Das nicht, weil es ein schlechter Film wäre. Es gibt Vieles, was Regisseur Robert Stromberg nicht zuletzt durch seine Hauptdarstellerin Angelina Jolie gelingt. Nur bleibt der Eindruck, als hätten hier zu viele Menschen das Ergebnis geprägt.

Der Film erzählt die Geschichte von der dunklen Fee Maleficent, Kennern der deutschen Sprachfassung des Zeichentrickklassikers Dornröschen [1959] besser unter dem Namen Malefiz bekannt. Wie die Erzählerin feststellt, war Maleficent eine der mächtigsten Feen und dazu auserkoren, das Zauberreich der Moore vor den habgierigen Menschen zu beschützen. Als sie heranwuchs freundete sie sich mit dem Bauerssohn Stefan an. Doch als junger Mann, geblendet von der Gier, betrügt Stefan Maleficent. Er betäubt sie und vergeht sich an ihr, indem er ihr ihre Flügel raubt. Es fällt als Erwachsener schwer, hierin keine Metapher einer Vergewaltigung zu sehen. Nicht nur, dass Stefan ihr Gewalt antut, die vorangehende Betäubung erinnert an die in diesem Zusammenhang mitunter vorkommenden K.O.-Tropfen.

Maleficent schwört Rache und nachdem Stefan zum König gekrönt wurde und seine Tochter zur Welt kommt, belegt sie das Baby mit einem Fluch. Sie soll sich an der Nadel eines Spinnrades stechen und in einen ewigen Schlaf fallen, der nur durch den Kuss der wahren Liebe gebrochen werden kann – etwas, an das Maleficent den Glauben verloren hat.
Das erste Drittel des düsteren Märchens legt den Grundstein für eine ungewöhnliche Interpretation des Themas, in der das zeitlich erste Opfer nicht Dornröschen ist, sondern die Fee. Doch Maleficent wäre kein Disney-Film, würden sich die Filmemacher damit begnügen. Im Mittelteil wächst Aurora (so Dornröschens Name hier) bei drei Feen abseits des Schlosses auf. Sie sollen auf sie Acht geben und vor Maleficents Fluch beschützen. Zusammen mit ihrem geflügelten Gehilfen Diaval beobachtet Maleficent Aurora heranwachsen. Das Mädchen repräsentiert all das, was ihr verwehrt blieb. Die Entscheidung am Ende, was hinter dem Kuss der wahren Liebe wirklich steckt, wird viele Zuschauer nicht überraschen, es ist jedoch eine schöne Feststellung, die das Herz am rechten Fleck hat.

Bis es soweit ist, plätschert der Mittelteil vor sich hin, in dem Aurora die Moore mit all den seltsamen, bunten Wesen darin entdeckt und einem Prinz begegnet, während die drei Feen für Slapstick sorgen, den eher die ganz jungen Zuschauer lustig finden werden. Vom Grundton der Erzählung her passt das nur schwer zum Anfang, ehe King Stefan, der immer mehr dem Wahnsinn vor Verfolgungswahn und Hass auf Maleficent verfallen ist, am Ende ein Finale abbrennt, das so konstruiert und aufgesetzt erscheint, als stammte es aus einem anderen Film. Hat es kurz zuvor den Anschein, als würde Maleficent davon erzählen, dass es jedem möglich ist, zu vergeben und auch mit dem, was einem widerfahren ist, weiterzuleben, tritt die erzwungene Actionsequenz samt obligatorischem Schluss diese Erkenntnis gleich wieder mit Füßen.

So uneinheitlich die Erzählung, die für kleine Kinder stellenweise zu düster und für größere mitunter zu albern ist, so durchwachsen ist auch die Optik des Films. Weshalb bei einer so aufwändigen Produktion, die gerade bei der Gestaltung der Zauberwelt der Moore viel von James Camerons Avatar - Aufbruch nach Pandora [2009] übernimmt, die Spezialeffekte großteils derart miserabel aussehen, verstehe wer will. Es ist, als habe sich die Technik in den letzten fünf Jahren eher zurück als voran entwickelt. Dagegen überzeugt Angelina Jolies Auftreten als Maleficent durch die kantigen Wangenknochen und die Hörner tadellos. Sie ist das Herzstück des Films und gewinnt der Figur selbst in nebensächlichen Szenen eine Verletzlichkeit ab, die man so nicht vermuten würde. Es ist bedauerlich, dass der Film statt darauf zu setzen, lieber in künstlichen, bonbonfarbenen Bildern schwelgt.


Fazit:
Man kann leicht erkennen, was die Beteiligten in Maleficent gesehen haben und weswegen das Studio an dem Projekt interessiert war. Umso unverständlicher, weshalb sie diesen Film dann nicht auch gemacht haben. Der Mittelteil wirkt, als habe ein Vermarktungsstratege entschieden, dass der düstere Anfang einem kindliche Zielpublikum nicht zu verkaufen sei und die letzten 20 Minuten erwecken den Eindruck, als hätten die Macher befürchtet, dass der Film ohne ein Actionfinale kein männliches Publikum finden würde.
Wie gut eine moderne Adaption eines klassischen Märchens funktionieren kann, das trotz des ernsten Tons ein magisches Flair bewahrt, hat Snow White and the Huntsman [2012] eindrucksvoll bewiesen. Von einem durchgehenden Konzept ist hier hingegen nichts zu sehen. Filmemacher Robert Stromberg schneidet den durchschnittlich gemachten stilistischen Mischmasch auf Angelina Jolie zu und tut gut daran, denn sie findet mehr Facetten an Maleficent als der Film verdient. Es gibt einen Moment, der einem einen Schauer über den Rücken jagt und einige andere, die gelungen sind. Insgesamt ist es der Film aber nicht.    


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