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Ma [2019]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 23. Mai 2019
Genre: Thriller / Horror / Drama

Originaltitel: Ma
Laufzeit: 99 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Tate Taylor
Musik: Gregory Tripi
Darsteller: Octavia Spencer, Diana Silvers, Juliette Lewis, McKaley Miller, Corey Fogelmanis, Luke Evans, Missi Pyle, Allison Janney, Gianni Paolo, Dante Brown, Kyanna Simone Simpson, Dominic Burgess


Kurzinhalt:

Nach dem Umzug von Maggie (Diana Silvers) und ihrer Mutter Erica (Juliette Lewis) zurück in Ericas Heimatort, findet Maggie in der Schule erste Freunde in Haley (McKaley Miller), Andy (Corey Fogelmanis) und ihrer Truppe. Als sich die Jugendlichen Alkohol beschaffen wollen, treffen sie auf die Tierarzt-Helferin Sue Ann (Octavia Spencer), die sich schließlich bereiterklärt, ihnen zu helfen. Nachdem die Teens von der Polizei beim Trinken erwischt werden, macht Sue Ann ihnen ein Angebot: Sie können bei ihr im Keller feiern, wenn sie sich an ein paar Regeln halten. Dazu zählt, dass sie die Wohnung darüber nicht betreten. Im Nu wird der Keller zu einer Party-Höhle und beim zweiten Treffen sind viel mehr Schülerinnen und Schüler anwesend. Doch Etwas scheint Maggie an Sue Ann, die von allen „Ma“ genannt wird, seltsam. Als sie ahnt, dass die Frau, die vom Alter her ihre Mutter sein könnte, ein Geheimnis hat, ist es beinahe zu spät – denn „Ma“ verfolgt einen Plan, der keine Grenzen kennt und viele Opfer fordert …


Kritik:
Tate Taylors Ma ist ein Psycho-Thriller, der seinen größten Reiz aus der Darbietung im Zentrum zieht. Da diese von der ebenso charismatischen wie wandlungsfähigen Octavia Spencer stammt, hat der Filmemacher ein überzeugendes Argument, dass dies funktionieren kann. Sein größtes Problem ist jedoch, dass er nicht genau zu wissen scheint, welche Art Film er machen möchte. Für ein Thriller-Drama erscheinen die Horror-Momente zu aufgesetzt und für einen Horror-Thriller ist der Horror schlicht zu einseitig.

Zu Beginn scheint es noch, als wäre die sechzehnjährige Teenagerin Maggie die Hauptfigur der Geschichte. Mit einer bestechenden Natürlichkeit gespielt von Diana Silvers zieht die mit ihrer Mutter Erica zurück in deren Heimatstadt. Dort arbeitet Erica in einem Spielkasino, während Maggie als „die Neue“ an der Schule schnell Freunde findet. In der Clique um die beliebte Haley trifft sie in Andy alsbald sogar einen richtigen Freund. Die Clique versucht wiederholt, Erwachsene dazu zu bringen, Alkohol für sie zu kaufen. In Sue Ann, die alt genug ist, ihre Mutter zu sein, finden sie jemand, der sogar noch mehr macht: Sie fädelt es ein, dass die Jugendlichen im Keller ihres Hauses feiern können. Doch schon bald kommt die Frage auf, wieso die Besitz ergreifende Gastgeberin, die lediglich „Ma“ genannt wird, all dies überhaupt macht.

Ein grundsätzliches Problem bei Ma ist, dass das Publikum viel zu früh genau das schon weiß. Im Vorbeigehen verlagert sich der Fokus des Films von Maggie hin zur Titel gebenden Antagonistin. So werden nicht nur viele Situationen aus Sue Anns Sicht geschildert, das Publikum bekommt Rückblenden in ihre Jugend zu sehen und damit ihre Motivation auf dem Silbertablett serviert, lange bevor die Jugendlichen etwas wissen oder ahnen. Dass sie sich die Zusammenhänge anhand einiger Fotos, die das Publikum nicht einmal richtig zu sehen bekommt, folgerichtig erschließen, scheint dann entsprechend weit hergeholt.
Im Grunde arbeitet Filmemacher Taylor den tragischen Hintergrund dieser Figur nicht schlecht heraus. Die Frage bleibt jedoch, ob es notwendig ist, dieses schicksalshafte Erlebnis tatsächlich zu zeigen. Sieht man, wie fantastisch Octavia Spencer zwischen den verschiedenen Stadien dieser Person wechselt, sie im einen Moment beinahe übertrieben fröhlich ist, während sie im nächsten mit unverhohlener Ablehnung reagiert, dann besteht kein Zweifel, dass all das aus ihrem Blickwinkel erzählt zu bekommen, mindestens ebenso effektiv gewesen wäre.

„Ma“ stellt einige klare Regeln auf, was die Benutzung ihres Party-Kellers sowie das Betretungsverbot des Hauses darüber anbelangt und selbstverständlich halten sich die Jugendlichen nicht daran. Doch das allein bringt das sprichwörtliche Fass nicht zum Überlaufen. Ma trifft einige seltsame und im Nachhinein auch kaum nachvollziehbare Entscheidungen, was eine am Ende überaus wichtige Nebenfigur angeht. Die wird zuvor kaum vorgestellt, was in ihr vorgeht nie wirklich klar und ihre Entscheidung ist doch überaus wichtig für den Verlauf des Films. Sieht man, wie Sue Ann die Jugendlichen und ihre Verwandten in Sozialen Netzwerken stalkt, wie sie versuchen, sich von „Ma“ zu lösen und es ihr doch gelingt, sie wieder in ihre Fänge zurück zu locken, dann könnte man meinen, die Jugendlichen machen mehr richtig als falsch. Doch das ändert sich schlagartig im letzten Drittel, wenn die bis dahin verständlichen Entscheidungen ad absurdum geführt werden.
Hätte ich die Vermutung, dass mich jemand bestohlen hätte und ich mich zuvor öffentlich von dieser Person distanziert habe, würde ich sie kurz danach wieder besuchen, um in ihrem Keller eine Party zu feiern? Welche Zeitspanne gerade im letzten Akt abgedeckt wird, wird ebenso wenig klar und macht es schwieriger zu akzeptieren, dass niemandem auffällt, wenn urplötzlich mehrere Personen einfach fehlen. Denn wenn „Ma“ die Kontrolle verliert, türmen sich die Leichen überraschend schnell und auch die Brutalität des Films legt enorm zu.

Ist an sich Maggie die Hauptfigur, zumindest eine gewisse Zeit, hat sie wie die übrigen Jugendlichen beim Finale kaum etwas zu tun. Ma nimmt sie gewissermaßen aus der Gleichung, um Octavia Spencer die Möglichkeit zu geben, eine Person zu verkörpern, die in einer Explosion der Gewalt die Beherrschung verliert. Sie weiß das auch zu nutzen, aber gerade weil die Jungdarstellerinnen und ‑darsteller durchweg überzeugen, ist es bedauerlich, dass das Skript nichts mit ihnen anzufangen weiß. Dass der Film nicht einmal einen kurzen Epilog bietet, so dass man erfahren würde, was mit einigen der Figuren geschieht, macht umso mehr deutlich, dass es um sie nicht geht. Doch das ändert nichts daran, dass hier viel Potential verschenkt wird.


Fazit:
Anfangs scheint Sue Ann, „Ma“, überaus nett, wenngleich man anzweifeln darf, wie verantwortungsvoll jemand ist, der Jugendliche mit Alkohol versorgt. Aber wäre es reizvoll, zu sehen, wie aus Sicht von Maggie und ihren Freunden, die von ihr angelockt werden, die Stimmung kippt, wird das Publikum früh mit der Tatsache konfrontiert, dass die unscheinbare Tierarzt-Assistentin etwas im Schilde führt. Viel wird aus ihrer Sicht erzählt und Octavia Spencer ist in der Rolle, insbesondere beim Wechsel zwischen den leisen Momenten und ihren Wutausbrüchen, einfach großartig. Dass die Jugendlichen neben ihr regelrecht untergehen, liegt nicht aber an ihr. Diana Silvers ist toll besetzt und auch McKaley Miller macht bedeutend mehr aus ihrer Filmfigur, als notwendig wäre. Aber wie Juliette Lewis und Luke Evans haben sie am Ende nichts zu tun und werden regelrecht aus der aktiven Handlung geschrieben. Darum will das Ende auch nicht zum Rest des Films passen und die letzten fünf Minuten lassen Ma bedeutend enttäuschender in Erinnerung bleiben, als die vorigen eineinhalb Stunden gewesen sind. Das ist nicht unbedingt ärgerlich, und die absehbaren, laut untermalten Erschreck-Momente funktionieren durchaus. Aber es ist schade in Anbetracht des Psycho-Thrillers, der hier angerissen, aber nicht wirklich erzählt wird.
 


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