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London Has Fallen [2016]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. September 2016
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: London Has Fallen
Laufzeit: 99 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA / Bulgarien
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Babak Najafi
Musik: Trevor Morris
Darsteller: Gerard Butler, Aaron Eckhart, Angela Bassett, Morgan Freeman, Patrick Kennedy, Colin Salmon, Radha Mitchell, Robert Forster, Melissa Leo, Nancy Baldwin, Alon Aboutboul, Waleed Zuaiter


Kurzinhalt:

Sechs Jahre, nachdem Secret Service-Agent Mike Banning (Gerard Butler) einen verheerenden Angriff auf das Leben des Präsidenten Benjamin Asher (Aaron Eckhart) verhindern konnte, reist er zusammen mit dem mächtigsten Mann der Welt nach London, wo eine Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen britischen Premierminister stattfindet. Alle großen Staatsoberhäupter sind anwesend, als eine von dem Waffenhändler und gesuchten Terroristen Aamir Barkawi (Alon Aboutboul) koordinierte Anschlagsserie London erschüttert. Ziel sind die Regierungschefs und als Banning mit Asher zu fliehen versucht, beginnt eine tödliche Jagd durch die Stadt ...


Kritik:
Kleinen Kindern wird oft beigebracht, dass wenn man nichts Nettes über jemanden sagen kann, man besser gar nichts sagen sollte. Was insbesondere im menschlichen Zusammenleben ein wichtiger und empfehlenswerter Ratschlag, entpuppt sich für einen Kritiker leider als vollkommen unpraktikabel, umso mehr bei einem Film wie London Has Fallen, der Fortsetzung zu dem Überraschungserfolg Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr [2013]. Statt dessen Stärken auszubauen und die Schwächen zu erkennen, geht Filmemacher Babak Najafi bedauerlicherweise genau den entgegen gesetzten Weg.

Dabei kann der Anfang von London Has Fallen trotz der klischeehaften Ideen durchaus überzeugen. Die Geschichte beginnt nördlich von Pakistan, wo der unermesslich reiche und einflussreiche Waffenhändler Barkawi auf einem riesigen Anwesen eine Familienfeier hält, bis das Areal bei einem Drohnenangriff dem Erdboden gleichgemacht wird. Zwei Jahre später verstirbt der britische Premierminister überraschend und in London finden sich die westlichen Staatsoberhäupter zur Trauerfeier ein. Auch US-Präsident Benjamin Asher und Secret Service-Agent Mike Banning befinden sich in der Stadt, als diese von terroristischen Anschlägen erschüttert wird.

Womöglich ist es eine Form, mit der heutigen Gefahrenlage umzugehen, dass solche Filme immer wieder entstehen. Nehmen Kinobetreiber Filme über Flutwellen oder Asteroideneinschläge nach Naturkatastrophen aus dem Programm, scheinen Filmemacher trotz oder gerade auf Grund der Terroranschläge der jüngsten Vergangenheit Geschichten zu verfilmen, die zeigen, wie die westliche Welt zurückschlägt. Was den Genreklassiker Stirb langsam [1988] dabei so zeitlos macht ist die Tatsache, dass den Terroristen keine politischen Motive anhängen. Losgelöst von einer Agenda erzählt er eine packende Story, während die Ein-Mann-Armee Mike Banning in London Has Fallen stellvertretend für die gesamte freie Welt steht, die sich nicht einschüchtern lässt.

Buchstäblich hunderte Terroristen haben die britische Hauptstadt unterwandert, sich in die Vollzugsbehörden eingeschleust und machen sich auf die Jagd nach Asher, um ihn medienwirksam bei einem Live-Stream im Internet hinzurichten. Auch hier bewegt sich Babak Najafi so nahe an der Wirklichkeit, dass einem mitunter bereits unwohl wird. Doch was bei London Has Fallen einen so üblen Beigeschmack hinterlässt ist Bannings Vorgehen. Nicht nur, dass hier wie in vielen anderen Actionfilmen die Bösewichte trainiert genug sind, um eine ganze Stadt lahmzulegen, aber offensichtlich nicht ausgebildet, mit Schnellfeuerwaffen zwei flüchtende Personen zu treffen. Vielmehr sehen wir Banning, der Informationen aus Terroristen gewinnt, indem er sie foltert (und dabei bewusst tötet), oder schlimmer noch, einen tötet, während er andere Schergen über Walkie-Talkie daran teilhaben lässt. In seiner Art der psychologischen Kriegsführung unterscheidet er sich dabei nicht wirklich von der geplanten öffentlichen Hinrichtung des US-Präsidenten.

Mit moralischen Fragen, ob man die Ideale, die man zu beschützen sucht hierfür opfern darf, hält sich London Has Fallen dabei nicht auf. Stattdessen spult der Thriller eine Geschichte ab, die immer mehr gesichtslose Terroristen gegen Banning antreten lässt, der diese mühelos niedermäht. Hinzu kommt die übliche Suche nach einem Maulwurf bei den Sicherheitsbehörden in London, deren Auflösung von der ersten Minute an absehbar ist. Als wäre all das nicht schon schlimm genug, enttäuscht Najafi durch eine fahrige Inszenierung, die insbesondere bei der Flucht des Präsidenten zu Beginn mit unübersichtlichen Schnitten ärgert, bei denen immer wieder Übergänge zu fehlen scheinen. "Abgerundet" wird die Präsentation durch einige der offensichtlichsten und schlechtesten Spezialeffekte, die seit langer Zeit in einer großen Filmproduktion zu sehen waren. Keine aktuelle Fernsehserie würde sich trauen, so etwas dem Publikum zu präsentieren.


Fazit:
Zu Beginn des dritten Akts überrascht Filmemacher Babak Najafi mit einer ausschweifend langen Kamerafahrt bei einem Straßenkampf zwischen einer Spezialeinheit und den Terroristen. Angesichts der übrigen Inszenierung scheint sie aus einem anderen Film zu stammen. Auch das Drehbuch erweckt den Eindruck, als hätten mehr als die vier benannten Autoren bzw. Autorinnen mitgeschrieben. Sind die Dialoge zwischen Asher und Banning zu Beginn der Situation noch angemessen, mischen sich immer mehr gewollt lockere Sprüche darunter, bis hin zur Verhöhnung der Terroristen und den berühmten Ansprachen vor der Tötung – durch den Helden, wohlgemerkt.
London Has Fallen besitzt mit einem überflüssigen Prolog, der ebenso gut durch einen Kommentar des Präsidenten in einem Satz hätte zusammengefasst werden können, und einer erzwungenen Überleitung zu einem Finale, das keinen Aufbau besitzt, sondern nur eine Schießerei nach der nächsten zeigt, eine Struktur, die auch ein anderer Regisseur nicht hätte retten können. Antoine Fuqua, der den ersten Teil inszenierte, lehnte angeblich ab, da ihm das Skript nicht gefiel. Als Zuseher sollte man seinem Beispiel folgen.    


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