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Larry Crowne [2011]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 06. Dezember 2011
Genre: Unterhaltung / Komödie

Originaltitel: Larry Crowne
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Tom Hanks
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Tom Hanks, Julia Roberts, Gugu Mbatha-Raw, Bryan Cranston, George Takei, Cedric the Entertainer, Pam Grier, Rami Malek, Malcolm Barrett, Grace Gummer, Maria Canals-Barrera, A.B. Fofana, Sarah Levy, Julia Cho, Chad W. Smathers, David L. Murphy, Carly Reeves, Ian Gomez, Rita Wilson


Kurzinhalt:
Seit seiner Zeit bei der Navy ist Larry Crowne (Tom Hanks) im Supermarkt angestellt und schon oft zum Mitarbeiter des Monats gekürt worden. Doch bei der angesetzten Besprechung wird dem Mittfünfziger gesagt, dass er entlassen wird, weil er keinen Collegeabschluss besitzt. Auf sein Haus hat er einen großen Kredit aufgenommen, den er nun nicht mehr zurückzahlen kann, und sein Nachbar Lamar (Cedric the Entertainer), der durch einen Lotteriegewinn Geld gemacht hat, ist auch keine große Hilfe. Immerhin kommt der allerdings auf die Idee, dass sich Larry doch im College einschreiben soll.
Dort wird ihm der Kurs "Freies Sprechen" nahegelegt, wo Larry nicht nur einige interessante junge Leute kennenlernt, sondern auch die Dozentin Mercedes Tainot (Julia Roberts), die selbst aber nicht daran interessiert scheint, zu unterrichten. Nachdem er in die Roller-Gang von Talia (Gugu Mbatha-Raw) aufgenommen wurde, findet Larry schnell neue Freunde und scheint in Mrs. Tainot einen Grund entdeckt zu haben, weswegen trotz seiner Situation Aufgeben nicht in Frage kommt ...


Kritik:
Larry Crowne ist leider nicht, was man angesichts der Namen hinter dem Projekt hätte erhoffen können, und auch nicht, was notwendig und wünschenswert gewesen wäre, berücksichtigt man das Thema um einen Mann in den Mittfünfzigern, der überraschend seinen Arbeitsplatz verliert und zum ersten Mal aufs College geht. Vielmehr erfüllt die Komödie den Mindestanspruch, den man durch die Besetzung hat und versucht nicht einmal, mehr zu sein. Im Gegenteil, man kann sogar behaupten, dass Larry Crowne sich alle Mühe gibt, nicht das zu sein, was er hätte sein können.
Tom Hanks ist dabei nicht nur in der Titel gebenden Rolle zu sehen, sondern führt sogar Regie und verfasste mit Nia Vardalos (My Big Fat Greek Wedding - Hochzeit auf Griechisch [2002]) das Drehbuch. Was ist also passiert? Hierfür muss man sich ansehen, wie Larry Crowne erzählt wird.

Wir begegnen Larry am Morgen seines letzten Arbeitstages, den er emsig und sorgfältig wie eh und je beginnt – er ahnt nicht, was auf ihn zukommt. Wenig später wird er in den offenen Mitarbeiterraum gerufen, wo ihm eine Dame und drei Herren gegenüber sitzen, die ihm sagen, dass er gefeuert wird. Keine zehn Sekunden später greift einer seiner Vorgesetzten zu einem kalten Stück Pizza und kommentiert die Situation mit ein Paar flapsigen Sprüchen. Desillusioniert zuhause angekommen, versucht ihm sein Nachbar Lamar, der einen ständigen Flohmarkt von seinem Vorgarten aus führt, horrende Summen für gebrauchte Artikel abzuknöpfen, in dem Wissen, dass Larry keinen Job mehr hat. Es scheint beinahe, als müsste in Larry Crowne jeder Moment auf Krampf mit einem Witz versehen sein, als würde es das Publikum zu sehr beschäftigen, würden sie Larrys Perspektivlosigkeit und Verzweiflung so sehen, wie er sie sieht. Wir sehen durch Tom Hanks in Larrys Augen, wie eine Welt für ihn zusammenbricht, hören, wie er auf einem Schuldenberg sitzenbleibt, bei dem er nicht weiß, wie er ihn je abzahlen soll. Und doch können wir uns nicht darauf einlassen, weil uns ständig ein dümmlicher Kommentar oder eine unnötige Szene animieren will, zu lachen, auch wenn es nichts zu lachen gibt.
Der Grund, weswegen Larry gefeuert wurde, war, weil er nie zur Universität oder zum College ging. Also schreibt er sich beim College für "Freies Sprechen" ein. Dort trifft er nicht nur auf viele junge Menschen, denen an sich alles wichtiger ist, als das Studieren, sondern auch auf seine Dozentin Mercedes Tainot, die mit dem Schriftsteller Dean verheiratet ist, der kaum Interesse an ihr zeigt. Nicht, dass Mercedes selbst Interesse hätte, immerhin ist sie die Hälfte des Tages betrunken. Aber was hatte die beiden bewogen, einander zu heiraten? Was haben sie in sich und für ihre Zukunft gesehen? Eine gelöschte Szene auf der Heimvideoveröffentlichung von Larry Crowne gibt darüber ein wenig Aufschluss. Im Film erfahren wir es nicht. Sie scheinen wie Pappfiguren einer Klischee beladenen Story, deren Streitgespräche auch dann noch weitergehen und sich wiederholen, wenn wir ohnehin schon alles gehört haben, was wichtig gewesen wäre. Dass Larry und Mercedes etwas für einander empfinden bemerken wir schon durch die Chemie, die sich zwischen Hanks und Julia Roberts entwickelt. Aber was sieht sie in ihm nach der Enttäuschung über ihren Mann? Gibt Larry je bekannt, was er nach dem Collegebesuch anpacken will, wie er sein Leben wieder selbst lenken möchte? Wir treffen zu Beginn in Larry, Mercedes und sogar in der jungen Talia, die das College abbricht, um einen Second Hand-Shop zu eröffnen, Menschen, die sich entscheiden müssen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, immerhin ist Tainot mit ihrer Stelle als Dozentin auch unzufrieden. Und man hat auch das Gefühl, als würden sie sich entscheiden, aber wofür? Wie kann Larry es zulassen, dass Talia das College abbricht, obwohl er weiß, welche Nachteile er im Leben dadurch hatte? Selbstverständlich wäre es ein vorhersehbarer Moment gewesen, zu sehen wie er versucht, sie umzustimmen, aber er hätte es doch wenigstens versuchen sollen!

Man wünscht sich so sehr, dass Larrys Geschichte inspirieren würde, und hat er sich beim College eingeschrieben, besucht die Vorlesungen und regelt seine Schuldenbewältigung, hat man auch das Gefühl, als würde sich hier etwas bewegen. Das Potential der Figuren blitzt durch, wenn er vor der versammelten Rhetorik-Klasse seine Abschlussprüfung bestreitet. Doch macht das die Enttäuschung nur noch größer, wie Larry Crowne die Figuren entwickelt. Sein Schicksal ist eines, das viele Menschen betrifft. Wir erhoffen uns eine Anregung, wollen, dass er seinen Weg findet und dabei erkennen, wie es denn möglich wäre, sich von einer solch einschneidenden Veränderung zu erholen. Doch einen Hoffnungsschimmer zeigt der Film nicht, sondern ersetzt die reale Situation durch eine comedylastige Seifenoper, die dem Thema nicht gerecht wird.


Fazit:
In einer Zeit wie dieser, mit einem Thema, da so aktuell ist, wie das Schicksal von Larry Crowne, fällt einem Film, der mit so renommierten Darstellern besetzt ist, auch eine Verantwortung zu. Und dieser wird er nicht gerecht. Die Darsteller besitzen eine gute Chemie und passen stimmig zueinander. Es fällt sogar leicht, mit ihnen mitzulachen, und manchmal spüren wir, wie schwer Larry ein paar Entscheidungen fallen, und wie er angesichts der scheinbaren Ausweglosigkeit zu verzweifeln droht. Doch müssen wir dies in die Mimik von Tom Hanks hineininterpretieren, während uns die aufgezwungenen Witze entgegen springen.
Nicht nur aus den Figuren, den Darstellern oder der Geschichte hätte man mehr machen können, sondern mehr machen müssen. Das Thema um einen Neuanfang in der Mitte des Lebens zur reinen Unterhaltungsromanze zu degradieren, ist schlicht nicht angemessen. Das Traurigste und gleichzeitig Schlimmste, was man Larry Crowne vorwerfen muss ist, dass es letztlich ein belangloser Film ist.


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