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Jungle [2017]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 20. Mai 2018
Genre: Drama / Biografie

Originaltitel: Jungle
Laufzeit: 115 min.
Produktionsland: Australien / Kolumbien
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Greg McLean
Musik: Johnny Klimek
Darsteller: Daniel Radcliffe, Alex Russell, Thomas Kretschmann, Joel Jackson, Yasmin Kassim, Jacek Koman, Lily Sullivan, Angie Milliken, Joey Vieira, Paris Moletti, Luis Jose Lopez


Kurzinhalt:

Im Jahr 1981 bereist der junge Yossi Ghinsberg (Daniel Radcliffe) Amerika als Rucksacktourist. In Bolivien angekommen, ist er von der unberührten Natur des Regenwalds fasziniert, so wie der Lehrer Marcus (Joel Jackson), den er auf seiner Reise kennengelernt hat. Als Yossi von Karl (Thomas Kretschmann) das Angebot erhält, dass dieser ihn ins Herz des Amazonas führt, wo ein unberührtes Stammesvolk ein abgeschiedenes Leben führt, ist dieser begeistert. Er überzeugt Marcus und dessen Freund, den Fotografen Kevin (Alex Russell), sich Karl anzuschließen. Doch kurze Zeit, nachdem die Gruppe aufgebrochen ist, treten Spannungen unter den drei Freunden auf, die auf die Wanderung durch die Wildnis nicht vorbereitet sind. Als Yossi von den anderen getrennt wird, sieht er sich ohne geeignete Ausrüstung und verletzt den Gefahren des Amazonas gegenüber. Es beginnt ein Kampf ums pure Überleben …


Kritik:
In Jungle verfilmt Regisseur Greg McLean den Überlebenskampf von Yossi Ghinsberg, der bei einem Trip in den Amazonas im Jahr 1981 von seinen Mitreisenden getrennt wird. Auf sich allein gestellt und ohne entsprechende Ausrüstung muss er den Weg durch den gefährlichen Urwald antreten. Von Hauptdarsteller Daniel Radcliffe geradezu aufopferungsvoll gespielt, geht das stellenweise überaus nahe. Doch erfährt man über die zentrale Figur erstaunlich wenig, sodass die emotionale Wucht am Ende ausbleibt.

Sieht man den von Radcliffe verkörperten Ghinsberg im ersten Drittel des Films durch Bolivien reisen, wo er auf den schweizerischen Lehrer Marcus sowie dessen Freund Kevin trifft, dann ist es, als könne sich Ghinsberg vor Begeisterung kaum bändigen. Bevor ihn der Alltag gefangen nimmt, möchte er die Welt entdecken und ein Abenteuer erleben. Ähnlich wie Kevin, der durch die Weltgeschichte reist und atemberaubende Bilder aufnimmt. Als Yossi daher auf den geschwätzigen Karl trifft, der ihm anbietet, mit ihm in den tiefsten Urwald zu kommen, ist der junge Mann Feuer und Flamme. Er überzeugt auch seine beiden neuen Freunde von dem Trip. Wie schnell die Stimmung unter den jungen Männern kippt, fängt Jungle dabei gelungen sein, denn abseits der Annehmlichkeiten der Städte, gilt es inmitten des Regenwaldes, auf den Schwächsten Rücksicht zu nehmen – oder ihn zurückzulassen.

Dabei verlagert der Film die Sympathien innerhalb der Gruppe merklich. Karl, der anfangs den Eindruck erweckt, er würde seine eigenen Fähigkeiten weit überschätzen, ist für Yossi, Kevin und Marcus überlebensnotwendig. Später scheint es dann, als würde Kevin seine eigenen Belange über die der anderen, insbesondere des abgeschlagenen Marcus stellen. Erst nach der Hälfte des Films teilt Regisseur Greg McLean die Gruppe tatsächlich auf, woraufhin der Film gewissermaßen neu beginnt. Auf sich allein gestellt und verletzt, muss Yossi zunehmend erkennen, dass er im Dschungel wohl nicht überleben wird. Nicht nur, dass er viel zu wenig zu Essen hat, um bei Kräften zu bleiben, es lauern überall Gefahren, sowohl was die Landschaft als auch die Tierwelt angeht.

Ghinsbergs biografischer Roman, auf dem das Drehbuch basiert, schildert dabei angeblich noch einige schreckliche Erlebnisse mehr, die ihn während der drei Wochen in der Wildnis erwarteten. Auch wenn was hier zu sehen bereits schlimm genug ist, es hätte das Martyrium des jungen Mannes womöglich deutlich greifbarer gemacht. Stattdessen beschäftigt sich Jungle länger als notwendig mit den Ereignissen, die zu Yossis Isolation führen, anstatt zu zeigen, was diese mit ihm anrichtet.
Verstärkend kommt hinzu, dass Ghinsberg im Dschungel immer wieder von Visionen und Halluzinationen heimgesucht wird. Er erinnert sich an Momente mit seiner Familie und was vor seinem Trip nach Amerika geschehen ist. Gerade, wenn sich das Publikum mit ihm in dieser gefährlichen Umgebung isoliert wähnt, wird man so aus ihr herausgerissen. Die Entscheidung, den Überlebenskampf auf diese Weise zu strukturieren, ist gut gemeint, sorgt am Ende aber für eine hinderliche Distanz. So wie die Tatsache, dass die Zeit, die Yossi tatsächlich allein verbringt, zu kurz geschildert wird.

Dafür packt Daniel Radcliffes Porträt in der Hauptrolle auf eine Art und Weise, dass was ihm widerfährt beinahe körperlich schmerzt. Er bringt die immer größer werdende Verzweiflung gelungen auf den Punkt. Dass die Strapazen bei ihm auch körperlich zu sehen sind, macht die Darbietung noch eindringlicher. Auch die übrige Besetzung ist gelungen und an der Inszenierung selbst gibt es nichts zu bemängeln.
Allenfalls, dass der Film in der zweiten Hälfte unerwartet und offensichtlich religiöse Untertöne einstreut, lenkt vom eigentlichen Überlebenskampf der Hauptfigur ab. Doch das heißt nicht, dass Yossi Ghinsbergs Geschichte nicht mitreißt, das tut sie durchaus. Nur nicht so sehr, wie sie könnte.


Fazit:
Wenn sich Regisseur Greg McLean dem eigentlichen Überlebenskampf des jungen Mannes annimmt, finden sich in Jungle viele Momente, die selbst dem Publikum körperliche Schmerzen bereiten. Das liegt auch an der packenden Art und Weise, wie Daniel Radcliffe in der Hauptrolle aufgeht. Doch bis es soweit ist, vergeht mehr Zeit, als notwendig wäre, in der allerdings die Verbindung der drei jungen Männer untereinander nicht ergründet wird. Die Charaktere selbst werden kaum definiert und auch über Yossi Ghinsberg erfährt man wenig. Statt sich damit zu beschäftigen, was in ihm vorgeht, konzentriert sich das Drama auf die körperlichen Auswirkungen. Die sind schlimm genug und stellenweise mitreißend in Szene gesetzt, doch wahrt der Film stets eine Distanz zum Publikum. Dank der Darbietung ist das zwar durchaus sehenswert, aber weniger aufwühlend als erwartet.
 


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