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Johnny English - Man lebt nur dreimal [2018]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 4. September 2018
Genre: Komödie / Action / Thriller

Originaltitel: Johnny English Strikes Again
Laufzeit: 89 min.
Produktionsland: Großbritannien / Frankreich / USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: David Kerr
Musik: Howard Goodall
Darsteller: Rowan Atkinson, Ben Miller, Olga Kurylenko, Jake Lacy, Emma Thompson, Pippa Bennett-Warner, Adam James, Miranda Hennessy, James Eeles, Irena Tyshyna


Kurzinhalt:

Als ein Hacker alle Agenten des britischen Geheimdienstes MI7 enttarnt, steht die Premierministerin (Emma Thompson) vor einem Dilemma: In Kürze ist sie Gastgeberin des G12-Gipfels und will Großbritannien als starke, zukunftsfähige Nation präsentieren. Doch gleichzeitig werden sämtliche öffentlichen Systeme von den unbekannten Angreifern manipuliert. Deshalb wird der auf dem Abstellgleis geparkte Agent Johnny English (Rowan Atkinson) notgedrungen reaktiviert, einfach weil er der einzig übrig gebliebene ist. Während die Premierministerin Hilfe bei dem immens erfolgreichen Technologie-Entrepreneur Jason Volta (Jake Lacy) sucht, der eine ganz eigene Vision für die Zukunft der Welt hat, macht sich English mit seinem Assistenten Bough (Ben Miller) daran, die Hintermänner der Angriffe ausfindig zu machen. Dabei trifft er auf die mysteriöse Ophelia (Olga Kurylenko). Wenn es jemandem gelingen kann, die größte Bedrohung dieser hochtechnologisierten, digitalen Welt abzuwenden, dann Johnny English mit seinen durchweg analogen – und spärlichen – Talenten …


Kritik:
An sich könnte es keine bessere Zeit für einen Film wie Johnny English - Man lebt nur dreimal geben, in dem es einem auf sich gestellten, britischen Spion, von dem alle erwarten, dass er scheitert, gelingt, eine globale Bedrohung zu besiegen und sich damit die Dankbarkeit der gesamten Welt zu verdienen. Man könnte auch sagen, die Story ist so etwas wie Balsam für die Brexit-strapazierte Seele Großbritanniens. Doch so interessant der Ansatz und so gelungen die mimische Akrobatik von Hauptdarsteller Rowan Atkinson, das Ergebnis erscheint weitaus uninspirierter, als es die Beteiligten verdienen würden.

Die eigentliche Story ist dabei nicht nur schnell erzählt, sondern wird gar in den ersten paar Minuten beinahe vollständig vorgestellt: Bei einem Hackerangriff werden die Identitäten sämtlicher Agenten des britischen Geheimdienstes MI7 enttarnt. Somit bleibt der von Emma Thompson herrlich gespielten Premierministerin keine andere Wahl, als alte und ausgesonderte Agenten zu reaktivieren, die noch nicht „verbrannt” sind. Zu denen gehört auch der Titel gebende Geheimagent Johnny English, dem es bislang mehr durch Glück als Verstand gelungen ist, die Welt nicht vollkommen ins Chaos zu stürzen. Der unterrichtet inzwischen Kinder an einer Schule, wo er Ausschau nach künftigen Anwärterinnen und Anwärtern für den Geheimdienst hält – mit teils unkonventionellen Methoden. Dabei scheint er alles andere als ungeschickt und die Kinder begeistert von seinem Unterrichtsstil. Doch im Herzen ist er ein Spion und als sich die Möglichkeit bietet, nimmt er die Mission an, mit seinem aus dem ersten Film (Johnny English [2003]) bekannten, überaus fähigen Assistenten Bough, ohne den ihm noch deutlich weniger gelingen würde, als ohnehin schon.

Mit seiner Tollpatschigkeit erinnert English ein wenig an den ebenso glücklosen Inspektor Jacques Clouseau aus Der rosarote Panther [1963], obwohl er dessen Charme nicht ganz erreicht. Da sich die Situationskomik oft auf einem ähnlichen Niveau bewegt, laufen die meisten Situationen genau so ab, wie man es erwarten würde, wenn Johnny English von einer Katastrophe in die nächste schlittert. Entsprechend vorhersehbar sind auch die einzelnen Gags, wobei einige wenige durchaus überraschen können. Doch im Vergleich zu vielen anderen Komödien dieser Art, werden die Witze hier nicht ein halbes Dutzend Mal wiederholt, bis der ihnen zugrundeliegende Humor nicht vollkommen plattgetreten ist. Vielmehr weiß Regisseur David Kerr offensichtlich, wann genug auch genug ist.
Vor allem – und das zeichnet Johnny English - Man lebt nur dreimal merklich aus – ist English selbst nicht bösartig. Er mag ein heilloses Chaos anrichten und als Spion so unfähig wie untalentiert sein, aber im Grunde will er das Richtige tun. Er kann es leider nur einfach nicht.

So stellt er sich auf moderne Technologie wie Smartphones verzichtend, „old school“, wie er selbst sagt, einem Gegner, der die neueste Technik für sich und gegen die freie Welt nutzt. Wer der Übeltäter ist, dürfte für die allermeisten Zuseherinnen und Zuseher nach dem ersten Auftritt der Figur bereits bekannt sein. Dass sich English seinem Gegner am Ende in einer Ritterrüstung stellen muss, ist dabei eine passende Symbolik; mehr „old school“ ist wohl kaum möglich. Dabei parodiert die Agentenkomödie durchaus aktuelle Themen, ohne dass diese jedoch die eigentliche Story belasten würden, bei der auch die obligatorische, weibliche Agenten-Konkurrenz in Form von Olga Kurylenkos Ophelia nicht fehlen darf.

Handwerklich ist Johnny English - Man lebt nur dreimal durchweg tadellos gemacht, aber am Ende eben merklich mehr Spoof als Agenten-Thriller. Packende Actionsequenzen sollte man somit nicht erwarten. Ebenso wenig werden neue Wege hinsichtlich der haarsträubenden Situationen oder der Situationskomik selbst beschritten. Dafür weiß der dritte und vermutlich letzte Teil um den britischen Agenten mit einer gut gelaunten Besetzung zu gefallen. Harmlos und kurzweilig unterhaltsam ist das nichts, was in Erinnerung bleibt. Aber auf Grund der leichtfüßigen Umsetzung vielleicht für unsere Zeit genau das Richtige.


Fazit:
In manchen Momenten kommt zu Johnny Englishs fehlendem Weitblick oder seinem schlicht abwesenden Talent, das, was er tun will, auch so umzusetzen, noch schlichtweg Pech hinzu. Dass man es ihm gerade am Ende gönnen würde, dass er tatsächlich als Held in schimmernder Rüstung in Erinnerung bleibt, ist ein Verdienst von Hauptdarsteller Rowan Atkinson, der die Figur spürbar sympathischer verkörpert, als sie sein könnte. Zu sehen, wie er unbeabsichtigt von einer Katastrophe in die nächste steuert und dabei doch die Welt rettet, macht Johnny English - Man lebt nur dreimal für das richtige Publikum in der richtigen Stimmung durchaus lohnenswert. Makellos umgesetzt, ist die Komödie öfter amüsant, als dass man laut loslachen könnte. Aber sie entlässt ihr Publikum mit einem besseren Gefühl, als man hineingegangen ist. Auch das ist Englishs Verdienst. Schon deshalb wäre gegen eine weitere Mission des glücklosen Spions im Grunde nichts einzuwenden.
 


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