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Insidious [2010]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. April 2013
Genre: Horror

Originaltitel: Insidious
Laufzeit: 103 min.
Produktionsland: USA / Kanada
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: James Wan
Musik: Joseph Bishara
Darsteller: Patrick Wilson, Rose Byrne, Ty Simpkins, Lin Shaye, Leigh Whannell, Angus Sampson, Barbara Hershey, Andrew Astor, Corbett Tuck, Heather Tocquigny, Ruben Pla, John Henry Binder, Joseph Bishara, Philip Friedman


Kurzinhalt:
Nach ihrem Einzug in das neue Haus macht sich Renai Lambert (Rose Byrne) daran, die Umzugskisten auszuräumen. Einer ihrer Söhne, Dalton (Ty Simpkins), beklagt bereits, dass ihm sein Zimmer nicht gefällt. Als auch sie bemerkt, dass sich Dinge im Haus bewegen, tut ihr Mann Josh (Patrick Wilson) dies ab. Wenig später sieht Renai allerdings Menschen im Haus und auch Josh muss miterleben, wie nachts der Hausalarm läutet, obwohl niemand dort ist. Als Dalton urplötzlich in ein unerklärliches Koma fällt, ziehen sie in ein neues Haus. Doch auch dort wird Renai von seltsamen Vorfällen verfolgt.
Über Joshs Mutter Lorraine (Barbara Hershey) erhalten sie Kontakt zu Elise Rainier (Lin Shaye), die auf solche Vorkommnisse spezialisiert ist. Was sie den Lamberts über ihre Situation jedoch verraten kann ist ebenso verstörend wie gefährlich – für alle Beteiligten ...


Kritik:
Es geschieht heutzutage nicht sehr oft, dass ein Horrorfilm versucht, ohne ausschweifend brutale Szenen die Zuschauer in Angst und Schrecken zu halten. Und das, obwohl man angesichts gezeigter Gewalt viel schneller abstumpft. Eine innere Unruhe und Bedrohung ist bedeutend effektiver. Mit Insidious gelingt dies Regisseur James Wan ausgesprochen gut, auch wenn die Geschichte im letzten Drittel einen Weg einschlägt, der sich besser liest, als dass er sich überzeugend bildlich darstellen lässt.

Der Film stellt die Familie Lambert vor, die gerade in ein neues Haus gezogen ist – das wirft durchaus die Frage auf, ob es irgendeinen Horrorfilm gibt, bei dem die Familie in dem Haus schon Jahre gewohnt hat, ehe seltsame Dinge geschehen. Während Josh seiner Arbeit als Lehrer nachgeht, bleibt seine Frau Renai mit den drei Kindern zuhause. Ihrem Sohn Dalton gefällt das Haus jedoch nicht und auch die übrigen Familienmitglieder schlafen nicht gut. Dass etwas mit dem Haus nicht stimmt, erfährt auch Renai, die über das Babyfon eine Stimme in einem der Kinderzimmer hört. Auch sehen die Lamberts Menschen, die nicht wirklich da sind. Insidious nimmt viele bekannte Elemente von Horrofilmen und verleiht ihnen eine ungewohnte Richtung. So möchte man ihnen zurufen, sie sollen aus dem Haus verschwinden, und wenig später ziehen sie tatsächlich um. Doch da ist es schon zu spät, was immer von Dalton Besitz ergriffen hat, dass er monatelang im Koma liegt, es muss ihnen gefolgt sein.

Schon lange vor dem Genre prägenden Poltergeist [1982] muss es ein bekanntes erzählerisches Mittel gewesen sein, eine Figur vorzustellen, die den traumatisierten Figuren wie dem Zuschauer erklärt, was eigentlich vor sich geht. So auch hier: Joshs Mutter Lorraine bittet die übersinnlich begabte Elise, sich der Lamberts anzunehmen. Zusammen mit ihren Assistenten entdeckt sie auch zahlreiche Seelen, die sich im neuen wie im alten Haus der Lamberts zusammengefunden haben. Und eine hat es dabei insbesondere auf Dalton abgesehen.
Was dann geschieht und wie Regisseur Wan trotz seines überraschend kleinen Budgets eine gruselige Stimmung erzeugt, sollte jeder selbst entdecken. In der handwerklichen Umsetzung liegt trotz des durch die verwendete Digitalkamera erscheinenden Video-Looks die größte Stärke des Films. Dabei verzichten die Macher zumindest in einigen Einstellungen auf die obligatorisch laut einsetzende Musik und erzeugen so eine noch größere Spannung. Doch wie in vielen Geschichten, versucht Drehbuchautor Leigh Whannell die Hintergründe bis ins Kleinste zu erklären und lässt seine Figuren dadurch Dialoge führen, wie man sie höchstens in übersinnlichen Fernsehserien erwarten würde. Es klingt mitunter so hanebüchen und überzogen, dass die Atmosphäre darunter leidet. Von den kitschigen Gesprächen der Eheleute ganz zu schweigen, die an Seifenopern aus dem Nachmittagsfernsehen erinnern.

Man kann nicht sagen, dass mangelndes Produktionsdesign für die unglaubwürdige letzte halbe Stunde verantwortlich wäre. Vielmehr überschreitet Insidious hier eine Grenze, die bis dahin und im Klassiker Poltergeist nur angedeutet ist. Als Buch mag ein jeder sich diese andere Welt, die hier präsentiert wird, selbst vorstellen, charakterisiert von den eigenen Ängsten und Phobien. Regisseur James Wan reduziert sie auf seine eigene Vision und zwingt die Zuschauer, sich vor demselben zu fürchten. Das funktioniert zwar bedingt, doch fragt man sich stellenweise, ob die Filmemacher das wirklich ernst meinen.
So leidet die stellenweise sehr beängstigende Atmosphäre zeitweise unter Dialogen, die künstlicher erscheinen als die Charaktere, die sie vorbringen müssen. Und setzt der Film zum Finale an, kann man angesichts mancher Ideen nur den Kopf schütteln. Das macht den Horrorfilm für Genrefans nicht weniger sehenswert, verdeutlicht aber, dass sich manche Ängste nicht in Bilder fassen lassen.


Fazit:
Wie oft geschieht es in Horrorfilmen, dass die Figuren Entscheidungen treffen, die man als Zuschauer nie treffen würde. Hier geht das Skript einen anderen Weg und zeigt, wie das Grauen den Charakteren folgt, sobald es sie einmal entdeckt hat. Wie so oft in solchen Filmen beeinflussen böse Geister die wirkliche Welt, anstatt dass die reine Vorstellung dessen die Menschen schon zur Verzweiflung treibt. Immerhin verzichtet Regisseur James Wan auf explizite Gewaltdarstellungen und haucht seinem Low-Budget-Film stattdessen eine unheimliche Atmosphäre ein.
Doch so stimmungsvoll Insidious über manche Strecken ist, so absehbar ist er auch, bis hin zum letzten, überflüssigen Twist der Geschichte, die in einer Fortsetzung weiter gesponnen werden soll. Die Dialoge wirken mitunter künstlich, so dass die Darsteller sichtlich Mühe haben, sie ansprechend darzubringen. Dennoch, wer auf gruseligen, erfreulich blutarmen Horror aus ist, wird hier fündig. Zumindest großteils.


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