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In the Line of Fire - Die zweite Chance [1993]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 7. März 2016
Genre: Thriller

Originaltitel: In the Line of Fire
Laufzeit: 128 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1993
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Wolfgang Petersen
Musik: Ennio Morricone
Darsteller: Clint Eastwood, John Malkovich, Rene Russo, Dylan McDermott, Gary Cole, Fred Dalton Thompson, John Mahoney, Gregory Alan Williams, Jim Curley, Sally Hughes, Clyde Kusatsu


Kurzinhalt:

Vom klassischen Personenschutz hat sich das Urgestein der US-Präsidentengarde, Frank Horrigan (Clint Eastwood), bereits verabschiedet. Zusammen mit seinem neuen Partner Al D'Andrea (Dylan McDermott) wird der Secret Service Agent auf das Apartment eines Mannes (John Malkovich) aufmerksam gemacht, der offensichtlich plant, den amerikanischen Präsidenten, der sich mitten im Wahlkampf für seine Wiederwahl befindet, zu ermorden. Eingangs stößt Horrigan mit seinen Warnungen auf taube Ohren, doch je schneller sich das Ende des Wahlkampfes nähert, umso mehr verdichten sich die Hinweise, dass es der Attentäter ernst meint. Zusammen mit der Agentin Lilly Raines (Rene Russo) beginnt Horrigan einen Wettlauf gegen die Zeit ...


Kritik:
Für den deutschen Regisseur Wolfgang Petersen, der mit Das Boot [1985-1987] international bekannt wurde und sich in den USA mit Enemy Mine - Geliebter Feind [1985] und Tod im Spiegel [1991] einen Namen gemacht hatte, war In the Line of Fire - Die zweite Chance sein bis dahin größtes Projekt. Schon allein auf Grund der beteiligten Stars. Eine Ironie des Schicksals, dass man mit dem atmosphärisch dichten Thriller Hauptdarsteller Clint Eastwood mehr in Verbindung bringt, als ihn.

Dabei fällt es schon von Beginn an schwer, sich dem Charisma des bei den Dreharbeiten bereits 62jährigen Eastwood zu entziehen. Er verleiht seiner Figur des Secret Service Agenten Frank Horrigan eine charakterliche Tiefe, der allenfalls sein Antagonist gewachsen ist. Alle übrigen Darsteller haben hier das Nachsehen. Horrigan ist dabei der letzte Secret Service Agent im Dienst, der bereits einen Präsidenten verloren hat. Als er auf einen gefährlichen Psychopathen aufmerksam wird, der ein Attentat auf den derzeitigen US-Präsidenten plant, sieht er seine Chance, sich zu rehabilitieren.

In the Line of Fire ist inhaltlich ein merklich zweigeteilter Film: Die erste Hälfte ist ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel mit dem potentiellen Attentäter, der Horrigan nicht verhöhnt, sondern in ihm einen würdigen Gegner sieht. Dabei lässt Petersen die Identität des Killers lange Zeit im Dunkeln, zeigt nur Ausschnitte seines Gesichts in Nahaufnahme oder porträtiert ihn in einer seiner vielen Verkleidungen. Vielleicht wäre es sogar klüger gewesen, sein Gesicht bis zum Finale gar nicht zu zeigen. Sieht man jedoch, wie wandlungsfähig John Malkovich in der Rolle des zielstrebigen Präsidentenmörders ist und beobachtet man, dass er dem FBI sowie dem Secret Service immer einen Schritt voraus ist, dann steigert das die Spannung ungemein.

In der zweiten Hälfte, nachdem Horrigan den Spieß in den zermürbenden Telefonaten mit dem Mörder umgedreht und ihn unter Druck gesetzt hat, entwickelt sich die Story zu einem klassischen Krimi, in dem Frank zusammen mit seinem Partner Al die Puzzleteile zusammensetzen muss, um die Bewegungen des Killers nachzuvollziehen und seinen aktuellen Aufenthaltsort herauszubekommen. Die inhaltliche Struktur lässt In the Line of Fire länger erscheinen, als er ist. Auch wenn Wolfgang Petersen sehr aussagekräftige Bilder gelingen und insbesondere die pointierten Dialoge zwischen Frank und seinem Widersacher sowie Frank und seiner Kollegin Lilly gefallen, es fehlt den Actionszenen an Dynamik. Das liegt nicht unbedingt am Alter der Hauptfigur, das gekonnt in die Geschichte mit eingewoben wird, sondern eher daran, dass von vorne herein klar ist, dass der Bösewicht bis zum Schluss wird durchhalten müssen und er bis dahin kaum in Bedrängnis kommt.

Schon damals überzeugte In the Line of Fire - Die zweite Chance hauptsächlich durch die immens charismatische Besetzung, die sich zudem in bester Spiellaune präsentiert. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Als ruhig erzählter, mehr auf die Figuren und die Atmosphäre zugeschnittener Thriller ist er auch immer noch empfehlenswert. Dabei ist er trotz der damaligen Technik und der gezeigten Mode überraschend zeitlos.


Fazit:
Filmemacher Wolfgang Petersen präsentiert mit In the Line of Fire - Die zweite Chance einen überaus klassischen Thriller, dessen Story das amerikanische Publikum mit Horrigans Verbindungen zu einem der beliebtesten US-Präsidenten ins Mark trifft. Die bedachte Erzählung glänzt in den Dialogen mehr als in den Actionmomenten. Kontinuierlich arbeitet der Film auf ein Finale hin, das nicht enttäuscht und bei dem die Spannungsschraube merklich angezogen wird.
Die namhafte Darstellerriege wird von einem auch körperlich geforderten Clint Eastwood als charismatischen Secret Service Agenten angeführt. Dass ihm einzig John Malkovich gewachsen ist, liegt hauptsächlich daran, dass die übrigen Figuren merklich weniger ausgearbeitet sind. Lässt man sich von den mitunter rasiermesserscharfen Wortwechseln mit vielen politischen Anspielungen leiten, enttäuscht der Thriller nicht. Er ist dabei zwar nicht so mitreißend, wie man erhoffen würde, lebt dafür jedoch von einer tollen Stimmung.    


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