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Illuminati [2009]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. Mai 2009
Genre: Thriller / Science Fiction

Originaltitel: Angels & Demons
Laufzeit: 138 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Ron Howard
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Tom Hanks, Ewan McGregor, Ayelet Zurer, Stellan Skarsgård, Pierfrancesco Favino, Nikolaj Lie Kaas, Armin Müller-Stahl, Thure Lindhardt, David Pasquesi, Cosimo Fusco, Victor Alfieri, Franklin Amobi, Curt Lowens


Kurzinhalt:
Als der Symbologe Robert Langdon (Tom Hanks) von einem Vertreter der vatikanischen Polizei aufgesucht wird, wähnt er anhand eines ihm vorgelegten Bildes einen alten Feind der katholischen Kirche wieder am Leben. Die Illuminati waren ein Geheimbund, der vor Jahrhunderten von der Kirche gejagt und beinahe ausgelöscht wurde. Nun scheinen sie Rache nehmen zu wollen und haben vier Kardinäle gefangen genommen. Sie sollen am selben Abend jeweils zur vollen Stunde hingerichtet werden, ehe Vatikanstadt zerstört wird.
So reist Langdon nach Rom und trifft dort Vittoria Vetra (Ayelet Zurer), die ein aus ihrem Forschungslabor CERN gestohlenen Behälter mit instabiler Antimaterie wiederfinden muss. Im Vatikan stehen der Leiter der Schweizer Garde, Commander Richter (Stellan Skarsgård) und Inspector Olivetti (Pierfrancesco Favino) den Theorien Langdons skeptisch gegenüber als der Camerlengo (Ewan McGregor) des letzten Papstes. Langdon vermutet, dass die Illuminati die Kardinäle in vier Kirchen ermorden wollen und sucht in den Aufzeichnungen Galileis nach dem "Pfad der Erleuchtung", der den Weg zu den Kirchen weist.
Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, bei dem nicht nur das Leben der Kardinäle auf dem Spiel steht. Angesichts der stattfindenden Papstwahl befinden sich Tausende Gläubige im Vatikan ...


Kritik:
Es ist in der Tat erstaunlich, mit welcher Vehemenz viele Leser und Kritiker heute den Romanen von Erfolgsautor Dan Brown begegnen. Nach der Verfilmung The Da Vinci Code - Sakrileg [2006] hat das Erfolgsteam aus Regisseur Ron Howard und Hauptdarsteller Tom Hanks nun auch den ersten Roman als filmische Fortsetzung umgesetzt. Und wieder verpönen viele laute Stimmen den Film als unglaubwürdige Schnitzeljagd, das Science Fiction-Element als übertrieben und die Charaktere als flache Reißbrettfiguren. In Bezug auf die stellenweise weit hergeholten Storywendungen kann man ihnen nicht widersprechen, und auch der Kniff mit der Antimaterie, wenn auch dem Buch entnommen, scheint für viele derzeit unvorstellbar. Doch kritisieren diese Menschen nicht den Film Illuminati, sondern sie erwähnen im gleichen Atemzug immer, dass dies genauso erzwungen und unglaubhaft sei, wie in der Romanvorlage. Es gibt Viele, die Ron Howard vorwerfen, den Roman so gut es ging zu verfilmen. Wer an Dan Browns schnell erzähltem Vatikanthriller keinen Gefallen gefunden hat, wird dies auch an der filmischen Umsetzung nicht. Wer die Hetzjagd durch den eigenständigen Staat mitten in Europa aber als hochkarätige und mit vielen Hintergrundinformationen gespickte Unterhaltung akzeptiert hat, dem wird Illuminati genau aus diesen Gründen auch wieder gefallen.

Die minutiös ausgetüftelte Story des Buches scheint in den Rahmen von knapp zwei Stunden Film dabei leider etwas gestaucht, doch wer vermuten würde, dass das Erzähltempo des Thrillers deshalb auch sehr hoch sei, der wird womöglich enttäuscht. Die knapp fünf Stunden, in denen die vier Kardinäle ermordet und der Vatikan vernichtet werden soll, reißen nicht in dem Maße mit, wie man sich das erhoffen würde. Dafür begehen die Drehbuchautoren Akiva Goldsman und David Koepp leider den Fehler und erzeugen keine Dringlichkeit, mit der die Figuren durch die Geschichte stolpern. Sicherlich erfährt man zu Beginn, dass zu jeder vollen Stunde ein Kardinal getötet werden soll, doch sieht man als Zuseher nicht die Minuten herunterpurzeln und die Gefahr für die Opfer ansteigen, sondern man bekommt urplötzlich mitgeteilt, dass nur noch zwei Minuten verbleiben und dann befindet man sich am Tatort. Weswegen die Macher hier nicht die Möglichkeit nutzten, wenigstens die letzten zehn Minuten zu jeder Stunde in Echtzeit zu erzählen oder mittels des aus Filmen und Serien bekannten Split-Screen mit Bildüberlagerungen zwei Handlungsebenen parallel zu erzählen und so aufzuzeigen, wie weit der Täter mit seinen Verbrechen fortgeschritten ist, bleibt fraglich. Hier hätte man nicht nur das Tempo, sondern vor allem die Spannungsschraube enorm anziehen können.
Stattdessen konzentriert sich Regisseur Ron Howard darauf, Illuminati in tadellos schicke Bilder zu kleiden. Dass die Produzenten keine Drehgenehmigung für den Vatikan erhielten und viele der Kapellen, Kirchen und Plätze nachbauen mussten, sieht man dem Endergebnis nicht an. Mit erstklassigen Sets, nahtlosen Spezialeffekten, die man wirklich erahnen muss, um sie zu bemerken und einen sichtbar hohen Produktionsaufwand gelingt ihnen eine authentische Atmosphäre inmitten Roms. Dass Howard sein Handwerk versteht, untermauert er einmal wieder durch schön zusammengestellte Bilder, eine gute Schauspielführung und eine makellose Inszenierung, der allerdings durchgehend irgendein Element fehlt, das sie einzigartig werden lässt. Alles, was man in Illuminati zu sehen bekommt ist erstklassig und hochwertig – aber nie außergewöhnlich oder kreativ. Glänzt Steven Spielberg mitunter durch einfallsreiche Kamerafahrten, oder Michael Bay durch ständige Bewegung in der Optik, ist bei Ron Howard jede Einstellung hier vorhersehbar. Das macht die Umsetzung nicht schlecht, nur wirkt das Endergebnis uninspiriert und sein Stil so makellos wie unpersönlich. Jenes Problem wies auch schon The Da Vinci Code auf, und wenn man nach dem Kinobesuch über Illuminati nachdenkt, muss man festhalten, dass bei allem Aufwand und der handwerklich soliden Produktion jeweils der Funke gefehlt hat, der sie ausgezeichnet hätte.
Anders verhält es sich hingegen bei der musikalischen Untermalung von Hans Zimmer, die deutlich einfallsreicher, temporeicher und weniger sphärisch klingt als im Vorgängerfilm. Ihm gelingt es mit der Kombination aus instrumentalen und elektronischen Klängen, zusammen mit einem unheilvollen und atmosphärischen Chor und dem Geigensolisten, eine bedrückende Stimmung aufzubauen, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht.

Dass man mit einer Besetzung bestehend aus Tom Hanks, einem charismatischen Ewan McGregor, Stellan Skarsgård und Armin Müller-Stahl nicht viel falsch machen kann, war abzusehen. Ob Ayelet Zurer die ideale Besetzung gewesen ist, darüber lässt sich streiten. Angesichts ihres unterkühlten Spiels muss man dankbarerweise festhalten, dass die Liebesgeschichte zwischen ihr und Langdon gestrichen wurde. Sie hätte auch nicht zu den Charakteren gepasst.
Dank einer guten Synchronisation kann man sich die Schnitzeljagd auch ruhigen Gewissens auf deutsch ansehen, auch wenn man Sprecher Arne Elsholtz nach seiner Erkrankung mit einer veränderten Stimme bei Tom Hanks wieder trifft. Dass er sich bemüht, hört man ihm an und den Darsteller mit der bekannten Stimme zu hören erleichtert den Zugang zum Film merklich.
All das spielt zusammen bei einem Thriller, dessen inhaltliche Schwächen, wenn man sie denn als solche sieht, angesichts der Schauwerte bei weitem aufgewogen werden. Allerdings muss man sich als Zuschauer auch darauf einlassen wollen.


Fazit:
Bekannte Orte aus dem Vatikan für den Film neu zu erschaffen war eine Herausforderung, die die Macher zumindest überzeugend meistern. Doch so malerisch die Bauten und die Orte sind, die Geschichte hetzt den Zuschauer mit schnellen Szenenwechseln von einem Schauplatz zum nächsten, so dass man kaum Zeit bekommt, die Umgebung zu genießen. Wirklich packend ist all das aber nur in den einzelnen Momenten, eine bedrohliche Spannung vom Anfang bis zu Ende gibt es nicht.
Denn so handwerklich routiniert Regisseur Ron Howard seinen Thriller in edle Bilder kleidet, so konventionell und vorhersehbar ist er auch inszeniert. Es scheint, als wollten sich die Produzenten mit Innovationen das Publikum nicht vergraulen. Während Tom Hanks Robert Langdon sympathisch zum Leben erweckt, steht Ewan McGregor als Camerlengo hervor. Die Darsteller tragen damit ebenso zum Erfolg von Illuminati bei wie die Umsetzung und die rhythmisch eingängige Musik von Hans Zimmer.
Das ergibt einen erfolgreichen, formelhaften Thriller, der mühelos für gelungene Abendunterhaltung sorgt. Dank der willkommenen und gut gelungenen Abweichungen zur Romanvorlage ist er außerdem auch für Kenner des Buches interessant.


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