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Ice Age 4 - Voll verschoben [2012]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. Juni 2012
Genre: Animation / Komödie

Originaltitel: Ice Age: Continental Drift
Laufzeit: 94 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Steve Martino, Mike Thurmeier
Musik: John Powell
Stimmen: Ray Romano (Arne Elsholtz), Denis Leary (Thomas Fritsch), John Leguizamo (Otto Waalkes), Queen Latifah (Daniela Hoffmann), Keke Palmer (Annina Braunmiller), Josh Gad (Max Felder), Wanda Sykes, Peter Dinklage (Wolfram Kons), Jennifer Lopez, Aziz Ansari, Nick Frost, Alain Chabat, Alan Tudyk, Aubrey Graham (Johannes Raspe), Josh Peck (Julien Haggége), Simon Pegg (Michael Iwannek), Seann William Scott (Rainer Fritzsche), Ally Romano, Patrick Stewart, Chris Wedge


Kurzinhalt:
Auch wenn er es nur gut mit seiner Tochter meint, Mammut-Vater Manny (Ray Romano / Arne Elsholtz) verbietet Peaches (Keke Palmer / Annina Braunmiller) nicht nur, sich mit Ethan (Aubrey Graham / Johannes Raspe), in den sie verknallt ist, zu treffen, sondern eigentlich verbietet er ihr, überhaupt groß zu werden. Dabei versucht ihr bester Freund Louis (Josh Gad / Max Felder), sie vor dem Schlimmsten zu bewahren. Doch als sich urplötzlich die Erde unter ihren Füßen verschiebt, haben Manny, Säbelzahntiger Diego (Denis Leary / Thomas Fritsch) und Faultier Sid (John Leguizamo / Otto Waalkes) ganz andere Schwierigkeiten: Sie treiben auf einer Eisscholle hinaus aufs Meer. Und haben überdies noch Sids Großmutter (Wanda Sykes) mit an Bord. Dass Manny alles daran setzt, zurück zu seiner Familie zu kommen, steht außer Frage, doch dann werden sie von den Piraten unter Kapitän Utan (Peter Dinklage / Wolfram Kons) geentert, der sie entweder rekrutieren will – oder Schlimmeres.
Unterdessen macht sich Mannys Weibchen Ellie (Queen Latifah / Daniela Hoffmann) mit den Übrigen im Tal auf, sicheren Boden zu finden. Unaufhaltsam schiebt sich die Felswand vor und alle Tiere müssen über eine enge Landbrücke, um in Sicherheit zu kommen. Den Piraten sind dabei nicht nur Manny und seine Freunde ins Netz gegangen. Auch das Säbelzahneichhörnchen Scrat (Chris Wedge) befindet sich in ihrer Gewalt – und will dabei doch nur einer Schatzkarte folgen, die zu einer Insel voller Nüsse führen soll ...


Kritik:
Es ist erstaunlich, wie oft Kinder über einen Witz lachen können, ohne dass ihnen langweilig wird. Selbst wenn sie ihn schon ein Dutzend Mal gehört haben. Vielleicht ist dies das Geheimnis des Erfolges der Ice Age-Reihe des Animationsstudios Blue Sky Studios, das seit dem ersten Film vor zehn Jahren immer wieder dasselbe Schema vorlegt, und doch ein Millionenpublikum anspricht. Eine alte Weisheit im Filmgeschäft besagt, dass wenn eine Filmreihe lange genug läuft, sie irgendwann im Weltraum enden wird. Angesichts der abstrusen Geschichten könnte man sich das auch hier durchaus vorstellen.

Der Einzige, der Ice Age 4 - Voll verschoben so behandelt, als wäre es eine ernsthafte Animationsproduktion ist Komponist John Powell, der seinen rhythmischen Score insbesondere in den Szenen um den sympathischen Eiszeitnager Scrat mit Beethovens 9., "Freude schöner Götterfunken", um einen subtilen Klang erweitert, der allerdings nur erwachsenen Zusehern auffallen dürfte. Das Zielpublikum wird indes mit viel Action, allen möglichen Urzeittieren und einer einfachen, aber aufgebauschten Geschichte unterhalten, bei der die Szenen um den Nüsse sammelnden Scrat nach wie vor die Highlights darstellen, selbst wenn diese allesamt (mit Ausnahme der letzten) in der Vorschau bereits zu sehen waren.

Die Geschichte beginnt wieder einmal damit, dass die zusammengewürfelte Herde um das Mammut Manny, den Säbelzahntiger Diego, Faultier Sid und alle ihre Freunde durch Veränderungen ihrer Welt gezwungen wird, aus ihrem Tal zu ziehen und sich eine neue Bleibe zu suchen. Würde man hier Parallelen zur Klimaveränderung unserer heutigen Zeit suchen wollen, würde man jedoch leer ausgehen. Stattdessen bekommt das Publikum erneut vor Augen geführt, dass Familie und Freunde das wichtigste sind, und dass sie sich nicht gegenseitig ausschließen. Manny muss dabei mitansehen, wie seine Tochter Peaches älter wird und ihre eigenen Abenteuer erleben will. Wie genau ihre Freundschaft mit dem Maulwurf Louis aussieht wird zwar nicht erklärt, aber irgendwie versucht er, auf das viel größere Mammut-Mädchen aufzupassen. Bis der Schaumschläger Ethan, in den sie Hals über Kopf verknallt ist, ihr sagt, dass sie Louis in den Wind schießen soll. Auf einer Scholle treiben Manny, Diego, Sid und seine Großmutter aufs Meer hinaus, während sich Mannys Gefährtin Ellie um den Auszug der Herde aus dem Tal kümmert. Was dann geschieht beinhaltet ein Piratenschiff unter Kapitän Utan, eine Revolution kleiner Nager, eine Insel voller Sirenen und natürlich Scrat, dem eine Schatzkarte in die Hände fällt, die den Weg nach Scratlantis aufzeigt.

Während den jüngeren Zuschauern bei alledem nie langweilig wird, nicht zuletzt dank der auf die Zuschauer zuspringenden 3D-Effekte, fragen sich die Erwachsenen irgendwann, wie auch immer es Kapitän Utan gelingen soll, eine Crew bestehend aus allerlei Piraten bei Laune zu halten, wenn sie (auf einer als Schiff umfunktionierten Eisscholle) über das Meer segeln, und immer knackig frische Früchte zu essen haben. Sollte sein erster Offizier Shira, ein Smilodon, doch normalerweise fleischhaltige Nahrung bevorzugen, hat Utan selbst als Gigantopithecus andere Nahrungsvorlieben wie der Palaeolagus (Urzeithase) Squint. Was jedoch die meisten Tiere seiner Crew gemein haben ist die Tatsache, dass sie nie zur gleichen Zeit am gleichen Ort gelebt haben – oder zumindest die meisten. Insofern bekommt das Zielpublikum in Ice Age 4 - Voll verschoben zwar eine Vielzahl interessanter Tierarten zu sehen, doch ihr tatsächliches Leben, wie sie lebten, wo oder in welchem Ökosystem, wird nicht einmal angedeutet. Wer einen Lerneffekt erhofft sollte mehr noch als zuvor seine Erwartungen nach unten schrauben. Da helfen die gefärbten Mähnen der geschminkten Mammut-Kids auch nicht weiter. Die überdrehten Frisuren amüsieren die Kinder im Kino zwar ebenso, wie ein sich am Schwanz von Ast zu Ast hangelndes Mammut, das einer Leichtathletikerin gleich durch die Lüfte schwingt, doch ob es eine weise Entscheidung ist, Kindern ein solches Bild jener Tiere zu vermitteln, sei dahingestellt.

Enttäuschend sind zumindest für die großen Zuseher im Publikum die Szenen um den Hauptverkaufsschlager der Reihe: Scrat. Nicht nur, dass diese in der Vergangenheit spritziger und lustiger waren, wer die verschiedenen Trailer zum Film gesehen hat, hat bereits alle seine Auftritte bis auf einen beinahe vollständig gesehen. Bei den ersten Ice Age-Filmen war es zumindest so gewesen, dass sie im Film integriert anders oder länger waren, doch auch hier haben die Macher leider gespart.
Die Kinder im Publikum hat das nicht gestört, sie meinten sogar nach der Hälfte bereits, dass Ice Age 4 - Voll verschoben ein toller Film sei. Damit hat das Studio wohl erreicht, was es wollte und vermutlich wird auch der vierte Film ein großer finanzieller Erfolg, nicht zuletzt dank des 3D-Aufschlags. Was die Technik dabei hauptsächlich bedeutet sieht man bereits zu Beginn beim Logo der Blue Sky Studios, das keinen weißen Hintergrund mehr zeigt wie es eigentlich sein sollte, sondern einen grauen. Wer die Möglichkeit hat, kann sich den Film ebenso mit den beabsichtigten Farben ansehen. Notwendig ist die dritte Dimension nicht.


Fazit:
Man könnte sagen, dass Ice Age 4 - Voll verschoben dieselbe Geschichte erzählt wie Ice Age 2 – Jetzt taut's [2006], nur dass jetzt auch noch Piraten auf den prähistorischen Meeren segeln. Man könnte festhalten, dass die Witze nicht wirklich neu sind, vom tollpatschigen Faultier Sid, der sich keine zwei Minuten konzentrieren kann, bis hin zum übervorsichtigen Mammut Manny. Und auch die ewige Jagd nach seiner Nuss beschäftigt das Säbelzahneichhörnchen Scrat immer noch, ohne dass er je Land sehen würde.
Doch all diese Beobachtungen sind nichtig, wenn sich das Zielpublikum bestens unterhalten fühlt. Für die Kinder, die das Studio im Blick hat, ist der vierte Ice Age-Film ebenso unterhaltsam und dank der actionreichen Umsetzung auch spaßig wie die Vorgänger. Die Erwachsenen wünschen sich hingegen, dass sich die Figuren und die Geschichte weiterentwickeln würden – doch dann würde man kaum dieselbe Altersgruppe ansprechen können wie beim letzten Mal. Tadellos gemacht ist der Animationsfilm für diejenigen, für die er gedacht ist, auch gut geeignet. Alle anderen werden sich fragen, warum die Story vor zehn Jahren nach wie vor am meisten mitriss. Und wieso man das Leben jener Tiere nicht ein wenig realistisch schildern kann.


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