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I Love You Phillip Morris [2009]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. Januar 2011
Genre: Komödie / Liebesfilm

Originaltitel: I Love You Phillip Morris
Laufzeit: 102 min.
Produktionsland: Frankreich / USA
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Glenn Ficarra, John Requa
Musik: Nick Urata
Darsteller: Jim Carrey, Ewan McGregor, Leslie Mann, Rodrigo Santoro, Antoni Corone, Brennan Brown, Michael Mandel, Annie Golden, Marylouise Burke, David Jensen, Dameon Clarke, Clay Chamberlin


Kurzinhalt:
Ein Autounfall rüttelt Steven Russell (Jim Carrey) wach. Der Polizist und Familienvater gesteht seiner Frau Debbie (Leslie Mann), dass er Zeit seines Lebens schwul ist, wirft die Arbeit hin und zieht nach Florida. Dort angekommen lebt er nach Herzenslust seine Homosexualität aus, muss jedoch feststellen, dass dies ziemlich kostspielig ist. Also beginnt er mit Versicherungsbetrug, um seinen Lebensunterhalt aufzubessern. Irgendwann fällt dies jedoch auf und er kommt ins Gefängnis.
Dort trifft er auf Phillip Morris (Ewan McGregor), für den Russell Liebe auf den ersten Blick darstellt. Aus der Haft entlassen, gibt sich Steven als Anwalt aus und bekommt Morris frei. Beide beginnen ein gemeinsames Leben und Russell versucht sich als Finanzexperte einer großen Firma. Aber nicht nur, dass ihn die Beschäftigung langweilt, was er sich wünscht oder Phillip schenken möchte, lässt sich ohne mehr Geld nicht finanzieren. Also beginnt er erneut mit seinen Betrügereien und stürzt damit nicht nur sich ins Unglück ...


Kritik:
Wer mitzählen möchte wird vermutlich feststellen, dass Steven Russell den Satz "Ich liebe Dich" nicht so oft in den Mund nimmt wie "Ich regele das schon". Russell ist ein Betrüger und ein geschickter noch dazu. Bis zu einem Autounfall, so informiert er den Zuschauer aus dem Off, hat er eine Lüge gelebt, war mit seiner bezaubernden, wenn auch sehr religiösen Frau Debbie verheiratet und lebte auch als Vater ein scheinbar glückliches Familienleben. Außerdem war er schwul und betrog seine Frau (wie lange schon, wird nicht geklärt). Nach dem Unfall lässt er sich scheiden, zieht nach Florida und wird richtig schwul, zusammen mit Latinlover, Schoßhund und Flipflops. Wenig später arbeitet er erfolgreich als Finanzverantwortlicher in einer Firma, bei der er Geld für sich abzweigt. Viel Geld. Ob er das tut, weil ihn das Spießbürgertum seiner Kollegen und Vorgesetzten langweilt, oder weil er einfach gern luxuriös lebt, wird nicht ganz deutlich. I Love You Phillip Morris stellt mit Steven Russell eine Figur vor, die ständig auf der Suche scheint und nie so genau weiß, wonach. Hätte er mit seinen Betrügereien aufgehört, als er genügend für sich einbehalten hatte, hätte sich niemand beschwert. Auch scheint es bei ihm keine Form von Neid auf den Reichtum anderer zu sein – wie Russell im Innern tickt, bleibt verborgen.

Gespielt wird Steven von Jim Carrey. Dass es ihm gelingt, die homosexuelle Orientierung Russells glaubhaft und nicht überzogen darzustellen, ja sogar auf die offensichtlichsten Klischees zu verzichten, ist ihm ebenso hoch anzurechnen wie Ewan McGregor, der als Phillip Morris irgendwie natürlicher schwul erscheint. Mag sein, dass man über seinen Hintergrund zu wenig erfährt, als dass man ihn in Frage stellen würde, oder aber es liegt daran, dass Steven Russell ständig vorgibt, jemand anders zu sein (von Ärzten über Anwälte und FBI-Agenten) und man somit nie weiß wer oder wie er ist. Zwei so bekannte Darsteller in solchen Rollen zu sehen und dabei Homosexualität so mit Humor vor Augen geführt zu bekommen, ohne dass sich die Filmemacher aber darüber lustig machen, sorgt bei konservativen Zuschauern für Zündstoff. Vielleicht war das der Grund, weshalb I Love You Phillip Morris lange nicht veröffentlicht wurde und auch dann nur einem kleinen Publikum zugänglich gemacht wurde. Beide Darsteller bringen ihre Rollen jedoch gekonnt voran und harmonieren auch überraschend gut als Paar vor der Kamera. Die Rollenverteilung in der Beziehung ist dabei klar geregelt nicht zuletzt, wenn Russell auch im Gefängnis, wo er Morris kennenlernt, alle möglichen Wünsche wie Musik, Schokolade oder sogar eine Verlegung in dieselbe Zelle möglich macht. Wie er das schafft, bleibt der Phantasie des Publikums überlassen.

Es beeindruckt an Betrügern wie Steven Russell immer wieder, wie einfallsreich sie sind (immerhin hat er erfolgreich seinen eigenen AIDS-Tod vorgetäuscht). Die unterhaltsamsten Momente hat der Film von den Regisseuren Glenn Ficarra und John Requa, wenn Russell entweder versucht, aus dem Gefängnis zu fliehen, oder aber in eine Situation gerät, aus der er sich nur mit viel glücklichem Improvisieren retten kann. Doch diese Szenen liegen mitunter weit auseinander. Dazwischen finden sich Schilderungen eines Lebens im Überfluss, wenn Russell Morris jeden Wunsch erfüllen will, den dieser aber gar nicht geäußert hat. Was die Filmemacher dabei nicht genügend hinterfragen ist, wie viel von Russells Verhalten rührt wirklich von ihm her? Er meint zu Beginn bereits, er habe, um die Erwartungen seiner Eltern zu erfüllen, ein Leben gelebt, das er nicht leben wollte. Aber was will er wirklich? Er überschüttet Liebhaber, Ex-Frau und Kind mit Geschenken, obwohl diese bereits glücklich sind. Er versucht sich Dankbarkeit und vielleicht sogar Loyalität zu erkaufen, obgleich diejenigen Menschen schon zu ihm halten.
Statt die Figur Steven Russell zu durchleuchten, aufzuzeigen, wer er eigentlich ist, was ihn motivierte und welche Wünsche er für sich persönlich und nicht für andere hegte, verläuft die Geschichte zwar unterhaltsam, aber oberflächlich. Der Kern des Protagonisten wird nicht angetastet, wohingegen man Phillip Morris durchaus nachvollziehen kann. Es scheint vielmehr, dass was immer sich Russell für sich selbst wünschte, genau das konnte er nicht regeln.

Texteinblendungen vor dem Abspann verraten, dass der richtige Steven Russell wegen seiner Betrügereien zu einer sehr ungewöhnlichen Strafe verurteilt wurde. Er verbüßt eine auf über 100 Jahre festgesetzte Einzelhaftstrafe in einem texanischen Gefängnis. Lediglich eine Stunde am Tag hat er Freigang. Für jemanden, der keinen Menschen getötet hat, scheint dies eine sehr harte Bestrafung. Das bleibt als Aussage von I Love You Phillip Morris letztlich übrig.


Fazit:
Wenn sich zwei ausgezeichnete Darsteller in so ungewohnten Rollen die Klinke in die Hand geben, Jim Carrey und Ewan McGregor ein schwules Pärchen mit bewegtem Hintergrund mimen, dann kann man sich als Zuseher gelungen unterhalten lassen. Die Betrügereien von Steven Russell verblüffen ebenso sehr wie dass es ihm immer wieder gelingt davonzukommen oder auszubrechen. Aber eine richtige Aussage sucht man bei I Love You Phillip Morris vergebens.
Die Figuren sind gut gezeichnet, doch gerade bei Hauptperson und Erzähler Russell fehlen Einblicke dahingehend, was ihn wirklich bewegt. Dafür bleibt die Komödie zu seicht. Selbst wenn ihn damals nichts wirklich angetrieben hat, inzwischen sollte er sich darüber durchaus Gedanken gemacht haben. Doch auch hierzu schweigt sich die Komödie aus.


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