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Hours - Wettlauf gegen die Zeit [2013]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. Februar 2014
Genre: Drama / Thriller

Originaltitel: Hours
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Eric Heisserer
Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Paul Walker, Genesis Rodriguez, Kerry Cahill, Yohance Myles, Kesha Bullard, Oscar Gale, Christopher Matthew Cook, Nick Gomez, Renell Gibbs, Nancy Nave, Shane Jacobsen


Kurzinhalt:
Fünf Wochen vor dem eigentlichen Entbindungstermin bringt Nolan Hayes (Paul Walker) seine Frau Abigail (Genesis Rodriguez) ins Krankenhaus in New Orleans. Es ist Ende August des Jahres 2005. Während draußen Hurrikan Katrina wütet, erfährt Nolan von Dr. Edmonds (Yohance Myles), dass Abigail bei der Geburt der Tochter verstarb. Das Neugeborene atmet nicht selbständig und muss in einem neonatalen Inkubator liegend durch ein Beatmungsgerät mit Sauerstoff versorgt werden. Als sich die Wetterkatastrophe abzuzeichnen beginnt, wird das Krankenhaus evakuiert, doch die Maschine von Nolans Tochter ist nicht transportabel.
Die Schwester Shelly (Kerry Cahill) verspricht ihm, zurückzukehren und Hilfe zu senden – dann ist Nolan auf sich gestellt. Zuerst fällt der reguläre Strom aus. Als das Hochwasser kommt, versagt zudem der Generator im Krankenhaus. Zwar verfügt das Beatmungsgerät über eine Batterie, doch die muss alle drei Minuten mit einer Kurbel wieder aufgeladen werden. Nicht nur, dass Nolan kaum etwas zu essen und zu trinken hat, je weiter sich die Stunden hinziehen, umso müder wird er. Als außerdem Plünderer durch die überfluteten Straßen ziehen, beginnt ein Kampf ums Überleben. Seines und das seiner Tochter ...


Kritik:
In Hours - Wettlauf gegen die Zeit steckt ein besserer Film und eine bessere Geschichte, als Autor und Regisseur Eric Heisserer dem Material entlocken kann. Dass das Drama um einen Vater, der sein Neugeborenes mit einer Maschine am Leben erhalten muss, während New Orleans durch Hurrikan Katrina im Chaos versinkt, dennoch sehenswert ist, liegt an Hauptdarsteller Paul Walker in einer seiner letzten Rollen. Zuzusehen, wie ihm zuerst die Situation über den Kopf wächst, bis er über sich hinauszuwachsen beginnt, ist angesichts seines viel zu frühen Todes gewissermaßen ein Privileg.

Nolan Hayes unterscheidet sich dabei nicht sehr von anderen Figuren, die Walker bis dahin verkörpert hat. Er ist ein sympathischer junger Mann, der eine Bodenständigkeit ausstrahlt, an der sich viele andere Filmhelden ein Beispiel nehmen sollten. Doch die Situation, in der er gerät, ist so außergewöhnlich wie bedrohlich.
Man kann sich kaum eine größere Ungerechtigkeit in der Natur vorstellen, als wenn eine Mutter bei der Geburt des Kindes ihr Leben verliert. Wie die Überlebenden, die Verwandten, der Vater und das Kind selber, wenn es alt genug ist, die Zusammenhänge zu verstehen, damit umgehen sollen, ist kaum vorstellbar. Wenige Stunden nachdem Nolan seine hochschwangere Frau Abigail in die Notaufnahme des Krankenhaus gebracht wird, bricht durch die Nachricht von Dr. Edmonds seine Welt in sich zusammen.

Bereits während des Vorspanns von Hours stimmt Filmemacher Heisserer auf die Situation in New Orleans ein, wie aus dem Sturm, der Katrina einst war, etwas viel schlimmeres geworden ist. Wir wissen, was folgt, wenn Dr. Edmonds und Krankenschwester Shelly Nolan versichern, dass seine frühgeborene Tochter, die an ein stationäres Beatmungsgerät angeschlossen ist, im Krankenhaus sicher sein wird. Dass selbst wenn der Strom ausfällt die Generatoren anspringen werden.
Zuerst heißt es, werden die Patienten nur in einen anderen Trakt verlegt, dann wird evakuiert und ehe sich Nolan versieht, ist er allein mit seiner Tochter, die immer noch nicht selbst atmen kann. Den Stromausfall kann der hauseigene Generator so lange bewältigen, bis die Dämme brechen und das Hochwasser New Orleans einnimmt.

Was Nolan in den drei Tagen, die der Film umspannt, durchstehen muss, ist mehr, als man irgendjemandem zumuten würde. Die alte Batterie der Maschine hält nur drei Minuten, ehe sie per Handkurbel wieder aufgeladen werden muss. Gleichzeitig muss Nolan aber nach Essen und Wasser suchen und seine Tochter benötigt ebenfalls eine Nährstoffinfusion. Vor allem muss auch er irgendwann schlafen und wenn man glaubt, es könne nicht schlimmer kommen, ziehen Plünderer durch die Straßen, die auf die Medikamente im Krankenhaus aus sind.
Auch wenn früh absehbar ist, was auf dem Spiel steht, Hours steigert immer wieder, was es zu überstehen gilt. Dass Regisseur Heisserer nur ein kleines Budget zur Verfügung steht, sieht man allenfalls an der zahlenmäßig geringen Besetzung. Die handwerkliche Umsetzung ist dafür solide gelungen, wenn auch nicht dynamisch.

Doch so spürbar dank Paul Walker ist, wie Nolan zunehmend verzweifelt, wenn er sich mit Adrenalininjektionen wach hält und sich an die schönsten Momente mit Abigail erinnert, das Drama ist zu langsam erzählt, um mitzureißen. Viele Momente erscheinen länger als sie sein müssten und so charmant die Rückblenden sind, sie reißen einen unnötigerweise aus der bedrohlichen Situation im Krankenhaus. Dasselbe gilt für die eingestreuten Nachrichtenbeiträge, die zwar verdeutlichen, wie sich die Situation in New Orleans zunehmend verschärft, die aber Nolan nicht zur Verfügung stehen und all denjenigen, die damals die Nachrichten verfolgt haben, ohnehin bekannt sind. Auch hier wäre es packender gewesen, das Geschehen einzig aus Nolans Sicht gezeigt zu bekommen und so die Zeit im Krankenhaus mit ihm zu erleben.


Fazit:
Bisher meist durch Vorlagen zu Horrorfilmen in Erscheinung getreten, sucht sich Filmemacher Eric Heisserer für sein Regiedebüt eine Geschichte aus, die eine emotionale Zugkraft entwickelt. Als solche ist sie auch effektiv, selbst wenn die Dialoge mitunter abgedroschen klingen und der Verlauf der Geschichte einen rauen Eindruck macht, als hätte man sie noch polieren sollen.
Dass Hours - Wettlauf gegen die Zeit dennoch gelingt, liegt an der erschreckenden Grundidee und Paul Walkers Darbietung. Er verleiht Nolan Hayes zu einer Glaubwürdigkeit eine Tiefe, welche die Figur eigentlich nicht besitzt. Sieht man ihn sich aufopfern, immer neue Versuche unternehmen, aus der Zwickmühle herauszukommen und sieht ihn ein ums andere Mal vor ein noch größeres Problem gestellt, verzweifelt man mit ihm. Er ist das Herzstück des dramatischen Thrillers und beweist eindrucksvoll, weshalb er als tragender Schauspieler allzu oft unterschätzt wurde.


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