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Heat [1995]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. April 2020
Genre: Drama / Krimi / Thriller

Originaltitel: Heat
Laufzeit: 170 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1995
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Michael Mann
Musik: Elliot Goldenthal
Besetzung: Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Jon Voight, Tom Sizemore, Diane Venora, Amy Brenneman, Ashley Judd, Mykelti Williamson, Wes Studi, Ted Levine, Dennis Haysbert, William Fichtner, Natalie Portman


Kurzinhalt:

Als Polizist Vincent Hanna (Al Pacino) zum Tatort eines tödlichen Überfalls gerufen wird, ist er sich sicher, dass dieser nur von Profis verübt worden sein kann. Über einen Informanten wird er auf eine Gruppe um den unscheinbaren Neil McCauley (Robert De Niro) aufmerksam, der wie seine Mitstreiter einige Zeit bereits im Gefängnis gesessen hat. Zusammen mit Chris (Val Kilmer) und Michael (Tom Sizemore) arbeitet Neil an dem nächsten Coup, einem Banküberfall, der eine beträchtliche Beute einbringen würde. Dank einer Quelle erfährt Neil, wer der Mann ist, der kurz davor steht, seine Pläne zu durchkreuzen. Trotz des gegenseitigen Respekts für die Professionalität des jeweils anderen ist klar, dass wenn sie sich schließlich gegenüberstehen werden, keiner von beiden zögern wird – und jeder von ihnen bereit ist, alles zu tun, um sein Ziel zu erreichen …


Kritik:
Michael Manns Heat ist ein Paradebeispiel eines beinahe drei Stunden dauernden Films, der – obwohl nur selten temporeich – keine Minute zu lang ist. Mit der Leinwandadaption seines TV-Films Showdown in L.A. [1989] gelingt dem Regisseur auch dank der sagenhaften Besetzung, angeführt von den charismatischen Mimen Al Pacino und Robert De Niro ein komplexer und fantastisch aufgebauter Crime-Thriller, der in vielen Belangen nach wie vor seines Gleichen sucht.

Die Leinwandgrößen Pacino und De Niro endlich vor der Kamera vereint zu sehen, ist sicher das größte „Verkaufsargument“ des Films, dessen Cast darüber hinaus in jeder Hinsicht bemerkenswert ist. Von Jon Voight über Val Kilmer, Tom Sizemore, Ashley Judd, Wes Studi, Ted Levine, Dennis Haysbert oder William Fichtner, bis hin zu Natalie Portman sind hier derart viele Hollywoodgrößen zu sehen, dass sie alle aufzuzählen zu lange dauern würde. Dass der Regisseur sie für seinen Krimi gewinnen konnte, mag auch daran liegen, dass sie alle etwas zu tun bekommen.
Im Zentrum der Geschichte stehen der Polizist Vincent Hanna und der Kriminelle Neil McCauley, die, selbst wenn sie auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes stehen, einander ähnlicher sind, als sie vielleicht selbst glauben würden. Beide legen einen großen Wert auf Familie, womit tatsächlich jeweils ihre Kollegen und deren Familien gemeint sind. Und beide haben Schwierigkeiten damit, sich Menschen, die ihnen selbst nahe kommen, wirklich zu öffnen. So steht Vincent vor den Trümmern seiner dritten Ehe, wobei seine Stieftochter trotz seiner emotionalen Distanz ihm näher ist, als ihrer eigenen Mutter. Neil lebt nach dem Motto, dass er sich mit niemandem umgibt, dem er nicht innerhalb von 30 Sekunden den Rücken kehren und zurücklassen könnte. Nur so ist es ihm gelungen, in seiner Welt zu überleben.

Dass Neil trotz allem nicht als stiller Antiheld verehrt werden sollte, zeigt Heat gleich zu Beginn, wenn seine Truppe einen Geldtransporter überfällt und dabei Wertpapiere erbeutet, die sie dem Geldwäscher, dem sie eigentlich gehören, zurück verkaufen wollen. Zwar ist es der Neuzugang, der einen der drei verletzten Wachen des Transporters impulsiv tötet, doch Neils langjährige Partner folgen seinen Anweisungen, die weiteren Zeugen zu erschießen, ohne mit der Wimper zu zucken. Dennoch bleibt das Gefühl, dass McCauley trotz seines unterkühlten Auftretens und seiner berechnenden Art, nach Möglichkeit ohne tödliche Gewalt vorgehen würde, wenn er denn die Wahl hätte.
Als Polizist Hanna auf den Fall aufmerksam wird, kommt er schließlich der Truppe um McCauley auf die Spur, selbst wenn er nicht weiß, was sie als nächstes im Schilde führen. So baut sich langsam eine Geschichte auf, in der viele Figuren nur am Rande eine Rolle zu spielen scheinen. So wie die Liebschaft von Charlene, der Frau von Neils rechter Hand, Chris. Oder die gesamte Nebenhandlung um den Geldwäscher Van Zant. Selbst die wenigen Momente mit Natalie Portman scheinen anfangs nicht wichtig für den Verlauf der Story. Aber sieht man, wie all diese Handlungsfäden im letzten Drittel zusammenkommen, wie die komplex aufgebauten Nebenschauplätze allesamt eine Rolle spielen, sei es für die Geschichte an sich, oder für die Entwicklung der einzelnen Figuren, dann offenbart Michael Manns Drehbuchvorlage eine Tiefe, wie man sie für gewöhnlich nur in Romanen vorfindet, sie aber in Filmen nur selten zu sehen bekommt.

Das danken die Beteiligten mit preiswürdigen Darbietungen. Für einige ist Heat der vielleicht beste Film ihrer Karriere. Bis zum direkten Aufeinandertreffen von Al Pacino und Robert De Niro muss sich das Publikum dabei lange gedulden und es verläuft in einem anderen Rahmen, als man vielleicht erwarten würde. Dabei offenbart das ehrliche Gespräch der beiden Figuren einen Blick hinter ihre Gemeinsamkeiten, der entblätternden kaum sein könnte. Sie sind in überragend ausgesuchten Bildern in Szene gesetzt, so wie der ganze Film, der vollständig an wirklichen Orten und nicht im Studio entstand. Das merkt man insbesondere beim Highlight dieses Crime-Epos: Dem Shootout nach einem erfolgten Banküberfall. Nicht nur, dass die Sequenz erschreckend realistisch inszeniert ist, allein die unvergleichliche Klangkulisse sorgt für eine schweißtreibende Atmosphäre, die bis heute unerreicht ist. Der einzige Vorwurf, den man dem Regisseur machen kann, ist dass er dieses Niveau an Spannung danach nicht mehr erreicht.
Als charaktergetriebenes Krimi-Drama ist Heat indes nach wie vor fantastisch und trotz der beinahe drei Stunden nie lang.


Fazit:
Woraus Manche eine Miniserie über 13 Episoden erzählen, packt Filmemacher Michael Mann inhaltlich in einen Film, bei dem die Figuren im Vordergrund stehen und was nicht durch sie ausgesprochen wird, mehr Platz einnimmt, als die Dialoge selbst. Die kühlen Aufnahmen von Los Angeles besitzen eine Authentizität, die nie stilisiert erscheint, und die Vorgehensweise sowohl der Polizei als auch der Gangster erweckt nie den Eindruck, als würde man einen überzeichneten Hollywood-Film sehen. Heat ist atmosphärisch dicht erzählt, trotz oder gerade auf Grund der Laufzeit, die sich Zeit nimmt, die Figuren aufzubauen und sie zu entwickeln, anstatt ihre Eigenschaften bei ihrem ersten Auftritt allesamt vorzustellen. Die komplexe Hintergrundgeschichte erfordert ein aufmerksames Publikum, ist jedoch erstklassig zusammengestellt. Keine Figur ist unnötig, keine Szene zu viel. Das heißt nicht, dass man hier nicht hätte straffen können – aber der Film hätte eine andere Wirkung, wenn der Regisseur es getan hätte.
Der kräftezehrende, beängstigend real erscheinende Schusswechsel ist nicht nur der dramatische Höhepunkt, sondern zählt zu den intensivsten Szenen, die in den letzten fünfzig Jahren überhaupt auf Film gebannt wurden. Ein monumentales Werk.
 


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