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Hautnah - Die Methode Hill: "Tödliche Worte" [2006]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. Oktober 2007
Genre: Krimi

Originaltitel: Wire in the Blood: "The Torment of Others"
Laufzeit: 82 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Declan O'Dwyer
Musik: The Insects
Darsteller: Robson Green, Simone Lahbib, Mark Letheren, Emma Handy, Peter Sullivan, Mark Penfold, Siobhan Finneran, Lee Warburton, Jethro Skinner, Andrew Westfield, Richard Dunning, Emily Bowker, Michael Webber, Aaron Crisp


Kurzinhalt:
Die Art und Weise, wie die junge, blonde Prostituierte in ihrer Wohnung getötet wurde, deutet auf einen Mann hin, der es unmöglich getan haben kann. Der potentielle Täter Derek Tyler (Andrew Westfield), der für Psychologe und Polizeiberater Tony Hill (Robson Green) in Frage kommt, sitzt seit vier Jahren in der Psychiatrie – und spricht nicht.
Wenig später wird eine weitere Leiche gefunden und DI Fielding (Simone Lahbib), die mit ihrem Team durch das Sittendezernat und die Ermittlerin DI Jan Shields (Siobhan Finneran) hinzugezogen wurde, läuft die Zeit davon. Tony glaubt nicht an einen Trittbrettfahrer und auch nicht an einen Komplizen. Vielmehr kristallisiert sich heraus, dass dem leicht beeinflussbaren Tyler die Morde von einer dritten Person befohlen worden sein könnten.
Unterdessen wagt die Polizistin Paula McIntyre (Emma Handy) einen folgeschweren Schritt und bietet sich als Lockvogel bei einer Undercover-Operation an. Doch schon bald gerät sie in die Fänge des Täters, der der Polizei immer einen Schritt voraus scheint ...


Kritik:
Es sind mitunter grausame Dinge, die Dr. Tony Hill durch das Studieren seiner Patienten zu Gesicht bekommt. Umso verstörender ist es, wenn der Psychologe nicht nur die Reaktion, sondern auch die Motivation der Gewaltverbrecher erahnt, sich so sehr in ihre Haut hineinversetzt, dass seine eigene Persönlichkeit dabei in den Hintergrund tritt.
Im zweiten Fall des neuen Teams Hill/Fielding schlägt sich der skurrile Psychologe einmal mehr durch eine Romanvorlage von Serienerfinderin Val McDermid. Zu spüren bekommt man das als Zuschauer auf zweierlei Arten, einerseits ist die Story in Aufbau und Spannung komplexer geraten, als noch beim Fall zuvor, andererseits sind die Verbrechen wie bei englischen Krimis leider nicht unüblich besonders grausam und brutal. Beinahe so, als wäre der Thrill gleich bedeutend mit der Menge an dabei gezeigtem Blut. Glücklicherweise profiliert sich der Krimi unter der Inszenierung von Regisseur Declan O'Dwyer aber durch eine rundum gelungene Atmosphäre und nicht durch einen buchstäblichen Overkill.

Auch wenn das Drehbuch die durchaus interessante und mitunter mit gelungenen Wendungen versehene Story durchaus zu entfalten vermag, es fehlen bei genauerem Betrachten viele kleine Details, die bei der Kürzung der Romanvorlage wohl nicht erhalten geblieben sind.
Gestaltet sich der Anfang noch sehr atmosphärisch und mysteriös, mit dem geschilderten "Innenleben" des Täters Derek Tyler auch ebenso verstörend, schlägt die geplante Undercover-Mission der bislang meist nur beiläufig gezeigten Paula McIntyre einen Haken, der schlicht nicht nachvollziehbar bleibt. Nicht nur, dass zuvor viel zu wenig über den Tathergang in Erfahrung gebracht wurde, es bleibt auch im Dunkeln, wie die Polizei wissen möchte, wo der Täter seine Opfer auswählt. Zwar wird die Motivation derjenigen Person aufgeklärt, die hinter den Verbrechen steht, doch wie sie ihre Instrumente auswählte, rekrutierte und weswegen die Pause zwischen den Mordserien entstand, ja weswegen überhaupt jener nicht rückgängig zu machende Schritt hin zu den Morden getan wurde, all das bleibt unbeantwortet.
Mag sein, dass sich Autorin McDermid dieser Fragen im Roman annimmt, bei einer umfassenden Umsetzung des Stoffes hätte all das aber nicht außen vor bleiben dürfen.
Nichtsdestotrotz verbergen sich in Tödliche Worte aber auch einige außergewöhnliche Momente. So gehören die stummen Minuten, in denen sich Tony Hill Derek Tyler mit Hilfe von Symbolen annähert, um zu verstehen, was in ihm vorgeht, zu den besten Momenten der letzten Krimis überhaupt. Und auch die Sicht auf die Welt aus der Perspektive der zu Mordinstrumenten umfunktionierten Täter verstört jedes Mal aufs Neue.

Getragen wird der Krimi einmal mehr von Hauptdarsteller Robson Green, der hier seiner Wut über die Unvernunft der Polizei auch endlich Luft machen darf und einen geheimnisvollen Spagat zwischen Verschlossenheit in der eigenen Welt Tony Hills und einem extrovertierteren, äußerlichen Reizen empfängnisbereiten Selbst wagen darf. Er macht seine Sache wie gewohnt sehr gut, lässt dabei gerade bei den Selbstgesprächen, in denen er über den Fall reflektiert, verschiedenste Facetten durchblitzen.
Bedauerlich ist dagegen nur, dass sich der Krimi zu einer wahren One-Man-Show entpuppt, was in Bezug auf die Lösung des Falles insbesondere Simone Lahbib außen vor lässt. So ist die neue Ermittlerin nur spärlich eingebunden und scheint gegenüber ihrer Kollegin vom Sittendezernat, Siobhan Finneran, die ebenfalls überzeugend mimt, wenn auch nicht übermäßig oft zu sehen ist, das Nachsehen zu haben.
Dagegen werden sowohl Mark Letheren, als auch Emma Handy stärken eingebunden, wobei letztere endlich zeigen darf, was in ihr steckt und die wachsende Verzweiflung angesichts ihrer Situation hervorragend einfängt.
So hätte man auch die übrigen Darsteller stärker mit einbeziehen können, dennoch leisten alle Beteiligten gute Arbeit, was für den Produktionsstandard der Krimireihe spricht.

An der Inszenierung von Regisseur Declan O'Dwyer gibt es indes nichts zu bemängeln, auch wenn die eingangs stark favorisierte Handkamera ihre Grenzen bisweilen überschreitet. Gerade bei den Konfrontationen zwischen Hill und Tyler, oder aber bei den Visionen der Täter schreitet der Regisseur ungeahnte Wege und überrascht mit einfallsreichen, beunruhigenden und verstörenden Bildern, einer stellenweise wirklich außergewöhnlichen Schnittreihenfolge und trotz der Thematik noch angenehm erträglichen Tatortbildern.
Handwerklich gibt es somit nicht viel zu bemängeln und auch die Ruhe, mit der manche Passagen eingefangen werden, steht im großen Kontrast zum Rest des Krimis. Mehr hätte man hier nicht erwarten können, zumal die Bilder in Kombination mit der atmosphärischen Musik beinahe schon hypnotisch erscheinen.

Es ist im Endeffekt ein Verdienst aller Beteiligten, dass Tödliche Worte trotz der etwas zusammengeschnittenen Vorlage immer noch ein stimmiges, packendes und vor allem auch spannendes Bild ergibt. Dafür steht einerseits die Story, die mit einigen Wendungen aufwartet, als auch der durchweg gute Cast, der einige der besten Leistungen Robson Greens zum Vorschein bringt.
Aber auch Kamera und Schnitt können überzeugen, balancieren gekonnt zwischen Stillstand und Hektik und fangen die Bilder ebenso schonungslos wie beunruhigend ein.
Am Ende hätte man sich eine stärkere Einbeziehung Alex Fieldings gewünscht und auch einige Antworten zu ihrem Privatleben, das nur am Rande geschildert wird. Auch die Zusammenhänge hinter dem Fall hätten stärker ausgeprägt sein müssen – dank des restlichen, stimmigen Gesamtbildes, kann man darüber aber glücklicherweise hinwegsehen.


Fazit:
Wenn Hauptcharaktere in britischen Krimis ins Fadenkreuz der Täter geraten, werden Fans zurecht hellhörig. Anders, als im US-Pendant ist es bei den europäischen Serien nichts zwangsläufig so, dass Hauptdarsteller unentbehrlich sind, ganz im Gegenteil.
Mit diesem Umstand spielt Tödliche Worte und zieht die Spannungsschraube im ohnehin sehr ungewöhnlich gehaltenen Krimi noch zusätzlich an. Zwar ist der Ausgang für versierte Fans zumindest Großteils schon in der Mitte zu erahnen, und auch die tiefer gehenden Erklärungen bleibt der Film schuldig. Dennoch vermag der Mix aus Mystery und Thriller zu überzeugen, fesselt dank einer sehr guten Umsetzung und einem ebenso gut gelaunten Robson Green, der auch dem alleinigen Kraftakt problemlos gewachsen ist.
Bleibt zu hoffen, dass das Team in Zukunft stärker auch als solches eingebunden wird. Dies wäre eine Entwicklung, die bislang nicht dagewesen ist.


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