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Hautnah - Die Methode Hill: "Das Recht zu schweigen" [2004]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. November 2004
Genre: Thriller

Originaltitel: Wire in the Blood: "Right to Silence"
Laufzeit: 85 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Andrew Grieve
Musik: The Insects
Darsteller: Robson Green, Hermione Norris, Emma Handy, Mark Letheren, Alan Stocks, Tom Chadbon, Christopher Fulford, Sally Edwards, Mark Penfold, Nicholas Tizzard, Stanley Townsend, Stuart Goodwin, Ryan Sampson


Kurzinhalt:
Carol Jordan (Hermione Norris) steht vor einer schweren Entscheidung, als ein ermordeter Mann gefunden wird, der nach demselben Muster getötet wurde, wie ein Täter ihrer erfolgreichsten Verhaftung seine Morde verübte. Sie zieht Tony Hill (Robson Green) zu Rate, der ihr nahe legt, dass Gavin Cochran (Christopher Fulford), der Mann in Gewahrsam, sicher nicht für den neuen Mord, und vermutlich nicht einmal für den alten verantwortlich war. Als Jordan Cochrans Bruder George (Nicholas Tizzard) vernehmen lässt, kommt es zur Eskalation und George wird schwer verletzt.
So setzt Gavin Cochran seinen Handlanger Denny Abrams (Stuart Goodwin) auf Carol Jordan an. Unterdessen versucht Tony Hill immer noch, aus den Taten schlau zu werden – bis er auf einen viel größeren Zusammenhang kommt, der auch Polizei und Justiz mit einschließt.


Kritik:
Der erste Schock kommt für reguläre Zuschauer der beliebten britischen Krimiserie recht früh – und bis sich der gelegt hat, dauert es auch eine Weile. Aber auch wenn gerade die Szenen zwischen Jordan und Hill auch diesen Teil der Reihe auszeichnen, die eigentliche Story um die Brüder Cochran und die Mächte, die ihnen mitgespielt haben, ist nicht nur bedeutend weniger interessant, sondern auch vorhersehbar, bisweilen unnötig in die Länge gezogen und dank der sterilen deutschen Synchronisation der Nebencharaktere auch nicht besonders unterhaltsam anzuhören.
Deshalb eignet sich Das Recht zu schweigen zwar gut für Fans, die aber keine neuen Entwicklungen der Charaktere erwarten dürfen. Alle anderen werden mit ein wenig Krimierfahrung den wahren Täter schnell ausgemacht haben und sich fragen, weswegen der TV-Film nochmals 40 Minuten gehen soll.

Was am Skript von Jeff Povey dabei am meisten auffällt ist die Tatsache, dass die übrigen Mitglieder von Jordans Team bei dem Fall kaum eingespannt werden. Zwar haben sie alle mehr oder weniger große Szenen, im Vergleich zu den bisherigen Einsätzen der zweiten Staffel, kommen aber sowohl Paula McIntyre und Kevin Geoffries, als auch Don Merrick deutlich zu kurz. Gleichzeitig versucht der Autor zwar, auf verschiedenen Ebenen neue Charaktere einzuführen und vorzustellen, darunter die Cochran-Brüder, die einen interessanten, wenn auch klischeebeladenen Hintergrund serviert bekommen, als auch den Täter selbst, allerdings entpuppen sich seine Figuren als zu eindimensional, zu altbekannt – so reicht die erste Information aus, dass man als Zuschauer wie beim Domino alle anderen Charakterzüge im Nu erschließen kann.
Die größte Überraschung gelingt Povey wie eingangs erwähnt bei der Eröffnungssequenz, die Fans wirklich kalt erwischen wird. Doch verlaufen die fortwährenden Neckereien zwischen Tony Hill und Carol Jordan immer nach demselben Prinzip, ehe der Autor sich für die Schlussszene wieder etwas einfallen lässt.
Highlights des 90 minütigen Thrillers sind erneut die Szenen mit Dr. Hill und seinen Gedankenspielchen, seinen Erkenntnissen, die er meist im Dialog mit sich selbst bekommt. Hier entfaltet der Krimi den gewohnten Charme der Reihe und zieht die Zuschauer auch in seinen Bann. In den übrigen Szenen gelingt ihm das leider selten.

Die Darsteller einzuschätzen fällt bei Das Recht zu schweigen sehr schwer; während Robson Green und Hermione Norris wie immer eine solide Darbietung abliefern und mit ihren Rollen auch zufrieden scheinen, spaltet sich das Lager der Gastdarsteller leider in zwei Gebiete. Während Sally Edwards als Hills Freundin Kate Lloyd ebenso wie Christopher Fulford, Stuart Goodwin und Nicholas Tizzard bei seinem Kurzauftritt sehr überzeugend spielen und in ihren Rollen aufgehen, hapert es gerade beim wichtigsten Gastdarsteller, Stanley Townsend, der hier seine Anwaltsrolle aus Die Finsternis des Lichts [2004] wieder aufnimmt.
Nicht nur bei seinen ersten Auftritten, auch beim Finale wirkt er schlicht nicht glaubhaft.
Die übrige Besetzung gibt sich sichtlich Mühe, darunter auch Ryan Sampson, der als Straßenjunge ein paar sehr schwere Szenen zu bewältigen hat.

Inszenatorisch zeigt sich Andrew Grieve routiniert, seine Kamerawinkel und Schnitte wissen grundsätzlich zu gefallen, auch wenn seine Szenenaneinanderreihung bisweilen (und insbesondere zu Beginn) verkrampft künstlerisch erscheint. Gerade zum Schluss zieht er aber das Erzähltempo und die Spannung sichtlich an und überzeugt mit durchdachten Szenen und Dialogeinstellungen.
Ebenso routiniert geben sich The Insects, die auch in Das Recht zu schweigen die gewohnten Themen der Reihe wieder einspielen und die Szenen mit beunruhigenden und dumpfen, atmosphärischen Klängen unterstützen. Dabei wirken sie zwar nie aufdringlich, dafür gerade im Vergleich zu den letzten beiden Filmen aber ab und an zu unscheinbar. Es werden alle bekannten Themen der Serie neu aufgewärmt, anstatt die Zuschauer mit neuen Melodien zu locken. Auch wenn dieser Krimi einen so hohen Aufwand nicht gerechtfertigt hätte, man hätte sich als Zuschauer mehr gewünscht.

Was somit am Schluss übrig bleibt ist ein solider Thriller, der aber Fans der Reihe enttäuscht zurücklassen wird. Die Atmosphäre ist weder so beklemmend wie in Die Finsternis des Lichts, noch die Story und die Darsteller so professionell wie in Bittere Tränen [2004]. Stattdessen pendelt sich der Film auf einem durchschnittlichen Niveau ein, das zwar im Fernsehen selten erreicht wird, aber nicht entschädigt, wenn man die wirklich guten Episoden der zweiten Staffel noch im Gedächtnis hat.
Wer neu in die Reihe einsteigen möchte, sollte dies tunlichst nicht bei diesem Fall tun, für Fans hält er zwar ein paar nette Anspielungen bereit und die Kontinuität der Hintergrundgeschichte ist ebenfalls einen Blick wert, aber weder als Drama, noch als Krimi vermag die vorletzte Episode der zweiten Staffel zu überzeugen.


Fazit:
Robson Green scheint an seiner Rolle ebenso viel Spaß zu haben wie Hermione Norris, und sie beide sind es auch, die diesen Fall des ungleichen Duos sehenswert für Fans der Serie machen. Doch sieht man von ihren gemeinsamen Szenen ab, enttäuscht Das Recht zu schweigen mit einer vorhersehbaren und wenig innovativen Geschichte, mitunter durchwachsenen Gastdarstellerleistungen und den geringen Charakterentwicklungen der Hauptfiguren.
Regisseur Andrew Grieve kleidet das zwar in eine solide Inszenierung, an der Vorlage ändert das aber wenig. Man kann nur hoffen, dass die Macher für die kommende letzte Episode der Staffel nochmals zulegen, so möchte man Hautnah ungern in die Pause bis zum dritten Jahr schicken.
Für Fans interessant, alle anderen werden hier nur leidlich unterhalten.


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