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Happy Deathday [2017]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. November 2017
Genre: Thriller / Horror / Komödie

Originaltitel: Happy Death Day
Laufzeit: 96 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Christopher Landon
Musik: Bear McCreary
Darsteller: Jessica Rothe, Israel Broussard, Ruby Modine, Charles Aitken, Laura Clifton, Jason Bayle, Rob Mello, Rachel Matthews, Ramsey Anderson, Brady Lewis, Phi Vu


Kurzinhalt:

Der Geburtstag der Studentin Tree (Jessica Rothe) könnte nicht schlimmer sein: Sie wacht morgens in einem fremden Bett auf, ohne sich überhaupt an den Namen ihres Kommilitonen, Carter (Israel Broussard), erinnern zu können. Darüber hinaus gibt es neuen Ärger in der Schwesternschaft, in der sie wohnt. Seit sie mit Danielles (Rachel Matthews) Schwarm geflirtet hat, ist die Stimmung im Keller und ihre Mitbewohnerin Lori (Ruby Modine) macht Tree Vorwürfe, weil sie eine Affäre mit dem verheirateten Arzt Gregory (Charles Aitken) unterhält. Doch all das kümmert Tree nicht – bis ihr am Abend ihres Geburtstags eine maskierte Person auflauert, die sie tötet. Aber statt zu sterben, wacht Tree wieder an ihrem Geburtstag auf und erlebt denselben Tag nochmal. Ihre einzige Möglichkeit, diesem Alptraum zu entkommen scheint es, herauszufinden, wer sie ermorden wird …


Kritik:
Es ist doch eher unwahrscheinlich, dass jemand, der sich einen Film wie Happy Deathday ansieht, nicht im Vorfeld weiß, worum es geht. Immerhin ist die Prämisse das größte Verkaufsargument von Christopher Landons Thriller-Horror. Dass die düstere Variante von Und täglich grüßt das Murmeltier [1993], in der die Studentin Tree ihren Todestag wieder und wieder erlebt, überraschend gut funktioniert, liegt vor allem an der gelungenen Umsetzung – und der Tatsache, dass die Filmemacher bewusst mit der absurden Idee spielen.

Dabei ist Hauptfigur Tree alles andere als eine nette Person. Vollkommen verkatert wacht sie zu Beginn auf, kann sich weder an den Namen des Mitstudenten erinnern, in dessen Bett sie liegt, noch was genau am Abend zuvor geschehen ist. Auch ihre Mitbewohnerinnen in der Studentenverbindung sind wenig von ihr begeistert, was offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruht. Es ist Trees Geburtstag und wird am Ende des Tages ihr letzter sein, als sie jemand mit einer Babymaske auf dem Gesicht ermordet. Umso überraschter ist sie, als sie wieder aufwacht und denselben Tag erneut durchlebt.
Weiß man, worauf die Geschichte von Happy Deathday hinauslaufen wird, macht man sich bereits ab dem ersten Moment auf die Suche nach dem bzw. der oder den Tätern. Hinweise streut Regisseur Christopher Landon dabei einige ein. Nicht zuletzt, da Tree keine sehr nette Person ist, hat sie wenige Menschen in ihrem Leben, die ihr nichts böses wollten.

Da wäre der Student Carter, in dessen Bett sie zu Beginn aufwacht und der merklich geknickt ist, als sie sich nicht einmal an seinen Namen erinnern kann. Aber auch die Anführerin ihrer Schwesternschaft, Danielle, mit dessen Schwarm sie sich eingelassen hat, hätte ein Motiv. Oder ihre Mitbewohnerin Lori, zu der sie stets gemein ist, von der Frau des Mannes ganz zu schweigen, mit dem sie eine heimliche Affäre führt. Die Auflösung, so viel sei verraten, wird ein aufmerksames Publikum kaum überraschen. Dafür sind einige Andeutungen schlicht zu offensichtlich und auch der Haken, den die Geschichte vor dem Finale einschlägt, ist zu schnell erzählt, als dass dies bereits die ganze Wahrheit sein könnte.

Nichtsdestotrotz kann man mit Tree Gelbman mitfiebern, weil sie sich nicht wie ein übliches Horror-Film-Opfer verhält. Sie geht nicht in dunkle Gassen, wenn die ganze Situation bereits unheimlich wirkt. Sie versucht, aus dem Zimmer zu rennen, anstatt stehen zu bleiben und wehrt sich, ehe sie kopflos davonläuft. Dabei ist sich Happy Deathday seiner absurden Grundstory durchaus bewusst und nutzt dies zu seinem Vorteil. Wie ähnlich die Ausgangslage zu Und täglich grüßt das Murmeltier ist, wird sogar erwähnt. Durch einen interessanten Einfall nimmt die Story Trees Martyrium die "Unendlichkeit", so dass die ihr verbleibende Zeit trotz der Wiederholungen schneller abläuft, als gedacht. Dabei erzählt Landon seinen Film unerwartet humorvoll. Angefangen mit schnippischen oder schlicht derben Kommentaren der einzelnen Figuren, bis hin zu einigen Situationen, in denen man trotz der Gewalt lachen muss. Glücklicherweise ist Happy Deathday erfrischend unblutig inszeniert, was offensichtlich nicht immer so gedacht war. Zumindest zwei Szenen erwecken den Eindruck, als wären sie gekürzt worden, um die Brutalität vor der Kamera zu reduzieren. Eine spielt sich dabei im Finale selbst ab, während in einer anderen eine vollständig geladene Waffe bereits nach ein paar Schuss leer zu sein scheint.

Die Entscheidung, Happy Deathday einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen (auch wenn die FSK-Freigabe ab 12 Jahren zu niedrig ausfällt), unterstreicht, dass der Film mehr Thriller als Horror ist. Die stärksten Momente sind dabei die ernsten, in denen der Filmemacher die Oberflächlichkeit von Trees Auftreten beiseite schiebt und hinter ihre zickige Fassade blickt. Nicht nur, dass Jessica Rothe auch in diesen Szenen eine tolle Darbietung liefert – ihr gelingt die gesamte Bandbreite der Figur tadellos –, sie verleihen der Figur merklich Tiefe.
Wer auf der Suche nach einem leichtfüßigen Horror-Thriller mit lockerem Humor ohne Grausamkeiten ist, der ist hier bestens aufgehoben. Und dass es so etwas im Windschatten der Schwemme an Filmen im Stile von Saw [2004] noch gibt, ist an sich bereits eine angenehme Überraschung.


Fazit:
Gerade angesichts der aberwitzigen Idee, die glücklicherweise nicht abstrus erklärt wird, obwohl es Hinweise gibt, ist es wichtig, dass die Besetzung die Geschichte trägt. Regisseur Christopher Landon versammelt hier Akteure vor der Kamera, die ihre Rollen mit einer Natürlichkeit zum Leben erwecken, dass sowohl die spannenden als auch die lustigen oder ernsten Momente gelingen. Happy Deathday ist ein tadellos inszenierter, überraschend amüsanter Horror-Thriller, der sich seiner großen Vorbilder wohl bewusst ist. An Genregrößen wie Scream [1996] reicht er zwar nicht heran, aber dank der teils bissigen Einzeiler, der soliden Umsetzung und der sympathischen Darsteller kann man sich hier gelungen unterhalten lassen. Glücklicherweise ohne den in den jüngsten Jahren bei ähnlichen Produktionen so exzessiven Gewaltgrad.
 


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