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Hangman: The Killing Game [2017]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. April 2018
Genre: Krimi / Thriller

Originaltitel: Hangman
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Johnny Martin
Musik: Frederik Wiedmann
Darsteller: Al Pacino, Karl Urban, Brittany Snow, Sarah Shahi, Joe Anderson, Michael Papajohn, Chelle Ramos, Michael Rose, Odessa Rae, Steve Coulter


Kurzinhalt:

Nach längerer Abwesenheit kehrt der um seine ermordete Frau trauernde Polizist Will Ruiney (Karl Urban) zum Dienst zurück. Seine Vorgesetzte, Captain Lisa Watson (Sarah Shahi)‚ teilt ihm die Journalistin Christi Davies (Brittany Snow) zu, die für einen geplanten Beitrag über die Polizeiarbeit hospitiert. Als sie am Tatort eines brutalen Mordes Hinweise entdecken, die zu Ruineys früherem Partner Ray Archer (Al Pacino) führen, bittet Will diesen um Hilfe. Bald gibt es die nächste Leiche und wieder wurde das Opfer erhängt und ein Buchstabe im Oberkörper eingeritzt. Es ist, als würde der Killer das „Galgenspiel“ spielen und mit jedem Mord einen weiteren Buchstaben offenbaren. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem nicht nur weitere Leben auf dem Spiel stehen, sondern auch eine direkte Verbindung zu Wills und Rays Vergangenheit besteht …


Kritik:
Dass selbst Thriller, die nach den üblichen – und vorhersehbaren – Regeln der Zunft erzählt werden, nicht nur ihre Berechtigung, sondern auch einen nicht zu leugnenden Charme besitzen, ist unbestritten. Man denke beispielsweise an Knight Moves – Ein mörderisches Spiel [1992]. Aber auch wenn diese Streifen oft schnell produziert und sogar von der mitunter namhaften Besetzung hölzern gespielt sind, nehmen sie sich doch für gewöhnlich selbst ernst genug, eine stringente Story zu erzählen, unabhängig der darin eingebetteten Klischees. Aber genau daran scheint Regisseur Johnny Martin in Hangman: The Killing Game nicht interessiert, was insofern bedauerlich ist, dass selbst aus der überraschungsarm unvorhersehbaren Geschichte ein durchaus spannender Crime-Thriller hätte werden können.

Im Zentrum stehen drei Figuren: Der von Al Pacino gespielte, im Ruhestand befindliche Ex-Polizist Ray Archer, Karl Urbans Will Ruiney, ebenfalls Polizist, und die von Brittany Snow verkörperte investigative Journalistin Christi Davies, die für einen Beitrag recherchiert und Ruiney auf seinen Einsätzen begleitet. So vertraut die Konstellation auch klingen mag, die wäre durchaus ausbaufähig – wenn es das Drehbuch nur versuchen würde. Statt die Geschichte aus Christis Sicht zu erzählen, erfährt man über keine der Figuren nennenswerte Details. Dass Ruiney und Archer Partner gewesen sind, wird irgendwann einmal erwähnt (und rundet das Klischee ab), aber nicht einmal im Teaser, der vor dem Titel zu Beginn zu sehen ist, taucht Will auf. Der Grund, weshalb dieser einige Zeit vom Dienst freigestellt war, wird ebenfalls lange verschwiegen, auch wenn sich Genrekenner bereits denken können, dass der Mord an seiner Frau mit der Story hier unmittelbar zusammenhängt.

Diese führt den abweisend auftretenden Will und Christi an ihrem ersten Abend zu einem Tatort, an dem eine Frau erhängt wurde. Auf ihrem Oberkörper wurde großflächig ein Buchstabe eingeritzt und nahe der Leiche entdecken sie einen Hinweis, der sie zurück zu Archer führt. Da dies ein Jahr spielt, nachdem man den erfahrenen Polizisten zuletzt gesehen hat, überrascht nicht, dass dieser inzwischen im Ruhestand ist. Beide nehmen die Ermittlungen auf und sehen sich alsbald einem psychopathischen Serienmörder gegenüber, der ein Galgenspiel (englisch: „Hangman“) mit ihnen spielt und bei jedem Opfer einen Hinweis auf das nächste hinterlässt.
Dass die Gewalt gegen die Opfer dabei nicht gezeigt wird, ist eine gute Entscheidung. Immerhin bekommt man das Ergebnis zu sehen. Dass Hangman: The Killing Game ausgerechnet beim letzten Opfer – dessen Wahl niemanden überraschen wird – davon abweicht und das brutale Vorgehen des Killers zeigt, ist unverständlich und unnötig.

Was dabei zunehmend stört ist das Verhalten der Figuren, das immer weniger Sinn ergibt. So nehmen die Polizisten die unbewaffnete Journalistin weiter mit zu den Tatorten, selbst wenn sie dem Mörder immer dichter auf den Fersen sind. Dass sie sie damit einer unkalkulierbaren Gefahr aussetzen, scheinen sie gedankenlos hinzunehmen. Darüber hinaus fordern sie nie Unterstützung an, sondern stürmen zu zweit darauf los.
Auf diese Weise versäumt es das Skript von Hangman: The Killing Game, seine Story glaubhaft oder überhaupt spannend aufzubauen. Abgesehen von den kaum ausgearbeiteten Figuren, über deren Motivation man nichts erfährt – ebensowenig wie über Christis Privatleben – scheinen die Autoren auch an dem Galgenspiel selbst wenig interessiert. Die Auswahl der Opfer ist im besten Fall zufällig und ein wirkliches Ziel verfolgt der Psychokiller am Ende ebenfalls nicht. Dass die entscheidenden Zusammenhänge in sekundenkurzen Erinnerungen der Ermittler offenbart werden, man also gar nicht genügend wissen konnte, um mitzurätseln, degradiert das Publikum schließlich endgültig auf die Zuschauerbank.

Da hilft es auch nicht, dass die Macher im letzten Drittel alle möglichen Elemente in den Ring werfen, um ihrem Thriller Relevanz zu verleihen. Angefangen von einem nicht verarbeiteten Kindheitstrauma bis hin zur Social-Media-Kritik, wenn der letzte Mord live im Internet gestreamt wird. Bis dahin ist das Spiel buchstäblich längst vorbei – und was das gesuchte Wort war bereits vergessen. Garniert wird das mit einem Verweis auf eine Fortsetzung am Ende. Ob überhaupt Interesse an einer weiteren Runde besteht, sei dahingestellt.

Die Heimvideoveröffentlichung von Hangman: The Killing Game durch „Concorde Home Entertainment“ überzeugt indes durch eine tadellose Bild- und Tonqualität (letztere in deutscher und englischer Sprache in DTS-HD Master Audio 5.1). Die Extras sind allerdings recht spärlich mit einer nur fünfminütigen Featurette, in der die Beteiligten über ihre Motivation, an dem Projekt mitzuwirken sprechen, sowie den Trailer zum Film. Einen Kommentar von Regisseur Johnny Martin sucht man vergebens. Dafür dürfen sich Zuschauer der deutschen Sprachfassung auf Al Pacinos bekannte Synchronstimme freuen. Fans machen mit der Blu-ray somit nichts falsch.


Fazit:
Dass man die Geschichte überaus packend erzählen könnte, wird spätestens bei der Sequenz an den Bahngleisen offensichtlich. Hier springt einem förmlich ins Auge, dass dies spannend geschnitten und mitreißend als Highlight des Thrillers gedacht ist. Doch schafft das Regisseur Johnny Martin leider nur in Ansätzen. Zu ungelenk ist der Schnitt, zu fahrig und schnell der Aufbau. Es ist beinahe, als wäre der Film gar nicht an sich selbst interessiert. Das Galgenspiel-Element oder die Rätsel spielen irgendwann keine Rolle mehr, so dass die unzähligen Klischees umso mehr auffallen. Selbst die namhaften Schauspieler agieren nur auf Autopilot – offensichtlich jedoch ohne Kursvorgabe. Al Pacino fällt es anscheinend schwer, die Augen offen zu halten, während Karl Urban ziellos grimmig dreinschaut. Brittany Snows Christi hingegen erweckt den Eindruck, als wäre sie die meiste Zeit über lieber woanders. Man kann es ihr nicht verdenken. Aus der Idee von Hangman: The Killing Game ließe sich mit Sicherheit ein ordentlicher, wenn auch nicht einfallsreicher Crime-Thriller stricken. Oder zumindest eine routinierte Videoproduktion, bei der man am Samstagabend beim Zappen hängenbleibt. Keines von beidem ist dem Regisseur hier gelungen.

Blu-ray-Wertung:
4 von 6 Punkten
Hangman: The Killing Game ist seit dem 5. April 2018
als DVD, Blu-ray und digital bei Concorde Home Entertainment erhältlich!
 


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