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Halo Legends [2010]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 9. März 2019
Genre: Animation / Science Fiction / Action

Originaltitel: Halo Legends
Laufzeit: 120 min.
Produktionsland: USA / Japan
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Shinji Aramaki, Hideki Futamura, Toshiyuki Kan’no, Tomoki Kyôda, Yasushi Muraki, Kôji Sawai, Kôichi Mashimo, Daisuke Nishio, Hiroshi Yamazaki
Musik: Eiko Konoo, Tetsuya Takahashi, Yasuharu Takanashi
Originalstimmen: Shelley Calene-Black, David Wald, Deke Anderson, Luci Christian, Josh Grelle, Brittney Karbowski, Greg Ayres, Chris Ayres, Atsuko Tanaka, David Matranga, Akio Ôtsuka, John Swasey, Emily Neves, Chris Patton


Kurzinhalt:

Im 26. Jahrhundert kämpft die Menschheit gegen eine Allianz von Aliens ums Überleben. Die größte Hoffnung der UNSC‑Streitkräfte ist die von Dr. Halsey (Shelley Calene-Black / Atsuko Tanaka) ins Leben gerufene Einheit von Elite-Soldaten, die Spartans. Der Master Chief (David Wald) ist einer ihrer tapfersten und erfahrensten Krieger. Aber es gibt in diesem Krieg viele Helden und viele Opfer, auf und abseits des Schlachtfeldes. Ihrer aller Schicksal wird am Ende durch die Halo-Ringe entschieden, mit denen sich die schlimmste parasitäre Plage des Universums beseitigen lässt – zu einem unvorstellbar hohen Preis …


Kritik:
Als zum Start von Microsofts Videospielkonsole Xbox im Jahr 2001 der Science Fiction-Shooter Halo: Kampf um die Zukunft erschien, war die Resonanz riesig. Auf Grund der filmreifen Präsentation und der auf eine epische Größe angelegten Geschichte wurde die Frage früh laut, ob man diese nicht auch in anderen Medien erzählen könnte. Planungen zu einem Kinofilm begannen bereits 2005, doch über die Konzeptphase kamen die Macher nie hinaus. Auch eine immer noch in Entwicklung befindliche TV‑Serie wurde bislang nicht realisiert. Neben zwei Mini‑Serien, die mit realen Darstellerinnen und Darstellern gedreht wurden, entstand im Jahr 2009 eine Reihe von Anime-Shorts, die als Halo Legends veröffentlicht wurden. Sechs der sieben Geschichten gehören offiziell zum Halo-Universum. Doch das ändert nichts daran, dass Kenner der Reihe (wieder einmal) nicht diejenigen Abenteuer erzählt bekommen, die sie sich seit Jahren erhoffen. Oder auf eine Art und Weise, die auch ein neues Publikum anlocken könnte.

Die Grundgeschichte der Halo-Spiele findet im 26. Jahrhundert statt und handelt von einem Konflikt der Menschheit gegen einen Verbund von Außerirdischen, der sich die „Allianz“ nennt. Die größte Hoffnung der Menschen in diesem Kampf ist die Sondereinheit der UNSC-Streitkäfte, die SPARTAN-II-Supersoldaten. Zentrale Figur der Reihe ist der Master Chief, John-117, der es im Alleingang mit der Allianz aufnimmt, unterstützt von der treuen Künstlichen Intelligenz seines gepanzerten Anzugs, Cortana. Wie viele andere Videospiele ebenfalls, erweist sich auch bei Halo die technische Präsentation als ausgefeilter als die erzählerische. Das bedeutet, dass die Geschichte an sich, so groß sie erscheint und so weitläufig sie sich gibt, ohne gewisse Hintergrundinformationen keinen Sinn zu ergeben scheint. Berichte in Magazinen, Bücher und vieles weitere füllte Stück für Stück diese Lücken. Ebenso verhält es sich mit den Kurzfilmen in Halo Legends.

Im einleitenden Teil Origins (angesiedelt nach den Ereignissen von Halo 3 [2007]) erzählt Cortana die Hintergrundgeschichte der Menschen, der Flood-Parasiten und auch der Allianz. Der Kurzfilm bietet somit auch denjenigen, die mit dem Universum nicht vertraut sind, einen guten Überblick und erinnert ein wenig an einen Prolog, der den jeweiligen Videospielen vorangestellt sein sollte. Homecoming, Prototype und The Babysitter widmen sich anderen Figuren und ermöglichen somit eine andere Perspektive auf Ereignisse, die in den Spielen höchstens erwähnt werden.
The Duel wechselt den Blickwinkel zur streng religiösen Allianz und handelt von einem Gebieter, der sich den Vorstellungen der die Allianz anführenden „Propheten“ nicht fügen will. Die Geschichte macht dabei ein grundlegendes Problem von Halo Legends deutlich: Hatte man bislang nur einen begrenzten Einblick in die verschiedenen Kulturen der Spezies der Allianz bekommen, bemühen sich die Filmemacher hier, ein umfassenderes Bild zu zeichnen – und verfallen dabei in gewohnte, menschliche Muster. Denn statt dass sich diese Wesen und ihre Gebräuche von den menschlichen grundsätzlich unterscheiden würden, hat es den Anschein, man würde ein Drama aus dem feudalen Japan mit außerirdischen Figuren zu sehen bekommen. Handwerklich ist das auf Grund der eigenwilligen und kreativen Optik durchaus sehenswert, inhaltlich aber zu klischeehaft.

Die Episode Odd One Out soll eine Satire auf das gesamte Halo-Universum darstellen, doch das Gezeigte ist weder witzig, noch überaus einfallsreich – auch wenn es sicherlich Fans geben mag, die sich einmal die Frage stellten, ob es ein Spartan mit einem Dinosaurier aufnehmen könnte. Der Abschnitt ist entsprechend nicht Teil des Kanon.
Eine der größten Enttäuschungen ist jedoch The Package, obwohl die Geschichte, ebenso wie Origins, unmittelbar mit dem bekannten Science Fiction-Universum verknüpft ist. Nicht mit stilisierten Animationen, sondern per CGI zum Leben erweckt, erinnert der Abschnitt von der Machart her am ehesten an die Videosequenzen der Spielereihe, ohne jedoch jemals deren Plastizität, Finesse oder Detailreichtum zu erreichen. Dass ausgerechnet diese Episode mit der schwächsten musikalischen Untermalung versehen ist, ist geradezu ein Ärgernis. Immerhin greifen andere Kurzfilme auf den zu Recht mehrfach preisgekrönten Original-Score der Videospiele von Martin O'Donnell und Michael Salvatori zurück.

Nimmt man alle sieben (bzw. sechs) Geschichten zusammen, hinterlässt Halo Legends einen sehr uneinheitlichen Eindruck. Nicht nur, dass es die Macher versäumen, eine richtige Rahmenhandlung zu stricken und die einzelnen Storys darin einzubetten, die Episoden selbst besitzen für das bekannte Universum keine gleichermaßen zutreffende Relevanz. Die unterschiedliche Machart passt der Science Fiction-Reihe erstaunlich gut, obwohl es vielleicht eine bessere Wahl gewesen wäre, einen gemeinsamen Stil zu finden. Aber die vielen langgezogenen Momente, in denen eine Dramatik erzeugt werden soll, welche die Figuren nie entwickeln, lassen den Blick gelegentlich zur Uhr wandern. Ob sich damit neue Zuschauerinnen und Zuschauer anlocken lassen, darf bezweifelt werden. Kenner und Fans werden sich statt der vielen kurzen Geschichten wünschen, dass eine epische Story um den Master Chief selbst inszeniert würde – auch diesen Wunsch erfüllen die Kurzfilme nicht.


Fazit:
Insbesondere Einsteiger werden die komprimierte Hintergrundgeschichte der Spielereihe in Origins zu schätzen wissen. Aber auch hier verbergen sich, wie beispielsweise bei Homecoming, viele unnötig ausgedehnte Momente, die letztlich nur die Laufzeit verlängern, ungeachtet der sehenswert kreativen Inszenierung. In den Kurzfilmen andere Perspektiven auf den bekannten Werdegang der Figuren zu werfen, klingt nach einer guten Idee, nur dass die vertrauten Charaktere kaum beleuchtet werden. Der Master Chief ist hier bis auf ein Segment nur eine Randfigur und in der englischen Sprachfassung haben sowohl er als auch Cortana die falschen Synchronstimmen. Das nagt an der Authentizität. Insofern erweckt Halo Legends mehr den Anschein, dies wäre ein Fanprojekt, denn ein offizieller Bestandteil des Science Fiction-Universums. Dafür greifen die Geschichten zu wenig ineinander oder sind für das bekannte Franchise wichtig. Wenn überhaupt, unterstreichen sie, dass sich Halo für ein auf der großen Leinwand erzähltes Abenteuer durchaus eignen würde. Aber das wussten Fans auch vorher bereits.
 


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