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Halloween – Die Nacht des Grauens [1978]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. Oktober 2015
Genre: Horror / Thriller

Originaltitel: Halloween
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1978
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: John Carpenter
Musik: John Carpenter
Darsteller: Donald Pleasence, Jamie Lee Curtis, Nancy Kyes, P.J. Soles, Charles Cyphers, Kyle Richards, Brian Andrews, John Michael Graham, Nancy Stephens, Arthur Malet


Kurzinhalt:

15 Jahre nachdem in der Halloween-Nacht in der Kleinstadt Haddonfield in Illinois ein grausamer Mord an einer 17jährigen geschah, flieht der Täter – Michael Myers – aus dem Sanatorium und kehrt an den Ort seines ersten Verbrechens zurück. Auch wenn sein behandelnder Arzt, Dr. Sam Loomis (Donald Pleasence), Sheriff Brackett (Charles Cyphers) überzeugen kann, in welcher Gefahr die Anwohner schweben, sie können Myers nicht ausfindig machen. Unterdessen bereiten sich die Freundinnen Laurie (Jamie Lee Curtis), Annie (Nancy Kyes) und Lynda (P.J. Soles) darauf vor, den Abend jeweils als Babysitter zu verbringen. Sie ahnen nicht, dass sie längst ins Visier des Mörders geraten sind ...


Kritik:
Setzt zu dem einprägsamen Vorspann die unverwechselbare Titelmusik von Halloween – Die Nacht des Grauens ein, die Regisseur John Carpenter selbst komponierte, dann könnte das Tempo und die Energie, die die elektronischen Töne transportieren, kaum einen größeren Kontrast zum folgenden Film bieten. Anstatt aus schnellen Schnitten und hektischen Kamerabewegungen, zieht er seine Spannung aus der widerspenstigen Ruhe seiner diabolischen Hauptfigur. Die Inszenierung scheint dabei beinahe behäbig, ist aber meisterlich präzise.

Die überlegte Umsetzung zieht sich durch den gesamten Film, ist aber nirgendwo so offensichtlich wie bei der unerreichten, vierminütigen Eröffnungssequenz, die ohne Schnitt aus der Sicht einer Figur gezeigt wird. Sie beobachtet zwei Teenager in einem Haus, schleicht sich hinein und begeht ein schreckliches Verbrechen. Als Zuseher wird man hier gezwungen, die Tat aus der Sicht des Täters zu erleben, was durch die Sichtschlitze noch verstärkt wird. Auch wenn dies – wie viele Elemente, die Halloween seinerzeit eingeführt hat – unzählige Male kopiert wurde, gelingt es John Carpenter, den Abschnitt nicht voyeuristisch zu gestalten. Dass er die Sequenz ohne Schnitt präsentiert, erhöht die Spannung ungemein.

Ebenso bemerkenswert ist die Einstellung, die sich daran anschließt, wenn man als Zuseher die Zusammenhänge zu verstehen beginnt und das Bild einer tadellosen Nachbarschaft mit den drei Personen im Mittelpunkt ins Wanken gerät.
Die eigentliche Geschichte von Halloween setzt 15 Jahre später am 31. Oktober 1978 an. Im Zentrum stehen die drei befreundeten Schülerinnen Laurie, Annie und Lynda, die am Halloween-Abend jeweils babysitten. In die Idylle der beschaulichen Kleinstadt in Illinois bricht ein aus dem Sanatorium entflohener Insasse ein, der sein Verbrechen von damals wiederholt. So scheint es zumindest.

Als Carpenters Horror-Klassiker seinerzeit im Kino lief, war der Film ab 18 Jahren freigegeben und das, obwohl er erstaunlich unblutig ist. Zwar begründete er den so genannten Slasher-Film, was ihm folgte, war jedoch in Sachen Brutalität ganz anders einzuordnen. Das trifft bereits bei der ebenfalls vom Regisseur mit umgesetzten Fortsetzung zu. Was die Jugendschutzhüter damals unter anderem zu der hohen Altersfreigabe bewogen haben mag, ist die Tatsache, dass dem Täter ein Motiv fehlt. Seine Morde scheinen ziellos, wenn schon nicht in dem Maße grausam.
Erst nach der Hälfte des Films zieht der Killer mit der unheilvollen Maske sein Messer und sucht sich sein zweites Opfer. Für diese Art Film ist das unerwartet lange und bietet Carpenter die Möglichkeit, seine eigentliche Hauptfigur Laurie besser zu etablieren. Auch erfährt man durch Dr. Loomis vom Sanatorium, der Michael Myers in seinen Heimatort gefolgt ist, mehr über dessen Hintergründe.

Dieser Aufbau ist es, der die vor Spannung knisternde Atmosphäre ausmacht. Filmemacher John Carpenter hatte damals verstanden, dass der wahre Horror nicht das literweise vergossene Blut oder Ekel erregende Make-up-Effekte sind. Der Horror ist, was vorher geschieht. Es ist eine Erkenntnis, die Filmemacher heute vergessen zu haben scheinen und dank derer Halloween – Die Nacht des Grauens heute wie damals ein Genreklassiker ist.


Fazit:
Handwerklich zählt Halloween – Die Nacht des Grauens trotz oder gerade auf Grund seines kleinen Budgets zu den besten Filmen dieser Art. Kamera und Schnitt sind meisterhaft eingesetzt, die Perspektiven mit einer Bildersprache versehen, dass man sie alle einzeln analysieren könnte und dank der Musik, die einem einen eisigen Schauer über den Rücken jagt, kommen sie noch besser zur Geltung. Mag sein, dass der Film nicht viel Handlung bietet und einen langen Anlauf nimmt, ehe sich die Geschichte in dem oft kopierten Finale entlädt. Man darf nicht vergessen, wie viele Ideen, die hier neu waren, durch die zahllosen Kopien in fast 40 Jahren zum Klischee geworden sind.
Vielen heutigen Zuschauern wird John Carpenters Vision eines unnachgiebigen Killers und des Terrors, den er bei seinen Opfern verbreitet, zu zahm sein. Man ist es inzwischen gewohnt, dass Horror mit Splatter gleichgesetzt ist, dass einen die Erschreckmomente anspringen müssen, um irgendeine Reaktion beim Publikum hervor zu rufen. Dabei ist es der stückweise Aufbau von Michael Myers' Legende und sein Auftritt als stummer, zielstrebiger und nicht tot zu kriegender Mörder, die für den größten Schrecken sorgen. Mit welchen Mitteln der Filmemacher dies erreicht, ist heute so sehenswert wie damals.    


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