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Foxcatcher [2014]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 20. September 2015
Genre: Biografie / Drama

Originaltitel: Foxcatcher
Laufzeit: 134 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Bennett Miller
Musik: Rob Simonsen
Darsteller: Channing Tatum, Steve Carell, Mark Ruffalo, Sienna Miller, Vanessa Redgrave, Anthony Michael Hall, Guy Boyd, Brett Rice, Jackson Frazer, Samara Lee, Francis J. Murphy III


Kurzinhalt:

Als John du Pont (Steve Carell) im Jahr 1987 an den Olympiasieger im Ringen, Mark Schultz (Channing Tatum), herantritt und ihm die Möglichkeit in Aussicht stellt, endlich aus dem Schatten seines großen Bruders David (Mark Ruffalo) herauszutreten, glaubt sich Mark endlich am Ziel. Verbissen versucht er, John zu gefallen. Doch als die Olympischen Spiele in Seoul 1988 näher rücken und du Pont stärker unter dem eigenen Erwartungsdruck steht, holt er David als Trainer mit an Bord. Es ist der Beginn einer Tragödie, die lange unvorhersehbar schien und dabei doch unaufhaltsam ist ...


Kritik:
Innerhalb der ersten 10 Minuten bei Foxcatcher bekommt das Publikum einen Übungskampf der Olympiasieger Mark und David Schultz gezeigt. Es ist eine Szene, in der innerhalb weniger Minuten die Intensität des Kampfes so stark ansteigt, dass die Situation beinahe schon bedrohlich wirkt. Regisseur Bennett Miller zeigt darin, wie sehr seine Darsteller sich in ihren Rollen verlieren. Sie dabei zu beobachten ist ebenso erstaunlich wie beängstigend. Doch so beeindruckend die Rollen zum Leben erweckt werden, so leblos ist die übrige Nacherzählung der wahren Tragödie.

Im Zentrum stehen zwei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten, die jedoch das gleiche Bedürfnis nach Anerkennung besitzen. Mark Schultz, von Channing Tatum derart intensiv verkörpert, dass seine Darbietung an sich eine Oscarnominierung hätte erlangen müssen, steht seit jeher im Schatten seines großen Bruders David. Während dieser eine Familie gegründet hat, lebt der 27jährige Mark für den Ringersport und verdient sich zwischen den Wettkämpfen Geld mit Reden, die er an Stelle seines Bruders hält, der eigentlich vom Veranstalter gebucht worden ist. Sieht man Mark sich bewegen, seinen beinahe schon zerstörerischen Ehrgeiz, erkennt man schnell die gefährliche Kombination, als der reiche John du Pont den seit den letzten Olympischen Spielen untergegangenen Mark anspricht.

Du Pont – nicht minder brillant gespielt von Steve Carell – hat ein Ziel vor Augen: Er will die "Foxcatcher Farm" zur größten und einzigen Anlaufstelle für den professionellen Ringersport machen. Zusammen mit Mark will er zuerst bei der kommenden Weltmeisterschaft punkten und wenig später bei den Olympischen Spielen. Von John bekommt Mark die Anerkennung, die er nie erhalten hat. Doch dafür sind du Ponts Anforderungen sehr hoch. Foxcatcher zeigt diese beiden Figuren, von denen eine manipulativ ist und die andere willig, sich manipulieren zu lassen. Etwa nach der Hälfte der Erzählung wird Mark so zu einer Person, die er ursprünglich nicht sein wollte, geformt nach dem Willen von John du Pont.

Aber wie schon erwähnt geht es auch dem einflussreichen Familienerben um Anerkennung, hier von seiner Mutter Jean. Für sie ist das Ringen ein niederer Sport und die Szene, in der sie ihn in der Trainingshalle beobachtet und John darum bemüht ist, ihr mit einem Training zu imponieren, gehört zu den unangenehmsten des Films. Der Moment ist auf eine deprimierende Art peinlich, dass man am liebsten wegsehen möchte.
Zu der Zeit hat John bereits David mit an Bord geholt, um die die Foxcatcher-Mannschaft für Olympia zu trainieren. Es ist ein Schlag ins Gesicht für Mark und wer bis dahin noch nicht erkannt hat, dass dies eine Geschichte ohne Gewinner ist, der sollte es spätestens dann merken.

Sowohl Carell, als auch Tatum zeigen hier eine Wandlungsfähigkeit, die man ihnen nicht zugetraut hätte. Das vielschichtige Spiel von Mark Ruffalo rundet die herausragende Besetzung ab. Wie gelungen er Marks Bruder David verkörpert, erkennt man dann, wenn man die ähnlichen Bewegungsabläufe der beiden beobachtet. Foxcatcher ist grandios, fordernd und anstrengend gespielt und nicht weniger eindrucksvoll gefilmt. Die aussagekräftigen Bilder besitzen eine eigene Sprache, deren Perspektiven das Gesagte unterstützen, manchmal das aussagen, was nicht in Worte gefasst wird. Doch so gelungen das ist, die meisten Momente wirken einen Tick zu lang. Die Pausen zwischen den Dialogen so, als müssten die Figuren, die sie sprechen über die Antworten erst nachdenken. Wenn sie sie aber sagen klingen sie zu geschliffen, als wären sie auswendig gelernt.

Dieser zweifellos künstlerische Ansatz macht den Film unnötig lang, wodurch die eindringlichen Momente nicht nur plötzlich erscheinen, sondern auch an Kraft verlieren. Der Blick auf diese unterschiedlichen Charaktere gelingt Filmemacher Miller ausgezeichnet. Man würde sich nur wünschen, dass er sich nicht ganz so lange Zeit dafür lässt.


Fazit:
Es ist eine unwahrscheinliche Kombination aus unterschiedlichen Charakteren, die zusammenkommen musste, damit geschah, was sich am Ende des Films im Frühjahr 1996 zugetragen hat. Dabei sind die wahren Ereignisse, die Filmemacher Bennett Miller hier ausblendet, an sich packender als das Gezeigte. Nicht nur, dass Foxcatcher vieles zusammenfasst, hätte man die Erzählung stärker auf John du Pont konzentriert, wäre ein genaueres Porträt dieser eigentlich armen Persönlichkeit möglich gewesen.
So versucht sich der Film an beiden Hauptfiguren, John und Mark, der am Ende beinahe eine Nebenrolle spielt. Das schmälert nicht die Leistung der drei Hauptdarsteller, die auf fast schon beängstigende Weise in ihren Figuren aufgehen. Auch mindert es nicht die grandiose Optik oder die beinahe nüchtern dokumentarische Erzählung. Hätte der Film jedoch seine Prioritäten anders gesetzt, wäre er nicht nur aufwühlend, sondern auch spürbar fesselnder. Letzteres ist er leider nicht.    


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