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Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe [2017]

Wertung: 1.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. Oktober 2017
Genre: Liebesfilm / Drama

Originaltitel: Fifty Shades Darker
Laufzeit: 131 min.
Produktionsland: USA / China
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: James Foley
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Dakota Johnson, Jamie Dornan, Eric Johnson, Eloise Mumford, Bella Heathcote, Rita Ora, Luke Grimes, Victor Rasuk, Max Martini, Bruce Altman, Kim Basinger, Marcia Gay Harden, Andrew Airlie


Kurzinhalt:

Nachdem sich Anastasia Steele (Dakota Johnson) von Multimilliardär Christian Grey (Jamie Dornan) getrennt hat, ist dieser darum bemüht, sie zurückzugewinnen. Nach einem gemeinsamen Abendessen finden die beiden wieder zusammen und dieses Mal soll es anders werden. Doch dann wird Anastasia auf der Straße von Leila (Bella Heathcote) angesprochen, die früher eine von Christians Partnerinnen war. Die junge Frau stalkt das Paar und Anastasia im Speziellen. Dabei fragt sich Ms. Steele zunehmend, ob sie Christian wirklich die Art Beziehung bieten kann, die er braucht. Doch ist Leila nicht die einzige Bedrohung, denn auch Elena (Kim Basinger), die Christian damals mit BDSM vertraut gemacht hat, sieht in Anastasia eine Konkurrentin …


Kritik:
Die gute Nachricht zur Fortsetzung von Fifty Shades of Grey [2015], Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe, ist, dass der Film nach dem ersten Teil nicht enttäuscht. Allerdings nur, sofern man wieder ein inhaltsleeres, in Hochglanzbildern eingefangenes und gähnend langweiliges Pseudo-Drama mit einigen Erotikeinlagen erwartet. Von letzteren sind hierbei zwar einige mehr zu sehen und man könnte auch sagen, dass sie "prickelnder" wären, wäre die Stimmung zwischen den beiden Hauptfiguren nicht unterkühlter als ein Eisberg.

Wer außer dem produzierenden Studio an einer Fortsetzung der Liebesgeschichte – sofern man die unterwürfige Beziehung zwischen Anastasia Steele und dem in jeder Hinsicht übermenschlich ausgestatteten Christian Grey so nennen möchte – interessiert ist, erfährt hier (endlich), wie es weitergeht. Sollte man sich nicht mehr erinnern, oder es aus Selbstschutz vermutlich verdrängt haben, sei hier nochmals mitgeteilt, wie Teil eins endete: Die von Christian in die Welt von BDSM eingeführte (kein Wortspiel beabsichtigt) Anastasia wollte von ihm wissen, was die härteste Bestrafung für sie als unterworfene "Sub" sei. Als er es ihr in seinem eigens eingerichteten Spielzimmer zeigte und ihr körperliche Schmerzen zufügte, hat sie ihn schockiert verlassen.

Inzwischen arbeitet Anastasia als Assistentin bei einem Lektor in Seattle und willigt schließlich ein, sich mit Christian zu einem Abendessen zu treffen. Kurz darauf kommt es, wie es kommen muss und die Beziehung lebt neu auf. Nur dass sich Anastasia nun gern von ihm züchtigen lässt, denn auch wenn sie zuvor von einer "Blümchenbeziehung" spricht, die sie anstrebt, einen solchen intimen Moment zeigt Gefährliche Liebe nie. Wer allerdings vermutet, dass bis es soweit ist, die zwei Stunden des Films vorüber sind, der irrt – es dauert keine 20 Minuten, ehe Anastasia und Christian wieder ein Paar sind. Die übrige Laufzeit dümpelt die Geschichte großteils orientierungslos dahin. So wird gleich zu Beginn eine frühere Sub von Christian vorgestellt, die Anastasia stalkt und stets finster in die Kamera blickt. Doch statt dies weiterzuverfolgen, verschwindet die Figur für mehr als eine halbe Stunde vollkommen von der Bildfläche, während zwei neue "Bösewichte" eingeführt werden.

Anastasias Boss wird wohl (oder übel) im dritten Film eine größere Rolle einnehmen. Aber auch Elena, die Christian mit der Welt von BDSM vertraut gemacht und ihn als er noch ein Jugendlicher war sexuell ausgenutzt hat, stellt eine Bedrohung für das junge Glück dar. Dass das alles nicht sonderlich interessiert, liegt an den beiden Hauptfiguren, die so blaß und konturlos bleiben, dass diese Eigenschaft das einzige scheint, das sie verbindet. Vor allem verfallen sie so schnell in dasselbe Schema des ersten Films, dass es beinahe ärgerlich wäre. Teilt Anastasia Christian zu Beginn noch mit, dass sie so eine Beziehung wie er sie benötigt nicht führen kann, bietet sie sich ihm später jedoch nur als Sub und nicht als Gleichberechtigte an. Sagt er in Bezug auf Anastasia und ihren Boss "Er will, was mir gehört", ist ihre Antwort, Christian sei anmaßend – nicht, dass man sie nicht besitzen könne.

War Christian im ersten Film dominierend, kontrollsüchtig und besitzergreifend, dann ist er dies hier allenfalls in einer anderen Reihenfolge. War Anastasia bislang unselbständig, nie darum bemüht, ihre eigenen Vorstellungen der Beziehung zu verwirklichen und nicht in der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen, erlebt man sie hier exakt auf dieselbe Art und Weise. Es ist, als wären die Figuren genau dort, wo sie angefangen haben Das einzig "Neue" in Gefährliche Liebe sind die verruchten Sexszenen, die – zugegeben – zumindest im Aufbau etwas abwechslungsreicher sind als bislang. Aber auch sie laufen immer nach demselben Schema ab, stellen die "Praktik" kurz vor, und blenden dann ab, sobald das Publikum verstanden hat, wie es funktionieren soll. Ganz offensichtlich ist Regisseur James Foley nicht darum bemüht, die intime Art der Beziehung der Figuren aufzuzeigen. Oder überhaupt eine Dramaturgie zu erzeugen. Das wird sowohl bei der Stalkerin offensichtlich als auch bei dem bereits in der Filmvorschau angekündigten Helikopterabsturz, dessen Ausgang so schnell aufgelöst wird, dass die Figuren gar nie gezwungen werden, sich mit der "Was wäre wenn?"-Frage auseinander zu setzen.

Es entsteht beinahe der Eindruck, als würde jede Zuseherin und jeder Zuseher, als würden alle Kritiker, die sich mit Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe auseinandersetzen, mehr Zeit investieren als die Filmemacher beim Schreiben des Drehbuchs. Ein solches Verhalten sollte man nicht auch noch belohnen.
Der Originaltitel lautet Fifty Shades Darker, was übersetzt bedeutet, "Fünfzig Schattierungen dunkler"; wer dies als Empfehlung sowohl auf die Helligkeit im Heimkino als auch auf die Lautstärke überträgt, hat die beste Wahl getroffen. Zwei Stunden einen schwarzen Bildschirm anzustarren zieht zumindest keine Spätfolgen nach sich.


Fazit:
Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe ist wie der Vorgänger handwerklich sauber umgesetzt. Doch das allein reicht nicht, wenn sich die ohnehin dürfte Geschichte inhaltlich nur wiederholt und die Figuren hinsichtlich ihrer Entwicklung auf der Stelle treten. Die Darstellung der speziellen Vorlieben des Paares sind hier etwas expliziter, ihre gemeinsame Ausstrahlung dabei jedoch keinen Deut besser geworden. So hat man immer noch den Eindruck, als wären beide Hauptdarsteller lieber woanders. Dass ihre Dialoge selbst im besten Fall unter dem Niveau einer Seifenoper bleiben, trägt das Übrige bei. Würden einen die Charaktere interessieren, wäre das inhaltlich beinahe zum Fremdschämen.
 


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