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Feuerball [1965]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 26. April 2013
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Thunderball
Laufzeit: 130 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 1965
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Terence Young
Musik: John Barry
Darsteller: Sean Connery, Claudine Auger, Adolfo Celi, Luciana Paluzzi, Rik Van Nutter, Guy Doleman, Molly Peters, Martine Beswick, Bernard Lee, Desmond Llewelyn, Lois Maxwell, Roland Culver, Earl Cameron, Paul Stassino, Rose Alba, Philip Locke


Kurzinhalt:
Während eines Kuraufenthalts wird der britische Geheimagent James Bond (Sean Connery) auf Graf Lippe (Guy Doleman) aufmerksam, der ein verdächtiges Tattoo trägt. Wenig später beobachtet er, wie Lippe einen bandagierten Mann aus der Klinik bringt und kurz darauf eine ebenso bandagierte Leiche zurück. Der Tote ist François Derval (Paul Stassino), ein NATO-Pilot, der nachdem Bond seine Leiche identifiziert hat, laut Informationen des Militärs einen Jet mit zwei Atombomben an Bord wasserte. Nach diesem Zwischenfall werden die Weltregierungen von der Terrorvereinigung Phantom erpresst – entweder sie zahlen eine bestimmte Summe, oder eine der beiden Bomben wird in einer Großstadt gezündet. Bond erhält wie seine Doppelnull-Kollegen den Auftrag, die Bomben vor der Lösegeldübergabe zu finden.
Hierfür heftet er sich an die Fersen von Dervals Schwester Domino (Claudine Auger), die als Gefährtin von Emilio Largo (Adolfo Celi) allerdings unter ständiger Beobachtung steht. Dass Bond mit seiner Vermutung, Largo stecke hinter der Entführung der Bomben, richtig liegt, wird dadurch bestätigt, dass er selbst ins Visier der Phantom-Attentäterin Fiona Volpe (Luciana Paluzzi) gerät. Doch bei all den Verwicklungen läuft ihm die Zeit davon, ehe das Lösegeld gezahlt werden muss. Und ob Phantom die Bombe dann nicht dennoch zündet, ist keineswegs sicher ...


Kritik:
Mit Feuerball beginnt die Ära des klassischen James Bond-Films, der ebenso durch aufwändige Action, exklusive Spielzeuge und Bösewichter mit Weltherrschaftsphantasien geprägt ist, wie durch die aufreizenden Damen in Bonds Alltag, seine Süffisanz bis hin zum Zynismus und einer augenzwinkernden Erzählung, die sogar die hohe Anzahl an Opfern erträglich macht.
So zeitlos Vieles von dem präsentiert wird, in den letzten fünf Minuten greift Regisseur Terence Young auf ein Stilmittel zurück, an dem das Alter des Films dennoch deutlich wird.

Bereits der Teaser vor dem charakteristischen Vorspann greift dabei die Hintergrundgeschichte um das Terrornetzwerk "Phantom" wieder auf, das zuletzt in Liebesgrüße aus Moskau [1963] thematisiert, für Goldfinger [1964] allerdings außer Acht gelassen wurde. Das Drehbuch räumt den Widersachern um Phantom-Anführer "Nummer eins" (Ernst Stavro Blofeld) erstaunlich viel Zeit ein. Nachdem Bond erneut ein Mitglied jener Verbrechervereinigung ausgeschaltet hat, ersinnt diese einen Plan, wie sie von den Weltmächten mehr Geld als je zuvor erpressen kann. Mit einem lange vorbereiteten Täuschungsmanöver gelingt es Phantom, zwei Atombomben in seine Gewalt zu bringen. Sollte die Welt ein immens hohes Lösegeld nicht bezahlen, würde eine Bombe in einer amerikanischen oder britischen Metropole gezündet. Verantwortlich für die Operation ist der hochrangige Phantom-Anhänger Emilio Largo, auf den Bond durch eine andere Spur stößt.

Exotische Schauplätze wie Nassau kostet Feuerball ebenso aus wie die Möglichkeit, die Darsteller großteils an eben diesen Orten zu filmen. Die nicht nur in jener Zeit häufigen Studioaufnahmen finden sich sehr selten und hauptsächlich bei Szenen in denen die Charaktere in Autos zu sehen sind. Aber spätestens, wenn erkennbar Sean Connery unter Wasser ehrfürchtig vor mehreren Haien zurückrudert, die an ihm vorbeischwimmen, entwickelt der Thriller eine Glaubwürdigkeit, welche die Spannung nur noch antreibt.

Der Höhepunkt ist dabei das Finale, das vollständig unter Wasser und damit ohne Dialoge stattfindet. Dass die Autoren dies für den größten Schurken übertreffen wollten, ist löblich und seither ein gängiges Klischee. Doch greift Regisseur Young hier mehrere Minuten dauerhaft auf beschleunigtes Filmmaterial zurück. Das bedeutet, dass die Bewegungen schneller laufen als sie gefilmt wurden, ebenso die Szenerie der Umgebung selbst. Dies war über lange Zeit im Film ein gängiges und oft gebrauchtes Stilmittel, doch wirkt es ebenso künstlich wie kontraproduktiv. Anstatt die bedrohliche Situation für die Spannung zu nutzen, nehmen die Macher die Überholspur. Dies erscheint damals wie heute billig und wäre es nicht um den einprägsamen, ansteckenden Score von John Barry, würde Feuerball auf Grund der letzten Minuten einen schlechteren Eindruck hinterlassen, als es die aufwändige Produktion verdient hat.

Nicht nur durch den Dialogwortwitz, bei dem sowohl die Schurken, wie auch Bond selbst punkten dürfen, entfernt sich Feuerball von der realistischen Darstellung des Agentenmilieus der ersten beiden Filme. Auch ist hier was auf dem Spiel steht noch gefährlicher und noch weniger greifbar. Dass der Film dennoch überzeugt liegt auch an den bekannten Nebenfiguren, die zum Bond-Universum gehören wie der Martini und seine persönliche Vorstellung mit Namen und Vornamen.
Bernard Lee als M und Desmond Llewelyn als Waffenmeister Q haben hier ebenfalls leichtfüßigere Auftritte als zuvor. Ähnliches gilt für Lois Maxwell als Monneypenny. Bedauerlich ist allerdings, dass mit Rik Van Nutter bereits der dritte Darsteller in der Rolle des CIA-Agenten Felix Leiter zu sehen ist. Die Tatsache, dass alle drei sehr unterschiedlich aussehen, macht es nicht einfacher, die Rolle immer wieder als eigentlich dieselbe zu erkennen. Dass die Produzenten nicht ebenso viel Wert auf eine durchgängige Besetzung gelegt haben, ist unverständlich. Es sind Kleinigkeiten, die den Spaß am Zuschauen unnötig trüben bei einem Agentenabenteuer, das bis auf wenige Ausnahmen kaum gealtert zu sein scheint.


Fazit:
Es gibt Momente in Feuerball, die beeindrucken auch nach all den Jahren noch so wie damals. Von der Lässigkeit, mit der Sean Connery den britischen Geheimagenten mimt ganz zu schweigen. Nach Auric Goldfinger bleibt der Bösewicht Largo hier allerdings sehr farblos, was jedoch nicht am Darsteller, sondern an der wenig ausgearbeiteten Rolle liegt.
Nichtsdestoweniger bietet der vierte James Bond -Film nie dagewesene Actionszenen und exotische Schauplätze, die zum Spionageflair in Bonds Welt ebenso dazugehören wie die leicht bekleideten Damen, die sich hier erneut mehr behaupten dürfen, als in vielen anderen Produktionen jener Zeit. Dass mit ihnen genauso wenig zimperlich verfahren wird, wie mit den männlichen Figuren, lässt den Thriller härter erscheinen, als er über weite Strecken ist. Über die treibende Kraft hinter den geplanten Anschlägen und den internationalen Erpressungsversuch, das Netzwerk Phantom, erfährt man immer noch sehr wenig. Doch das erhält die Spannung beim Publikum und lässt auf die kommenden Filme hoffen.
Bis dahin ist Feuerball der actionreichste und aufwändigste Bond-Film, nicht zuletzt auf Grund der ausführlichen Unterwasser-Sequenzen. Nicht nur die machen ihn für Fans nach wie vor sehenswert.


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