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Fences [2016]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Januar 2017
Genre: Drama

Originaltitel: Fences
Laufzeit: 139 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Denzel Washington
Musik: Marcelo Zarvos
Darsteller: Denzel Washington, Viola Davis, Stephen Henderson, Jovan Adepo, Russell Hornsby, Mykelti Williamson, Saniyya Sidney, Christopher Mele, Lesley Boone, Jason Silvis


Kurzinhalt:

In den späten 1950er-Jahren lebt Troy Maxson (Denzel Washington) mit seiner Frau Rose (Viola Davis) und ihrem gemeinsamen Sohn Cory (Jovan Adepo) in Pittsburgh. Troy hat eine anstrengende Arbeit bei der Müllabfuhr, bei der er die Tour mit seinem besten Freund Bono (Stephen Henderson) fährt. Sein älterer Sohn Lyons (Russell Hornsby) aus einer vorigen Beziehung ist Musiker und weigert sich gegen den Rat seines Vaters, eine herkömmliche Arbeit zu suchen. Troys Bruder Gabriel (Mykelti Williamson) wurde im Krieg schwer verwundet und lebt seither in seiner eigenen Welt. Doch das Leben der Familie Maxson gerät zunehmend aus der Bahn, als Cory darauf beharrt, eine Karriere als Profisportler anzustreben, obwohl sein Vater es ihm verbietet. Während die Spannungen zunehmen, nagt ein Geheimnis an Troy, welches das Familienleben, das er sich aufgebaut hat und in dem er selbst Rose bewusst auf Abstand hält, vollständig zerstören könnte ...


Kritik:
Streng genommen eignet sich Fences, Denzel Washingtons dritte Regiearbeit in beinahe 15 Jahren, nicht für eine bloße Kritik, sondern vielmehr für eine tiefgehende Analyse der einzelnen Figuren, Szenen und Dialoge. Ein Merkmal, das die Leinwandadaption des unter anderem mit dem Pulitzer Preis gekrönten Bühnenstücks ihrer Vorlage verdankt. Im Zentrum des Familiendramas steht der von Washington selbst gespielte und vom Verlauf seines Lebens enttäuschte Troy Maxson. Zu sehen, was seine Entscheidungen ihm selbst und seiner Familie antun, ist schwere Kost, die an die Nieren geht, aber ebenso lehrreich und einer der besten Filme des vergangenen Kinojahres.

Angesiedelt in den späten 1950er-Jahren, arbeitet Troy bei der Müllabfuhr in Pittsburgh. Als wir ihn das erste Mal sehen, unterhält er sich mit seinem Arbeitskollegen Bono auf der Tour darüber, dass er sich beschwert hat: Bei der Müllabfuhr sind Farbige bislang nur als Einsammler eingesetzt. Fahren dürfen ausschließlich Weiße. Wie gewagt Troys Vorhaben ist, versucht er zu überspielen, die Chancen stehen gleich gut, dass seine Beschwerde angenommen und er der erste farbige Fahrer wird, oder er seine Arbeit verliert. Troys Frau Rose sieht jedoch hinter seine Fassade, die aus einem lauten, gesprächigen Auftreten besteht, das ihr Ehemann immer dann an den Tag legt, wenn er Alkohol getrunken hat und bei dem er seine alten Geschichten ständig wiederholt und verändert.

Sehen wir Troy zu Beginn, dann besitzt er etwas Einnehmendes und Charmantes. Fences stellt die Figur des Kriegsveteranen, der andere Meinungen nicht gelten lässt, mit 40 Jahren versuchte, als Profisportler Fuß zu fassen und sein Scheitern einzig mit der Rassendiskriminierung der weißen Teams begründet, vor, um die Fassade nach jedem dieser Auftritte ein Stück weit einzureißen. Nach dem unbeschwerten Beisammensitzen im Hinterhof mit Troy, Rose und Bono, wandelt sich die beinahe überschwängliche Stimmung nach dem Eintreffen von Troys Sohn Lyons, der ein Leben als Musiker führen will, anstatt einer Arbeit wie der seines Vaters nachzugehen, so subtil, als Lyons von Troy Geld borgen möchte, bis Troy regelrecht bedrohlich erscheint. Der Familienvater ist so geprägt von seinem Erlebten und so sehr darauf aus, dass seine Kinder nicht solche Enttäuschungen erfahren sollen, dass er gar nicht bemerkt, dass er ihnen damit gleichermaßen abspricht, eigene Träume, Möglichkeiten und Ziele haben zu dürfen. Auch wenn ihm alle Menschen in seiner Umgebung zureden, dass sich die Zeiten geändert haben, er will es selbst dann nicht sehen, wenn ihn diese Änderung selbst einholt.

Der Regisseur und Hauptdarsteller präsentiert in Fences mit die besten Darbietungen, die man das ganze Jahr über auf der Leinwand wird bewundern dürfen. Washington selbst glänzt mit einem Wechselbad an Emotionen, die eine enorme Bandbreite abdecken bis hin zu einer Körperhaltung, der man ansieht, wie anstrengend Troys Schufterei seit Jahrzehnten für ihn ist. Ihm gegenüber steht Viola Davis in einer Rolle, die nicht nur in den intensivsten Szenen zwischen beiden für Gänsehautmomente sorgt. Sie bringt Roses Stolz, ihre Aufopferung und wie sehr sie verletzt wird so treffend auf den Punkt, dass ihr dies auch ohne Worte gelingt. Ein weiterer Aspekt der Vorlage ist die Beschränkung auf wenige Szenerien und Figuren, die dem Drama die Aura eines Kammerspiels verleihen. Alle Darsteller, auch der von Jovan Adepo fantastisch gespielte Cory, dem Troy seinen Traum vom Baseball zerschlägt, um ihm dieselben Erfahrungen zu ersparen, die er selbst machen musste, bekommen eine Szene zugeschrieben, in der sie glänzen dürfen. Das geht meist einher mit längeren Monologen, die anspruchsvolle Dialoge mit einem beeindruckenden Rhythmus und einer ungeheuren, melodischen Dynamik unterbrechen.

Der Regisseur fängt das Dialogdrama in langen Einstellungen ein, die den Figuren auch in den Momenten, in denen Schweigen mehr sagt als ein Streitgespräch, Raum zur Entfaltung gibt. Zu sehen, wie sich die Szenerie im Laufe der Erzählung langsam verwandelt, zählt ebenso dazu wie perfekt eingefangene Details am Rand wie das treffende Sinnbild der zufallenden Zauntür in einer der letzten Einstellungen. All das macht Fences zu einem beeindruckenden, stellenweise anstrengenden Film, der den Erfahrungen der afroamerikanischen Bevölkerung in jener Zeit gleich zwei Stimmen verleiht. Einmal in der Generation von Troy und in derjenigen von Cory, die unterschiedlichere Möglichkeiten und Erfahrungen kaum haben könnten und sich schon deshalb nicht verstehen. Das ist nicht nur lehrreich, sondern wichtig.


Fazit:
Die Ursprünge des Dramas als Theaterstück sind unverkennbar und bereichern die Erzählung ungemein, auch wenn einige Themen einmal mehr als notwendig vorgestellt werden. Regisseur Denzel Washington stellt auf eine beeindruckende Art und Weise die von ihm gespielte Figur vor, um dann Schicht für Schicht abzutragen und aufzuzeigen, weshalb sie diese Person ist. Aber mehr als nur das, zeigt er auf, wie Troy, dessen Wesen das ganze Haus erfüllt, so seine Frau Rose über ihn, auf seine Mitmenschen wirkt. So sehr er sie einschnürt in ihrer Entfaltung, seinem Sohn Lyons, der sich nichts sehnlicher wünscht, als dass sein Vater ihn spielen hört und stolz auf ihn ist, er bringt etwas Gutes in ihnen zum Vorschein: Sie alle gewinnen eine Stärke, die wir eingangs nicht in ihnen sehen. Fences ist insbesondere von Denzel Washington und Viola Davis so intensiv gespielt, dass einem stellenweise heiß und kalt wird. Die Geschichte geht unter die Haut und beschäftigt einen auch danach. Ohne zu verurteilen, aber vielleicht mit der leisen Hoffnung, dass wir daraus lernen.
Ein großartiger und wichtiger Film.
 


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