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Fast & Furious 8 [2017]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. Juli 2019
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: The Fate of the Furious
Laufzeit: 136 min.
Produktionsland: China / USA / Japan
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: F. Gary Gray
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Vin Diesel, Michelle Rodriguez, Charlize Theron, Jason Statham, Dwayne Johnson, Tyrese Gibson, Ludacris, Kurt Russell, Nathalie Emmanuel, Elsa Pataky, Kristofer Hivju, Scott Eastwood, Luke Evans


Kurzinhalt:

In den Flitterwochen mit Letty (Michelle Rodriguez) wird Dominic Toretto (Vin Diesel) von der mysteriösen Cipher (Charlize Theron) aufgesucht, die ihn rekrutieren will. Ein Nein lässt sie nicht gelten und hat ein Druckmittel in der Hand, dem sich Dominic nicht entziehen kann. Als ihn kurz darauf Hobbs (Dwayne Johnson) um Hilfe für einen Auftrag in Europa bittet, willigt Dominic ein und bringt auch seine Crew um Tej (Ludacris), Roman (Tyrese Gibson), Ramsey (Nathalie Emmanuel) und Letty mit. Doch kurz nach Abschluss des Coups stiehlt Toretto das gerade gestohlene Diebesgut und kehrt seiner „Familie“ den Rücken. Hobbs wird zur Rechenschaft gezogen und erhält durch Mr. Nobody (Kurt Russell) und dessen Assistenten Little Nobody (Scott Eastwood) eine Chance, seinen Namen rein zu waschen: Zusammen mit Dominics Crew soll er Toretto stellen und vor allem Cipher aufhalten, deren Plan eine ungeahnte Bedrohung darstellt. Um sie zu finden, brauchen Hobbs und die anderen jedoch Hilfe – von niemand Geringerem als Deckard Shaw (Jason Statham) …


Kritik:
Für eine Filmreihe, die so sehr auf leichtfüßige Unterhaltung setzt, gestalten die Macher der Fast and the Furious-Filme was für die Figuren auf dem Spiel steht überraschend persönlich. Nicht nur in diesem Bezug ist Fast & Furious 8 der bisherige Höhepunkt. Auch ist der Film mutig genug, diese seit Jahren und mehreren Abenteuern eingeschworene Familie nachhaltig zu verändern. Über das Ausscheiden von Paul Walker hinaus. Das mag inhaltlich immer noch nicht tiefgehend sein, aber es sorgt dafür, dass man dem Abenteuer trotz absurder Entwicklungen gebannt folgt.

Dass Filmemacher F. Gary Gray der bisherigen Formel der Reihe, eine Mischung aus schnellen Autos, Bildern von aufreizend angezogenen Frauen, waghalsigen Stunts und dem Kernthema „Familie“ im Herzen der Story, treu bleibt, wundert nicht. Wieso etwas ändern, das so erfolgreich funktioniert hat? Wie gut es den Machern aber gelingt, die Geschichte mit den Geschehnissen der vorigen Teile zu verzahnen, ist durchaus überraschend. Und das beschränkt sich nicht darauf, dass Special Agent Hobbs erneut auf Deckard Shaw trifft und sich mit ihm erneut die besten Wortgefechte des Films liefert. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Besetzung stetig um durchaus sympathische Figuren gewachsen ist, erstaunt es, dass die neue Bösewichtin Cipher (Charlize Theron in einer Rolle, die ihr sichtlich Spaß zu machen scheint und die Dominics Crew vor ungeahnte Probleme stellt) viele der in den vorangegangenen Teilen vorgestellten Komponenten verbindet. Sie ist so etwas wie Blofeld im Fast and the Furious-Franchise. Was viel wichtiger ist, sie hat Dominic in der Hand. Weswegen genau, sei hier nicht verraten, außer, dass er scheinbar seiner Familie den Rücken kehrt und sie hintergeht.

Schon zuvor hatte die Reihe Figuren auf die Seite der Bösewichte geschickt, um sie zu rehabilitieren, oder generell Schurken auf die Seite der Guten geholt. Es ist, als wäre es der Tenor des Franchise, dass eine Familie vergibt und auch diejenigen aufnimmt, die sich einst von ihr abgewandt haben. Doch in Fast & Furious 8 betrifft dies ausgerechnet die tragende Hauptfigur. Das verleiht dem sonst so unnahbaren und beinahe emotionslos agierenden ‚Dom‘ eine neue Facette und sorgt dafür, dass Von Diesel einige der schauspielerisch stärksten Momente zu meistern hat.
Interessanterweise kristallisiert sich niemand in der Crew heraus, der ohne ihn das Zepter übernimmt. Sie alle haben ihre individuellen Stärken, seine Führungsstärke jedoch offensichtlich niemand. Nicht einmal seine Frau Letty, mit der er zu Beginn die Flitterwochen verbringt.

Während Fast & Furious 8 die bekannte Crew mit einer neuen Situation konfrontiert, folgt der Film erzählerisch dem bekannten Schema und führt strickt von einer Action-Sequenz zur nächsten. Nach einer Eröffnung mit einem Autorennen durch das kubanische Havanna – die, so spaßig und unterhaltsam sie sein mag, inhaltlich vollkommen überflüssig ist – springt die Geschichte zu einem Auftrag in Berlin, bei dem die Crew Hobbs unterstützt. Allerdings zeigt der Film den eigentlichen Coup nicht, sondern setzt bei der Flucht danach und dem damit einhergehenden Zerstörungsinferno an. Es ist etwas, das allen Actionszenen hier innewohnt. Anstatt diese aufzubauen, dem Publikum vorab die Situation zu zeigen, die Spannung langsam anzuziehen, platzen die Macher mit der Tür ins Haus. Soll eine von Terroristen besetzte Basis infiltriert werden, wird diese bei vollem Tempo schlicht gestürmt. Setzt Cipher eine ganze Armee an Fahrzeugen ein (dem aktuellen Trend für Zombie-Geschichten hier Tribut zu zollen, ist eine gelungene Idee), dann passiert das von jetzt auf gleich. Doch damit lässt sich der Regisseur auch entsprechend Möglichkeiten entgehen, dem Publikum mehr als nur Bombast zu zeigen.

Dass der dennoch funktioniert, liegt nicht zuletzt an den hanebüchenen Ideen, die mit so viel Augenzwinkern und dennoch ernsthaft genug gezeigt werden, dass man kaum anders kann, als sich mitreißen zu lassen. Auch die sympathischen Figuren sorgen dafür, dass man interessiert bleibt, zumal die Macher mit dem Abgang mehrerer beliebter Personen gezeigt haben, dass man sich nie sicher sein kann, ob die Familie geschlossen den Abspann sehen wird.
Ein weiterer Makel ist, dass sich die Filmemacher stärker auf sichtbare Trickeffekte verlassen und Fast & Furious 8 damit weniger „handgemacht“ erscheint, als die vergangenen Teile. Immerhin, angesichts der schnellen Schauplatzwechsel bleibt kaum Zeit, darüber nachzudenken.


Fazit:
Mit über zwei Stunden ist der inzwischen achte Eintrag der Filmreihe alles andere als kurz und doch wie zuletzt erstaunlich kurzweilig. Obwohl die Geschichte stark mit den vorigen Filmen verwoben ist, können sich Neueinsteiger zumindest von den bombastisch aufgebauten Action-Sequenzen mitreißen lassen, die, selbst wenn sei erkennbar computerunterstützt sind, doch realer wirken, als bei vielen aktuellen Comichelden-Abenteuern. Von deren Eigenschaften sind Dominic und seine Crew zwar nicht weit entfernt, wer ihre Entwicklung jedoch bis hierhin beobachtet hat, kann nicht anders, als mit ihnen mitzufiebern. Insofern sind es neben der tadellosen Unterhaltung vor allem die Figuren, die hier fesseln. Fast & Furious 8 kann es ungeachtet der offensichtlichen Anleihen an das Agentengenre nicht mit dessen stärksten Vertretern aufnehmen. Dafür ist die Geschichte zu einfach und die einzelnen Szenen zu überzogen. Aber es gelingt Regisseur F. Gary Gray, was auf dem Spiel steht, im Vergleich zu den vorigen Filmen noch zu steigern und dabei doch den Kern der Vorgänger zu bewahren. Für Eingeweihte ist das beste Popcorn-Unterhaltung mit einem unerwartet persönlichen Touch.
 


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