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Ender's Game - Das große Spiel [2013]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. Oktober 2014
Genre: Science Fiction

Originaltitel: Ender's Game
Laufzeit: 114 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Gavin Hood
Musik: Steve Jablonsky
Darsteller: Asa Butterfield, Harrison Ford, Hailee Steinfeld, Abigail Breslin, Ben Kingsley, Viola Davis, Aramis Knight, Suraj Partha, Moises Arias, Khylin Rhambo, Jimmy 'Jax' Pinchak, Nonso Anozie


Kurzinhalt:

Den Namen Mazer Rackham kennt Ender (Asa Butterfield) so gut wie jeder andere Mensch auf der Welt. Rackham hatte sich vor 50 Jahren selbst geopfert, um die Invasion der Formics abzuwenden. Millionen Menschen starben damals und seither bereitet sich die Erde auf einen weiteren Angriff durch die Außerirdischen vor. Um ihnen gewappnet zu sein, bildet Colonel Graff (Harrison Ford) strategisch hochbegabte Kinder aus. Sie sollen die Verteidigungsflotte der Menschen befehligen. In Ender sieht Graff einen geborenen Anführer, auch wenn Major Anderson (Viola Davis) ihm widerspricht.
Um seine Entscheidungen nicht beeinflussen, soll Ender emotional von den anderen isoliert werden, doch findet er auf der Akademie in Petra (Hailee Steinfeld) und Bean (Aramis Knight) Freunde. Auch seine Schwester Valentine (Abigail Breslin) ist für ihn eine wichtige Stütze. Er erträgt die harte Ausbildung und kämpft sich von einer Computersimulation zur nächsten. Sein Wunsch zu siegen wird dabei immer stärker und die Verluste, die er bereit ist einzugehen, immer höher …


Kritik:
Über weite Strecken scheint Ender's Game - Das große Spiel wie eine für Jugendliche zurechtgestutzte Variante von Starship Troopers [1997], nur ohne die gallige Satire. Kurz vor Schluss fällt jedoch ein Satz, der dem Film seine Daseinsberechtigung verleiht und der ihn vielleicht besser erscheinen lässt, als er tatsächlich ist. Wenn Ender voller Trauer feststellt, dass nicht der Sieg allein, sondern "wie wir gewinnen, das einzige [ist], was zählt", dann spricht er aus, was in jedem Krieg in Vergessenheit zu geraten scheint.

Es ist auch eine Feststellung, die ihn menschlicher und mitfühlender erscheinen lässt, als im ganzen Film bis dahin. Ender Wiggin ist Jahrzehnte nach einem verheerenden Angriff der außerirdischen, insektenartigen Formics auf der Erde geboren worden, doch er kennt die Geschichten, als habe er sie selbst erlebt. Millionen Menschen starben und wäre es nicht um das selbstlose Opfer von Mazer Rackham gewesen, hätten die Menschen die Schlacht nicht für sich entschieden. Seit dieser einen Invasion gab es kein Aufeinandertreffen der Menschen mit den Formics mehr, doch die Internationale Flotte bereitet sich auf einen weiteren Krieg vor – den Colonel Graff mit einem Erstschlag für die Menschen zu entscheiden gedenkt.

Es fällt schwer, bei den vielen Übereinstimmungen nicht sofort an Paul Verhoevens brutalen, zynischen Starship Troopers zu denken, doch Gavin Hood, der selbst das Drehbuch basierend auf Orson Scott Cards Roman schrieb, erzählt Enders Schicksal bitter ernst, was sich erst zum Schluss auszahlt. Bis dahin wird der taktisch einfallsreiche Ender von Graff rekrutiert und absichtlich als Außenseiter gehalten. Er soll keine Freunde finden, sondern sich auf seine Ausbildung konzentrieren, um nach dem Training die Angriffs-, bzw. Verteidigungsflotte der Menschen befehligen zu können. Diese Verantwortung einem Kind anzuvertrauen klingt absurd, die Erklärung, die der Film hierfür liefert, macht das auch nicht besser.

Dass Ender von seinen Ausbildern bewusst darauf getrimmt wird, emotionslos zu bleiben, macht es nicht einfacher, Zugang zu Asa Butterfields Darbietung zu finden. Selten hat man das Gefühl, es würde in ihm brodeln, auch nicht, wenn das Drehbuch seinen familiären Hintergrund mit seiner zu mitfühlenden Schwester und seinem unbeherrscht aggressiven Bruder erläutert. Dass Ender begabt ist, seine Umgebung für sich einzusetzen weiß, lässt Ender's Game hingegen erkennen. Mit welchen Dämonen er zu kämpfen hat, arbeitet wohl der Roman heraus.

So unnahbar die Figur, so einnehmend ist das Design des Films, das an viele große Science Fiction-Klassiker erinnert, aber nicht zuletzt in den Schwerelosigkeitskämpfen seinen größten Reiz bietet. Dahingegen erinnert das Insekten-Aussehen der Formics an das inzwischen von anderen Produktionen gewohnte. Über ihre Kultur, den Grund der Invasion auf der Erde und weswegen die Menschen seit ihrem ersten Aufeinandertreffen nicht mehr von ihnen kontaktiert wurden, schweigt sich Gavin Hood bedauerlicherweise aus, weswegen die letzten zehn Minuten von Ender's Game so unpassend erscheinen. Der Schluss wirkt, als wäre er notdürftig nachgeschoben, um Ender nicht in einem schlechten Licht dastehen zu lassen. Auch wenn dies der Romanvorlage entnommen ist, es schmälert die vernichtende und anklagende Aussage, die Ender zuvor trifft. Leider.


Fazit:
Liest man Meinungen zum Film, er würde eine Militärdiktatur verherrlichen oder zur Schau stellen, dass besiegte Gegner vernichten werden sollen, dann ist es, als haben diese Menschen Ender's Game - Das große Spiel entweder nicht gesehen, oder nicht verstanden. Gavin Hood positioniert sein Science Fiction-Lehrstück ganz eindeutig und zeigt, wohin es führt, wenn statt auf Dialog zu setzen mit Waffengewalt geantwortet wird. Diese Lektion ist nicht neu und vermutlich für das Zielpublikum auch zu früh.
Handwerklich tadellos gemacht, veredeln Darsteller wie Harrison Ford, Viola Davis und Ben Kingsley eine Besetzung, die von den Kindern überraschend souverän getragen wird. Selbst Asa Butterfield kann man keinen Vorwurf machen, dass das Skript zu wenig über Enders Gedankenwelt verrät. Die letzten Minuten, in denen Ender eine neue Aufgabe findet, nehmen der Geschichte viel vom tragischen Gewicht des "spielerischen" Finales. Doch das macht Enders Feststellung nicht weniger richtig und wichtig.    


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