Ein Fest fürs Leben [2023]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 9. Oktober 2023
Genre: Komödie

Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2023
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Richard Huber
Musik: Francesco Wilking, Patrick Reising
Besetzung: Christoph Maria Herbst, Cynthia Micas, Marc Hosemann, Jörg Schüttauf, Johannes Allmayer, Ulrich Brandhoff, Jasmin Shakeri, Anne Schäfer, Ben Münchow, Banafshe Hourmazdi, Pit Bukowski, Sahin Eryilmaz, Charlotte Schwab, Mira Benser, Piet Fuchs, David Ali Rashed, Mouataz Alshaltouh, Sipan Hasan


Kurzinhalt:

Für Hochzeitsplaner und Eventmanager Dieter Salzmann (Christoph Maria Herbst) ist sein Beruf auch ein Auftrag, seiner Kundschaft den schönsten Tag in ihrem Leben zu organisieren. Doch nach zwei Krisenjahren will Dieter die Führung abgeben. Da er es seiner Stellvertreterin Jella (Cynthia Micas) nicht zutraut, in seine Fußstapfen zu treten, soll die Firma verkauft werden, wovon seine Belegschaft nichts weiß. Der Abschluss seiner Karriere soll die malerische Hochzeit von Leonie (Mira Benser) und Lasse (Ulrich Brandhoff) in einem traumhaften Schloss sein. Der Kaufinteressent will das Event auch begutachten, um sich einen Eindruck der Firma zu verschaffen. Umso wichtiger, dass alles reibungslos läuft. Doch schon im Vorfeld gibt es eine Unstimmigkeit nach der anderen. Angefangen von Ersatz-Sänger Steve (Marc Hosemann), der dies mehr als seinen Abend als den des Hochzeitspaares sieht, bis hin zu Dieters Schwager Florian (Johannes Allmayer), der als Aushilfskellner arbeitet und unglücklich in die Braut verliebt ist. Dass Dieters eigene Ehe in Scherben liegt und er nicht in der Lage ist, seine Ehefrau ans Telefon zu bekommen, macht das Glück des Brautpaares nicht einfacher mitanzusehen. Dann wird auch noch der Kühlwagen sabotiert und aus der Traumhochzeit droht ein Alptraum in weiß zu werden …


Kritik:
Basierend auf der französischen Komödie Das Leben ist ein Fest [2017] erzählt Richard Huber in Ein Fest fürs Leben vom Eventplaner Dieter Salzmann, der stets die schönsten Tage anderer realisieren soll, und als seine eigene Ehe in Scherben liegt, darüber nachdenkt, seine Firma zu verkaufen. Angestellte, die er ständig im Zaum halten muss und die zu organisierende Hochzeit, bei der nichts rund läuft, machen ihm die Entscheidung nicht schwer. Überraschend zurückhaltend, ist dies durchweg amüsant und herzlich zugleich.

Das ist vor allem Christoph Maria Herbst zu verdanken, der in der Rolle des nervlich zerrütteten Firmenchefs Dieter auf verschiedenste Situationen bissig und zynisch reagiert, aber nie überheblich auftritt. Sieht man, um welche Lappalien er sich am Tag der vor malerischer Kulisse eines Schlosses ausgerichteten Hochzeit kümmern muss, wie er mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dabei umgeht, dann ist er durchaus fair. Sein Anspruch, das vermittelt er der Crew vor dem Event, ist, dass sie dem Brautpaar den schönsten Tag in ihrem Leben bereiten sollen. Es ist für ihn keine hohle Phrase, seine Belegschaft durchaus so etwas wie seine Familie. Dieter hält auch an Fotograf Marcel fest, der wie er selbst in zwei Krisenjahren sehr gelitten hat. Gleichzeitig wirkt Dieter müde, weil er immer wieder dieselben Anweisungen geben muss, seine Vertreterin Jella nicht in der Lage scheint, die Firma zu übernehmen. Bereits im Vorfeld der Hochzeit häufen sich Ungereimtheiten, angefangen vom Ersatz-Sänger, der sein Ego über das Glück des Hochzeitspaares stellt, oder dass eine Aushilfe den Kühlwagen mit dem Hauptgericht vom Strom trennt. Gleichzeitig findet die Feier am Vorabend von Dieters Geburtstag statt, den er sich – nicht zuletzt auf Grund der drohenden Trennung von seiner Frau – merklich anders vorgestellt hat.

Dieter hätte also viele Gründe, zu verzweifeln und aufzugeben, doch er versucht, den Abend mit 150 geladenen Gästen für diese und das Brautpaar um den egozentrischen Bräutigam Lasse so gut wie möglich über die Bühne zu bekommen. Herbst verleiht der Figur im Zentrum trotz seiner gewandten Wortspitzen eine Menschlichkeit, dass man sich beim Zusehen weniger für das Brautpaar wünschen würde, dass die Feier gerettet werden kann, als für ihn. Seine Erfahrungen und Entwicklung sind es auch, die dem Titel Ein Fest fürs Leben schließlich seine Bedeutung verleihen, gilt es für ihn doch, in dem Fest, das er ausrichtet, den Mut für das Leben nicht zu verlieren.

Regisseur Richard Huber, der auch das Drehbuch schrieb, hätte aus der Idee eine überzogene Komödie erzählen können, in der es einzig um Dieter als Figur gegangen wäre, der Hintergrund der Hochzeitsfeier jedoch keine große Rolle gespielt hätte. Das hätte in einer katastrophalen Feier wie in Trauzeugen [2023] münden können. Tatsächlich gelingt es Ein Fest fürs Leben, trotz der immer stärker um sich greifenden Katastrophen, ein sowohl für das Hochzeitspaar als auch für Dieter versöhnliches, positives Ende zu finden. Dabei werden nicht alle Aspekte aufgelöst, weder Dieters eigene Ehekrise, noch sein Schwager, ehemals Lehrer mit Burn-out, der die frisch gebackene Braut umwirbt. Auch wirken manche Aspekte wie die sich unter die Hochzeitsgäste mischenden Angestellten oder der geplante Verkauf der Event-Firma etwas holprig umgesetzt. Der Auftritt des Kaufinteressenten, so amüsant er ist, ist doch in der augenscheinlich überraschenden Auflösung lange absehbar. Doch das ändert nichts daran, dass das gesamte Ensemble der Geschichte eine greifbare Sympathie verleiht, so dass man ihnen wünschen würde, dass sie all dies noch zu einem guten Abschluss bringen können.

Der Humor ist dabei erfreulich zurückgenommen, bezieht sich mehr auf die Situation und die geschliffenen Dialoge, als auf Slapstick. Dies gibt Ein Fest fürs Leben jedoch die Möglichkeit, sich stärker auf Dieter als Figur zu konzentrieren. Bedauerlich ist, dass er auch die einzige ist, die tatsächlich ausgearbeitet wird. Sieht man darüber hinweg und lässt sich von der Geschichte mitnehmen, ist Richard Hubers durchweg amüsante und gelungene Unterhaltung mit einem fantastischen Christoph Maria Herbst im Zentrum einer tollen Besetzung, die erfreulicherweise die Lebenswirklichkeit treffend widerspiegelt. Vielleicht ohne Lokalkolorit im Gegensatz zu anderen deutschen Komödien, dafür mit merklich Herz.


Fazit:
Unmittelbar vor seinem Geburtstag zieht Dieter Salzmann Resümee und stellt fest, dass sich das Leben nicht so entwickelt hat, wie erhofft. Seine Ehe steht kurz vor dem Zerbrechen, zu einer möglichen neuen Beziehung hat ihm bislang der Mut gefehlt, und nach zwei krisengeschüttelten Jahren mangelt es ihm beruflich an Kraft, weiterzumachen. Da ist die von mehreren Katastrophen heimgesuchte Hochzeitsfeier, die er mit seiner Belegschaft ausrichtet, nur das Zünglein an der Waage, ob er aufgeben soll. Doch anstatt weit über die Stränge zu schlagen, präsentiert Filmemacher Richard Huber eine geerdete Komödie, die wenige laute Lacher provoziert, als einem durchweg ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Zu alltäglich die Situationen, zu herzlich die Figuren. Dank pointierter Dialoge und einer erstklassigen Ansprache des Eventmanagers an die Belegschaft im Fackelschein, ist Ein Fest fürs Leben ein von Christoph Maria Herbst großartig nuanciert gespielter, treffender Film für ein Publikum, das nicht auf grellen Humor aus ist, sondern aus dem Leben gegriffene Komödien zu schätzen weiß. Schön!