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Edge of Tomorrow [2014]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 20. Oktober 2014
Genre: Science Fiction / Action / Thriller

Originaltitel: Edge of Tomorrow
Laufzeit: 113 min.
Produktionsland: USA / Australien
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Doug Liman
Musik: Christophe Beck
Darsteller: Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson, Bill Paxton, Jonas Armstrong, Tony Way, Kick Gurry, Franz Drameh, Dragomir Mrsic, Charlotte Riley, Masayoshi Haneda, Terence Maynard, Noah Taylor


Kurzinhalt:

Gegen seinen Willen wird der PR-Spezialist Major Cage (Tom Cruise) von General Brigham (Brendan Gleeson) an die Front geschickt. Von England aus soll der Truppentransporter zusammen mit vielen anderen an der französischen Küste landen, um Stück für Stück das seit einigen Jahren von Aliens besetzte Europa zurückzuerobern. Doch Cage stirbt zusammen mit allen anderen Soldaten – die Außerirdischen hatten einen Hinterhalt vorbereitet und wussten um die Angriffsflotte.
Als Cage aufwacht, ist wieder ein Tag vor dem Angriff und alles spielt sich so ab wie beim letzten Mal. Wieder stirbt er, um dann wieder ein Tag zuvor aufzuwachen. Als er im Kampf auf die Kriegsheldin Rita Vrataski (Emily Blunt) trifft, sagt sie ihm, er soll nach dem Aufwachen zu ihr kommen. Wie sie zuvor, scheint Cage eine Fähigkeit der Aliens übernommen zu haben. Er könnte die letzte Chance sein, nicht nur Europa zurückzuerobern, sondern auch die Aliens ein für alle Mal zu besiegen ...


Kritik:
Live. Die. Repeat. Es klingt wie ein Mantra aus einem Videospiel, übersetzt mit "Leben. Sterben. Noch mal.", das Regisseur Doug Liman mit seinem Science Fiction-Film Edge of Tomorrow vorstellt. Doch was inhaltlich an eine Mischung aus Und täglich grüßt das Murmeltier [1993] und Starship Troopers [1997] erinnert, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als einfallsreiche, toll ausgestattete und spannende Science Fiction-Unterhaltung, die genügend eigene Ideen mit sich bringt, um gegen die vorigen Klassiker bestehen zu können.

Dass Hauptfigur William Cage dabei nicht als Held in schimmernder Rüstung präsentiert wird, sondern als Deserteur einer Angriffstruppe zugeteilt wird, kleidet Tom Cruise in den ersten 15 Minuten in einem ganz eigenen Licht. Jahre, nachdem eine Alienrasse genannt die Mimics auf der Erde gelandet und Europa mit Ausnahme von Großbritannien für sich eingenommen hat, starten die Menschen einen vielleicht letzten Versuch, ihnen entgegen zu treten. Man will die Außerirdischen mit einer Invasion an der französischen Atlantikküste überraschen – Parallelen zum D-Day sind hierbei durchaus beabsichtigt. Trifft der Truppentransporter mit Cage und seinem Trupp in Frankreich ein, geraten sie in einen Hinterhalt und auch wenn es Filmemacher Liman nicht gelingt, die Wucht des orientierungslosen Massakers aus Der Soldat James Ryan [1998] zu erreichen, er gibt sich merklich Mühe und versetzt sein Publikum an die Seite jener Soldaten in ihren Exoskeletten, die bis an die Zähne bewaffnet und dem Gegner doch hoffnungslos unterlegen sind.

Cage stirbt keine fünf Minuten, nachdem er am Strand angekommen ist – und wacht einen Tag vorher wieder auf. Es scheint, als habe er eine Fähigkeit der Aliens übernommen, denn einige von ihnen können, wenn sie sterben, die Zeit zurückdrehen, um denselben Kampf nochmal zu erleben. Nach unzähligen Versuchen trifft Cage auf die zur Legende gewordene Rita Vrataski. Sie hat den Angreifern bei der Schlacht um Verdun einen empfindlichen Schlag versetzt und wird seither als Heldin gefeiert. Wie Cage erfährt, geschah was ihm widerfährt auch ihr. Nur so konnte sie diesen Kampf überleben. Als Rita Cage trainiert, um ihn zur perfekten Waffe auszubilden, folgen Momente, die trotz der ernsten Bedrohung einen charmanten Unterhaltungswert besitzen. Wer versuchen wollte mitzuzählen, wie oft Cage den Tag neu erleben muss, da ihn der kleinste Fehler das Leben kostet, der dürfte irgendwann den Faden verlieren.

Überraschenderweise fühlt sich Edge of Tomorrow dabei nicht an wie ein Videospiel. Vielmehr gewinnt das Skript den Figuren viele persönliche Momente ab. Hierzu passt die Chemie zwischen Tom Cruise und der taffen Emily Blunt, deren Rita von ihrem ersten Auftritt an jene Melancholie in den Augen trägt, die Cage im Laufe seiner ständigen Wiederholung noch hinzu gewinnt. Dass das Schicksal der Welt am Ende von beiden abhängt, ist ein notwendiges Klischee, auch wenn der Ansatz des Finales mit einem ganzen Team um Rita als letzte Verteidigungslinie vielversprechender war.

Was den Science Fiction-Film von der Besetzung abgesehen auszeichnet, ist das Design, das angefangen von den martialischen Kampfanzügen der Soldaten, bis hin zu den verwüsteten Gebieten in Europa greifbar erscheint. Die Aliens sind dabei das Highlight und heben sich erfreulich vom inzwischen überall vertretenen insektenhaften Aussehen der Eindringlinge ab. Dass Regisseur Doug Liman seine Optik im Griff hat und weiß, wann längere Einstellungen mehr Sinn machen als eine ständig bewegte Kamera, macht es einfacher, auch der Dynamik der Schlachtszenen zu folgen. Dank der Inszenierung packt Edge of Tomorrow selbst wenn absehbar ist, wie all das ausgehen wird. Und dank der ruhigen, persönlichen Momente der Figuren fiebert man mit ihnen auch mit, obwohl im Zweifel nur den "Reset"-Knopf gedrückt werden muss, um nochmal von vorn anzufangen.


Fazit:
Trotz des Konzepts hat man bei Doug Limans Science Fiction-Film nicht das Gefühl, als würde er sich ständig wiederholen. Die vielen kleinen Änderungen im Ablauf, wie sich Cages Fokus verschiebt, je öfter er ein ums andere Mal mit ansehen muss, wie die Menschen, mit denen er so viel Zeit verbracht hat von einem übermächtigen Gegner dahingerafft werden, machen Edge of Tomorrow immer interessant. Und spiegeln an ihm treffend wider, welche Wirkung der Krieg auf die Menschen hat.
Die Darsteller verleihen den erstaunlich wenig pathetischen Figuren Profil und sieht man Bilder aus einem zerstörten, verlassenen Europa, zusammen mit der Landung der Streitkräfte an der französischen Küste, dann kommt unweigerlich ein Gefühl dafür auf, welche Sicherheit in Europa mit der Landung der Alliierten vor 70 Jahren erkämpft wurde. Diese Töne schwingen zusätzlich mit, auch wenn Edge of Tomorrow für sich genommen bereits einen toll gemachten, nachdenklichen Action-Thriller darstellt. Und als solches ist er eine wirkliche Überraschung.    


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