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Dumbo [2019]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 3. November 2019
Genre: Fantasy / Unterhaltung

Originaltitel: Dumbo
Laufzeit: 112 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien / Australien / Kanada
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Tim Burton
Musik: Danny Elfman
Besetzung: Colin Farrell, Nico Parker, Finley Hobbins, Danny DeVito, Eva Green, Michael Keaton, Alan Arkin, Roshan Seth, Lars Eidinger, Deobia Oparei, Joseph Gatt


Kurzinhalt:

Nach seinem Einsatz im Ersten Weltkrieg kehrt Holt Farrier (Colin Farrell) im Jahr 1919 zu dem Zirkus von Max Medici (Danny DeVito) zurück, in dem er mit seiner Frau bei einer Attraktion als Reiter aufgetreten war. Doch zwischenzeitlich ist seine Frau der Grippe erlegen und Holt im Krieg schwer verwundet worden. Tochter Milly (Nico Parker) weigert sich, im Zirkus aufzutreten, Sohn Joe (Finley Hobbins) ist dafür schlicht zu jung. Allerdings hat Max eine neue Attraktion im Auge. Kürzlich hat er eine trächtige Elefantenkuh erworben und hofft, das Neugeborene vermarkten zu können. Die Möglichkeit bietet sich ihm anders, als gedacht, denn der kleine Elefant, Dumbo, hat riesige Ohren – mit denen er sogar fliegen kann. Als bekannt wird, wie besonders Dumbo ist, wird der Themenpark-Besitzer V. A. Vandevere (Michael Keaton) auf ihn aufmerksam. Er plant, Dumbo in seinem Park „Dreamland“ auftreten zu lassen, wo die Trapezkünstlerin Colette Marchant (Eva Green) auf ihm fliegen soll. Koste es, was es wolle …


Kritik:
Mehr als 75 Jahre lang begeisterte der Animationsklassiker Dumbo [1941] um den gleichnamigen, fliegenden Elefanten ganze Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern. Im Zuge der Welle an Realverfilmungen von Zeichentrickklassikern nehmen sich die Walt Disney Pictures auch den damals vierten abendfüllenden Spielfilm des Studios vor. Sieht man die hunderte über hunderte Namen der Beteiligten beim Abspann von Dumbo, kann man kaum anders, als für sie Mitgefühl zu empfinden. Wohl niemand beabsichtigt, einen schlechten Film zu machen. Doch diese Neuinterpretation, denn eine Verfilmung des bisherigen Stoffs ist es nur bedingt, gerät so früh so weit ab vom Kurs, dass nicht einmal der visuelle Stil von Filmemacher Tim Burton noch etwas zu retten vermag.

Mit etwas weniger als zwei Stunden beinahe doppelt so lang wie die Zeichentrickvorlage, erzählt Dumbo die Geschichte des Titel gebenden Elefantenjungen, das in einem Wanderzirkus zur Welt kommt. Anders als zuvor, spielen hier nicht sprechende Tiere die Hauptrollen, sondern die menschlichen Zirkuskünstler. Angeführt wird die Besetzung von Colin Farrell, der im Jahr 1919 in die Rolle des Weltkriegsveteranen Holt Farrier schlüpft. Er verlor im Krieg einen Arm – und wer vermutet, dass dieser Umstand irgendwann im Film eine Rolle spielt, beispielsweise als Spiegelbild des von der Norm abweichenden Dumbo mit seinen außergewöhnlich großen Ohren, der wird enttäuscht. Es ist, als hätten die Filmemacher hier eine Parallele ziehen wollen, doch die wird im Lauf der lang gezogenen Geschichte schlicht vergessen.

Als Zirkusbesitzer Max Medici die trächtige Elefantendame Mrs. Jumbo erworben hat, hatte er im Sinn, dass ein süßer, kleiner Elefant eine Attraktion wäre. Doch als er Dumbo mit seinen großen Ohren sieht, ist er außer sich. Eine solche Monstrosität könne er nicht vermarkten … diese Aussage kommt von einem Mann, der sein Geld mit „bärtigen Frauen“, überstarken Männern, vermeintlichen Meerjungfrauen und sonstigen Spektakeln macht. Aber wenn er etwas wirklich Spektakuläres sieht, will er damit nichts anzufangen wissen?
Dies ist leider etwas, das sich im Film mehrmals wiederholt: Keine Figur verhält sich so, wie es wirkliche Personen in der Situation tun würden, niemand hört auf den Dompteur, der seine Tiere am besten kennt und keine Wendung innerhalb der Handlung ergibt sich auf Grund eines natürlichen Ablaufs, sondern einfach, weil das Drehbuch es so haben möchte, damit der Film nicht sofort wieder vorbei ist.

Drehbuchautor Ehren Kruger, der einst mit Arlington Road [1999] oder der US-Adaption von Ring [2002] überraschte, ehe er sich mit den Transformers-Fortsetzungen einen Namen machte, liefert einen solch kruden Mix aus deprimierend düsterem Fantasy und einem Finale, das an außer Kontrolle geratene Themenparks wie in Jurassic Park [1993] erinnert, dass nur noch mehr stört, welche fehlplatzierten, gesellschaftlichen Aussagen er hineinpackt. Mag die Kritik daran, wie Tiere im Zirkus gehalten werden, noch so angebracht sein, oder dass junge Frauen sich nicht in Rollen zwängen lassen, sondern ihren eigenen Weg gehen, die Art und Weise, wie dies hier geschieht, verleitet nur zum Kopfschütteln. So kümmern sich Holt Farriers Kinder, Joe und Milly um Dumbo und bringen ihm sogar das Fliegen bei – allen voran Milly, die in einer frühen Szene wörtlich sagt, „ich möchte wissenschaftliche Entdeckungen machen und wegen meines Verstandes wahrgenommen werden“. So lobenswert die Aussage, sie passt weder in die Zeit, noch zu der Figur.

Zwar finden sich in Dumbo viele Anspielungen an die Trickfilmvorlage, der Verlauf der Geschichte, der die Figuren in die Fänge des Themenpark-Besitzers V. A. Vandevere (Michael Keaton) führt, geht jedoch einen eigenen Weg. Darin werden zwar die Figuren nicht weiter ausgebaut und abgesehen von derselben Flugszene mit verschiedenen Hintergründen hat auch Dumbo selbst nicht viel zu tun, doch bleibt die Story zumindest schwer vorhersehbar. Auch deshalb, weil sie keinen großen Sinn ergibt. Anstatt eine inspirierende Geschichte zu erzählen, bei der sich Dumbo am Ende selbst helfen kann, sind hier die Menschen die eigentlichen Helden. Ob der kleine Elefant sie tatsächlich versteht oder nicht, wird nie deutlich, so dass die Magie der Geschichte am Ende auf sich warten lässt. Ebenso wie der Humor, der sich nicht aus den Momenten heraus ergibt, sondern in zusätzlichen Szenen wie einem penetranten Äffchen bei Zirkusdirektor Medici eingespielt wird, die für die Geschichte überhaupt nicht notwendig sind. Ebenso, wie die Neuinterpretation am Ende selbst nicht.


Fazit:
Nicht nur die Aussage, die Darsteller Alan Arkin als Banker Remington beim Finale trifft, auch wie er sie vorträgt, fasst Dumbo gut zusammen. In Anbetracht einer Feuersbrunst meint er emotionslos, ohne einen Gesichtsmuskel zu bewegen: „Wow, das ist ein Desaster“. In der Tat. Aus dem inspirierenden, kurzweiligen und magischen Trickfilmoriginal, dessen charmante Figuren Publikumsherzen erwärmten, gestaltet Tim Burton eine überraschend düstere und freudlose Fantasymär. Die menschlichen Figuren entwickeln sich nicht und besitzen generell keine Tiefe, Dumbo selbst bekommt ebenfalls kaum etwas zu tun und zu alledem gibt es so viel Gesellschaftskritik zu entdecken, dass merklich der Spaß am Zusehen leidet. Hinzu kommt eine Machart, die einen durchweg derart künstlichen Look offenbart, dass es beinahe ist, als hätte der Filmemacher einen Animationsfilm reell nachgestellt, die Hintergründe jedoch „gezeichnet" belassen. Das Endergebnis überzeugt zu keinem Moment, zieht sich nach der ersten Hälfte merklich bis zu einem Schluss, der das Publikum mehr beschwert, als es inspiriert. Dagegen hilft auch die namhafte Besetzung nicht.
 


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